Erschwerend wurde vor Gericht gewertet, dass die Gewalttat in der Probezeit drei Monate nach einer einschlägigen Verurteilung - und vor allem vor den Augen des gemeinsamen zweijährigen Sohnes - verübt worden war. Aus psychiatrischer Sicht war der Mann zum Tatzeitpunkt zurechnungsfähig und befand sich nicht in einem psychischen Ausnahmezustand. Es wurde auch keine geistige oder seelische Abartigkeit festgestellt.
Fehlen des Dolmetschers verzögerte Prozessbeginn
Der Prozess am Landesgericht St. Pölten hatte am Mittwoch wegen des zunächst fehlenden Dolmetschers mit zwei Stunden Verspätung begonnen. Dieser war im weiteren Verlauf nur unterstützend notwendig, weil sich der Beschuldigte auf Deutsch verantwortete. Der Tunesier bekannte sich der schweren Körperverletzung schuldig, bestritt aber bis zuletzt jegliche Tötungsabsicht. "Ich wollte sie nicht töten", beteuerte der Mann vor Gericht, der gegen das Urteil berief.
Von der Urlaubsliebe zur zerrütteten Ehe
Zur Vorgeschichte: Aus einer Urlaubsliebe hatte sich zwischen dem gleichaltrigen Paar rasch eine Beziehung entwickelt, 2007 folgte die Heirat in Tunis, danach zog das Paar nach Österreich. Doch der 29-Jährige war seit Beginn der Beziehung zu der gleichaltrigen Österreicherin überaus eifersüchtig, das Verhältnis der beiden verschlechterte sich zusehends. So soll der Tunesier seiner Frau verboten haben, Freunde zu treffen, und wurde ihr gegenüber ab 2009 auch handgreiflich. 2010 wurde die Frau schwanger und brachte ein Baby zur Welt.
Streit in Auto eskaliert: 29-Jähriger zückte Messer
Nach einer bedingten Verurteilung wegen Körperverletzung im vergangenen Sommer beschloss die Frau, sich endgültig von ihrem Partner zu trennen. Am 24. November trafen sich die beiden samt Kind auf sein Ersuchen im Restaurant eines St. Pöltner Möbelhauses, um über Scheidungsdetails zu sprechen. Der Tunesier trug jedoch – von seiner Frau unbemerkt - ein Messer bei sich. Das Gespräch eskalierte und es kam zum Streit, da der Tunesier der 29-Jährigen unter anderem vorwarf, andere Männer zu treffen.
Nachdem sie das Geschäft verlassen hatten, lehnte die 29-Jährige ab, ihren Noch-Ehemann im Auto mitzunehmen. Er stieg dennoch ein, zückte das Messer und stach ihr in den Bauch. Mehrere Passanten, die Schreie gehört hatten und sahen, wie der Mann vor dem Wagen mit Fäusten auf die auf dem Boden liegende Frau einschlug, kamen dem Opfer zu Hilfe bzw. rannten dem flüchtenden Täter nach und hielten ihn bis zum Eintreffen der Polizei fest. Sie hätte sich selbst gestochen, habe der 29-Jährige zu ihnen gesagt, meinten die Zeugen.
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