571 Frauen und 577 Kinder haben im vergangenen Jahr in den autonomen Frauenhäusern Zuflucht gefunden. Es gibt aber immer noch Betroffene, die die Einrichtung gar nicht kennen. Viele würden durch Behörden wie das Sozialamt darauf aufmerksam gemacht, sagte der Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser (AÖF).
„Gewalt zu erkennen und zu benennen, ist ein Prozess“, sagte Maja Markanović-Riedl, Geschäftsführerin der Autonomen Österreichischen Frauenhäuser(AÖF), in einer Pressekonferenz am Mittwoch. „Gewalt ist ja nicht, ich lerne jemanden kennen und der schlägt mich am nächsten Tag. Sondern das beginnt ganz langsam und schleichend. Und damit beginnt auch, sich die Wahrnehmung der Frauen zu verändern.“
Gewalt an Frauen ereigne sich oft im „trauten Heim“, sagte Doris Schmidauer, die seit Jahren auf diese Thematik aufmerksam macht. „(...) Leider ist für viel zu viele Frauen in Österreich das eigene Zuhause nicht der Ort der Wärme und der Sicherheit.“ Der geschlossene Raum sei für Gewaltbetroffene ein „Ort der ständigen Gefahr“. Bis dato wurden in diesem Jahr österreichweit 27 Frauen ermordet, hinzu kommen 39 Mordversuche beziehungsweise schwerer Gewalt an Frauen.
Täter haben oft selbst Gewalt erlebt
„Jeder dieser Täter war einmal ein kleiner Bub und jede dieser Frauen, die heutigen Opfer, war einmal ein kleines Mädchen“, sagte Schmidauer. Viele von ihnen hätten in der eigenen Kindheit bereits Gewalterfahrungen gemacht. Die Gesellschaft sei verpflichtet, diese Kinder nicht zurückzulassen und sich ihnen zuzuwenden. Deshalb sei es wichtig, in Einrichtungen wie Frauenhäuser und Frauen- und Mädchenberatungsstellen zu investieren.
In Frauenhäusern können Betroffene unbegrenzt bleiben, das Personal bietet nicht nur Akutbetreuung, sondern auch Unterstützung beim Auszug in ein neues Leben und Nachbetreuung an. Beratungsstellen sind zudem mit Angehörigen in Kontakt, die sich Sorgen machen und fragen, was sie tun könnten.
Es sei noch „extrem schwierig und mit Scham besetzt“, über Gewalt zu sprechen, sagte Markanović-Riedl. „Wer will schon von sich sagen, dass er in einer Gewaltbeziehung lebt.“ Das Bewusstsein in der Bevölkerung habe sich in den vergangenen Jahren aber erhöht, sagte Elisabeth Cinatl, Vorsitzende des Netzwerks österreichischer Frauen- und Mädchenberatungsstellen.
„Sparen Sie nicht am Gewaltschutz“, appellierten die Vortragenden der Pressekonferenz am Mittwoch an die neue Regierung. Laut Statistik Austria hat jede dritte Frau zwischen 18 und 74 Jahren mindestens einmal in ihrem Leben körperliche und/oder sexuelle Gewalt erlebt. 16,41 Prozent waren mindestens einmal von körperlicher oder/und sexueller Gewalt in einer intimen Beziehung betroffen. Deutlich höher (36,92 Prozent) ist der Anteil bei psychischer Gewalt wie Bedrohungen, Beleidigungen und Stalking.
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