Falsche Sieger. Erinnern Sie sich noch an den 6. Jänner 2021? Als marodierende Horden das Kapitol in Washington stürmten, weil nicht ihr Idol Donald Trump vor dem Wiedereinzug in das Weiße Haus stand, sondern der falsche Sieger – der ihrer Meinung nach gar nicht gewonnen hatte: der Demokrat Joe Biden. In einer Woche droht bei den US-Präsidentschaftswahlen neuerlich der Falsche zu gewinnen. Oder: die Falsche. Je nach persönlicher Sichtweise. Donald Trump oder Kamala Harris? Auf beiden Seiten, in beiden Lagern geht die Angst vor dem Sieg des „falschen“ Kandidaten um. Trump-Fans fürchten einen Sieg von Harris und umgekehrt. „Krone“-US-Korrespondent Christian Thiele widmet sich heute den sich immer deutlicher verfestigenden Lagern, zwischen denen es kaum noch Überschneidungen gibt. Gewinnt der Falsche, dann fürchten sie, sei die Demokratie bedroht. Aber erleben wir das nicht auch anderswo?
Mehr Gelassenheit. Die Unversöhnlichkeiten, die Sorgen, oft auch die Hysterie, der Falsche könnte gewinnen und damit sei die Demokratie bedroht – dieses Phänomen hat sich längst über die halbe Welt ausgebreitet. Und immer wieder wird – egal von welcher Seite – der Weltuntergang heraufbeschworen, wenn die andere, also die falsche Richtung gewinnt. Wir kennen es gerade auch aus Österreich. Was würde gegen diese Entwicklung helfen? Eine Abrüstung der Worte, vor allem mehr Gelassenheit. Die Demokratie hält viel aus, sie lässt sich nicht im Handumdrehen abdrehen. Wie wir wissen: Die Demokratie hat viele Schwächen – und dennoch ist sie die allerbeste aller Staatsformen, aller Herrschaftsformen.
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