Die Wintersaison steht vor der Tür, und die steirischen Touristiker setzen neue Prioritäten. Der heimische Markt ist abgegrast, Gäste aus dem Nordosten (Tschechien, Slowakei, Polen) sind im Kommen. Erstmals seit Langem wirft man heuer auch die Angel in Richtung Italien aus.
Die Teuerungswelle ist am Abflachen, gerade Gastronomie und Hotellerie treiben den Preisanstieg jedoch noch immer an. Gleichzeitig ist die Reiselust in und um Österreich auf einem Rekordniveau, auch ferne Ziele liegen wieder im Trend. Im nach wie vor wichtigsten Herkunftsmarkt für die Steiermark, Deutschland, zieht es die Menschen laut Reiseverband nach Jahren des Verzichts auf die Kanarischen Inseln, nach Ägypten oder noch weiter weg. Umsatzmäßig soll im Winter ein sattes Viertel auf Fernreisen entfallen.
Heimisches Potenzial ausgeschöpft, Blick in die Nachbarschaft
Da ist Kreativität gefragt, um die Gäste bei der Stange zu halten. Der Heim-Markt soll trotz erneut gestiegener Liftpreise verlässlich an Bord bleiben, der Stammgästeanteil liegt laut Steiermark-Tourismus-Chef Michael Feiertag bei „weit über 60 Prozent“. Man sei hier „gut in den Herzen verankert“. Landesrätin Barbara Eibinger-Miedl (ÖVP) bestätigt, dass die heimischen Gäste „extrem gut abgeholt werden“, Steigerungen seien kaum noch möglich.
Bleibt also der Blick ins benachbarte Ausland. Hier sind Deutschland und die Niederlande weiterhin maßgeblich, der bayrische „Weißwurstäquator“ soll mit gezielten Werbeaktionen bis hinauf nach Kiel durchbrochen werden. Alleine im Ruhrpott schlummert ein Potenzial von knapp 20 Millionen Menschen.
Grün-weiße Straßenbahn in Mailand
Neu ist der Fokus auf Italien, das noch im touristischen Dornröschenschlaf liegt. In nördlichen Ballungszentren wie Mailand und Padua wird verstärkt geworben, in der Modemetropole kurvt etwa eine grün-weiße Straßenbahn durch die Stadt. Das Ziel: Aus den beliebten Tagesausflügen im Advent sollen längere Aufenthalte werden.
Tunnel am Ende des Tunnels
Dafür tut sich die Steiermark auch mit Kärnten zusammen, denn „der Gast kennt keine Grenzen“, wenn man etwa an die Turrach denke, so der Tourismus-Boss. Im kommenden Jahr soll mit dem Koralmtunnel dann überhaupt eine neue Zeitrechnung starten.
Doch wer soll sich in Zukunft das Skivergnügen noch leisten können oder wollen, wenn die Tagestickets schon heuer Richtung 80 Euro klettern? Planai-Geschäftsführer Georg Bliem ist „nicht bange“, er spricht von „moderaten“ Preissteigerungen von 3,8 Prozent für den kommenden Winter.
Kein „Dynamic Pricing“, mehr Skikurs-Förderung
Besonders für Familien solle das Skivergnügen einigermaßen leistbar bleiben. So gab es heuer für Kinder keine Preiserhöhungen, auch das umstrittene „Dynamic Pricing“ setzt man in Bliems Region nicht um, da es für Verunsicherung sorge, wenn man nicht genau kalkulieren kann, wie viel ein Skitag tatsächlich kostet. Am besten schneiden wie üblich Frühbucher ab, die im Vorjahr bereits 38 Prozent der Planai-Gäste ausmachten.
Landesrätin Eibinger-Miedl verweist außerdem darauf, dass die Schulskikurs-Förderung erst diese Woche deutlich erhöht wurde. Üblicherweise werden in der Steiermark 200.000 Euro pro Saison dafür aufgewendet. Dieses Budget war rasch ausgeschöpft, nun hat man weitere 100.000 Euro draufgelegt. 5877 Schüler seien so unterstützt worden – ein „Herzensprojekt“ und eine „gute Investition in die Zukunft des Wintersportlandes“.
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