Das Linzer Musiktheater war am Donnerstagabend bestens gefüllt, als Hans Sigl auf die Bühne trat, um eine völlig neue Seite von sich zu zeigen: Er las dem neugierigen Publikum Geschichten vor. Am Schluss: Zugabe und ein geheimnisvoller Brief. Ein schöner Abend, mit reichlich „Bergdoktor“-Feeling, mehr Mut hätte nicht geschadet.
„Hat jemand ein Brillenputztuch für mich?“, war einer der ersten Sätze, die Hans Sigl (55), besser bekannt als „Bergdoktor“, ins gut gefüllte Linzer Musiktheater charmant schmetterte – und prompt wurde ein Tüchlein geworfen. „Darf ich es behalten?“, fragte er mit Augenaufschlag hinter der Brille.
Ab da rannte der Schmäh, denn Sigl fand nicht nur zwei Lieblinge im Linzer Publikum, die er immer wieder einbaute, sondern er wechselte auch versiert von Hochsprache in Dialekt oder rollte so manche Wuchtl als „Bergdoktor“ in die (hustenden) Reihen. Unverkennbar – der Tonfall des Martin Gruber: „Ich kann es halt nicht lassen!“ und: „Alles wird gut!“
Homöopathisches von der Weisheit wäre genug
Dazwischen blätterte Sigl Literarisches von Zweig und Bucay auf zur „Kunst, ohne Sorgen zu leben“, so der Titel des Abends. Wohldosiert, nicht zu viel. Im zweiten Teil sackte die gute Stimmung aber etwas ab, denn die ausgewählten Märchen waren allzu weise. Da hätte es tatsächlich mehr Mut zum Neuen, Ungewöhnlichen gebraucht.
Pointen bis zum Schluss
Zum Schluss wurde von einer Dame ein Brief gereicht und es gab eine humorvolle Zugabe, bevor der „Bergdoktor“ zum Selfie mit Pianistin Katharina Königsfeld antrat. Diese übrigens steuerte aus der Liga „Ballade pour Adeline“ von Richard Clayderman ein paar Etüden für die Geläufigkeit am Flügel bei. Beim musikalischen Anspruch wäre viel Luft nach oben.
Problematisch war auch die Akustik im Saal, da es einen Hall gab. Sprudelte Sigl seine Pointen hervor, wurde so manche vom Nachschlag überrollt.
Mit dem „Bergdoktor“ auf Tuchfühlung – das bleibt aber auf jeden Fall in guter Erinnerung. Die nächste TV-Staffel startet übrigens im Jänner 2025.
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