Votivkirche-Auszug

Wien: Flüchtlinge übersiedeln ins Servitenkloster

Österreich
03.03.2013 11:53
Die Flüchtlinge aus der Wiener Votivkirche sind am Sonntagvormittag auf Einladung der Kirche in ein neues Quartier, das leer stehende Servitenkloster im neunten Bezirk, übersiedelt. Kardinal Christoph Schönborn hatte ihnen zuvor das Gastrecht im Kloster zugesichert. Innenministerin Johanna Mikl-Leitner sprach von einem "Erfolg der Kirche, dass sie den Protest ohne Einschreiten der Polizei auflösen konnte".

Das Innenressort betonte, man werde die Asylverfahren jener, die wieder in die Grundversorgung aufgenommen werden, nun regelkonform fortsetzen. Bei rechtskräftig negativen Asylbescheiden werde man die üblichen "Einzelgespräche" über weitere Optionen aufnehmen.

Mikl-Leitner: "Aktivisten schaden Ansehen der Asylwerber"
Einmal mehr übte Mikl-Leitner Kritik an den Unterstützern bzw. Aktivisten rund um die Votivkirchen-Flüchtlinge. Sie hätten die Asylwerber von Beginn an "instrumentalisiert und schlecht beraten", und zwar "mit dem einzigen Ziel zu provozieren". Die Asylwerber selbst treffe "keine Schuld", doch die Aktivisten hätten dem "generellen Ansehen der Asylwerber in Österreich geschadet", so die Innenministerin.

Flüchtlingssprecher: "Kirche war ein wichtiger Ort"
Es handle sich um "eine gute, friedliche Lösung", erklärte der frischgebackene Caritas-Geschäftsführer Klaus Schwertner und betonte weiter, die Flüchtlinge hätten sich selbst zu diesem Schritt entschieden und wollen mit den Behörden kooperieren. Da sie ihrer Meldepflicht und Mitwirkungspflicht nachkommen wollen, bestehe auch kein Anlass für die Verhängung von Schubhaft, so Schwertner. "Mit dieser Übersiedlung ist ein wichtiger Schritt getan. Gemeinsam werden wir uns dafür einsetzen, dass es zu grundsätzlichen Verbesserungen im österreichischen Asylwesen kommt." Auch Caritas-Direktor Michael Landau beurteilte den Umzug positiv: "Ich bin froh und erleichtert."

Adalat Khan, ein Sprecher der Flüchtlinge, dankte der Pfarre und dem Pfarrer der Votivkirche für ihre Geduld: "Nach dem Camp im Park war die Kirche ein wichtiger Ort für unseren Protest. Wir sind nun froh, unser Bemühen um bessere Bedingungen für die Flüchtlinge und um eine sichere Zukunft für alle an einem neuen, offenen Ort und in einer regulären Wohnsituation fortsetzen zu können." 

Es tue den Flüchtlingen leid, dass sie den Pfarrangehörigen Unannehmlichkeiten bereitet hätten, "aber wir wollten niemanden stören, nur unsere Menschenwürde verteidigen". Ein weiterer Asylwerber ergänzte: "Wir möchten uns auch bei der Caritas und den Johannitern bedanken. Sie haben uns oft sehr geholfen. Im Kloster werden wir aber unter besseren Bedingungen leben können und sind dann viel weniger auf Unterstützung angewiesen."

Bischofsvikar: "Gott sei Dank friedliches Ende"
Auch Dariusz Schutzki, der Bischofsvikar für die Stadt Wien, sprach der Pfarre Votivkirche und dem Pfarrer sowie der Caritas und allen Helfern den Dank der Kirche aus. "Gott sei Dank ist die Votivkirchenaktion friedlich zu Ende gegangen. Die Flüchtlinge haben mit ihrem Protest bereits einiges bewegt, was auf diese Weise weiter Frucht bringen kann." Schutzki dankte auch den Behörden für ihre Sensibilität in dieser Sache. "Ich bin auch froh darüber, dass alle Flüchtlinge aus der Votivkirche ausdrücklich ihren Willen zur Mitwirkung in ihren Verfahren bekundet haben, sodass kein Anlass für Schubhaft besteht."

Die Asylwerber hatten sich im vergangenen Dezember in der Votivkirche niedergelassen und bisher mehrere Ausweichquartiere von der Kirche, der Stadt Wien, von Hilfsorganisationen und dem Innenministerium abgelehnt. Erzdiözese Wien, Caritas und Flüchtlinge wollen am Montag im Servitenkloster eine gemeinsame Pressekonferenz über die neue Situation abhalten.

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