Der erste Teil des freiheitlichen „Super-Samstags“ ist im oberösterreichischen Wels über die Bühne gegangen. FPÖ-Chef Herbert Kickl zeigte sich am Volksfest vertraut volksnah, stellenweise staatstragend und nach den überraschend ruhigen TV-Auftritten auch wieder angriffig. Am Abend will er einen Gang hochschalten und in Graz den Kanzleranspruch stellen.
Rot-weiß-rote Fahnen und strahlend blauer Himmel. Beim Volksfest in Wels, der zweitgrößten Stadt Oberösterreichs, die seit bald zehn Jahren vom Freiheitlichen Andreas Rabl regiert wird und als freiheitliche Festung gilt, hatte FPÖ-Chef Herbert Kickl zumindest am Samstag ein Heimspiel.
Die blauen Versprechen
In bester Bierzelt-Atmosphäre gaben sich Oberösterreichs blaue Parteigranden, der Welser Bürgermeister Andreas Rabl, Landesvize Manfred Haimbuchner (OÖ) und die Bundeslistenzweite Susanne Fürst die Klinke in die Hand. „Mut zur Veränderung“, sprachen die Vorredner den Gästen zu. Im Gegenzug versprachen sie „Mehr Netto vom Brutto, einen echten Befreiungsschlag Politik für die Menschen“.
Warnung vor Transvestiten und Krieg
Gewarnt wurde aber auch vor „Transvestiten in den Schulklassen“, einer „Einheitspartei, die es mit der Neutralität nicht ernst meint“ und einer Bundesregierung, die die „FPÖ zur Kriegspartei machen möchte“. „Unsere Söhne werden aber auch in Zukunft nicht auf Schlachtfeldern kämpfen“, meinte Fürst klarstellen zu müssen.
„Und unsere Kinder waren es nicht, die als Grüne aus Wien zurückgekommen sind. Das waren die Kinder der ÖVPler“, ergänzte der blaue Landeslistenerste Hermann Brückl. Herbert Kickl sei der richtige, zur richtigen Zeit. Streichen wolle die FPÖ den Klimabonus. Erst habe man den Österreichern das Geld aus der Tasche genommen, jetzt verteile man Geldgeschenke, die auch Asylwerber erhalten.
Attacken gegen ÖVP-Bauernbund
Attacken gab es aber auch gegen die ÖVP. „Der Bauernbund, der richtet die Landwirtschaft zugrunde“, meinte Haimbuchner. Man vergebe zwar seinen Schuldigern, müsse aber vorher erst mit dem Bauernbund abrechnen.
Heute sind mehr Leute in dem Zelt, als die Grünen überhaupt Wähler haben. Die Einheitspartei hat euch während des Corona-Wahnsinns schlimmer behandelt als Schwerverbrecher. In Wien kann man Kinderpornos horten und wird nicht eingesperrt. Jetzt könnt ihr ihnen die Rechnung präsentieren.
Michael Schnedlitz, Generalsekretär der FPÖ
Schuld am europäischen Green Deal sei außerdem nicht Klimaministerin Leonore Gewessler, sondern die ÖVP, die sich mit ihr ins Koalitionsbett gelegt habe. Generalsekretär Michael Schnedlitz kritisierte auch die Grünen. Man habe bei Lena Schilling im EU-Wahlkampf ja gesehen, was herauskomme, wenn die Grünen versuchen würden, ein Kind zu erziehen.
Unter tosendem Beifall und mit Österreich-Fahne in der Hand betrat der blaue Spitzenkandidat Herbert Kickl gegen 10.30 Uhr das Festzelt. Seine Rede war gespickt mit politischen Spitzen, Mobilisierungsversuchen und klaren Ansagen. Er wetterte gegen den Genderwahn, die Corona-, Asyl-, Verteidigungs- und Wirtschaftspolitik.
„Danke, dass ihr euch Zeit genommen habt. Ob Jung, oder Alt. Ob Manderl, oder Weiberl. Mehr braucht es ja nicht. Und mit der Zeit ist es so wie mit dem Hirn: Nachkaufen geht nicht. Wenn man bei der Erstausstattung leer ausgegangen ist, wird man Mitglied einer schwarz-roten oder schwarz-grünen Bundesregierung“, erklärte er.
Seine Freiheitlichen könne nichts und niemand stoppen. Auch nicht die Medien, bei denen – trotz Bierzelt – Hopfen und Malz verloren sei. „Die einen lügen wie gedruckt und die anderen drucken die Lügen“, meinte Kickl, der auch Bundespräsident Alexander Van der Bellen kritisierte. „Auch der Bundespräsident steht nicht über, sondern auf dem Boden der Verfassung“, schilderte der FPÖ-Chef.
Volksfest und Volkskanzler, das passe einfach gut zusammen. Amerikanische Medienvertreter begrüßte er mit „Hello“, deutsche mit „Hallöchen“. Seine Rede war aber dennoch nur ein Vorspiel für Kickls bislang vielleicht allergrößten Auftritt.
Am Samstagabend startet der Parteichef dann auch offiziell in den Wahlkampf. Bis zu 5000 Einpeitscher werden erwartet. Es soll nicht mehr oder weniger das größte freiheitliche Get-together in der Parteigeschichte werden. Und das nicht zufällig in Graz.
Knapp zwei Monate nach der Nationalratswahl wird in Österreichs (flächenmäßig) zweitgrößtem Bundesland ein neuer Landtag gewählt. Ähnlich wie Kickl liegt auch der steirische FPÖ-Chef Mario Kunasek in den Umfragen aktuell vorne ...
Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.