Backstreet Guides

Touren mit Einblick in besondere Lebensgeschichten

Ombudsfrau
05.07.2024 16:00
Porträt von Ombudsfrau
Von Ombudsfrau

Beim Verein Backstreet Guides führen ehemals obdachlose Menschen im Rahmen von sozialen Stadtführungen durch verschiedene Viertel Wien. Und berichten dabei nicht nur, welche Hilfs- und Unterstützungsmöglichkeiten es für Betroffene gibt, sondern erzählen auch ihre berührenden Geschichten.

Am Spielplatz im Venediger-Au-Park in Leopoldstadt startet Sandra stets ihre Grätzltour. Ein Platz mit wichtiger Bedeutung. Als 10-Jährige hat sie dort zwei Monate gelebt. „Ich war im Heim, bei Pflegeeltern, dann bin ich zu meinem Vater gekommen, der brutal war. Von ihm bin ich weggerannt. Ich habe mir gesagt, so will ich nicht leben, ich werde alleine groß“, so die 55-Jährige.

Hoffnung auf eigene Wohnung
Auch später warteten große Herausforderungen wie Erkrankungen, Beziehungsprobleme und Wohnungslosigkeit. Bald hofft Sandra, wieder in eine eigene Wohnung ziehen zu können, derzeit lebt sie in einer Wohngemeinschaft für obdachlose Menschen.

Das Backstreet-Guides-Team (am Bild vorne links Hedy mit Sandra, hinten links Angelo mit ...
Das Backstreet-Guides-Team (am Bild vorne links Hedy mit Sandra, hinten links Angelo mit Ferdinand) will aufklären und Sichtweisen verändern.(Bild: Backstreet Guides/Sandra)

Fragen von Teilnehmern erwünscht
Haben Teilnehmer der Führungen Hemmungen, Fragen zu stellen? „Teilweise. Aber jede Frage ist erlaubt. Nichts ist zu dumm, zu persönlich oder zu peinlich. Wenn es eine Frage gibt, die wir nicht beantworten wollen, sagen wir das. Wir sprechen mit den Leuten auf Augenhöhe und sie mit uns.“

Warum man eine Führung machen sollte
Neben den persönlichen Geschichten ist es den Backstreet Guides ein besonderes Anliegen, Orte und Institutionen zu zeigen, wo Betroffene Hilfe erhalten, etwa in Wärmestuben oder bei Beratungsstellen. Eine Tour dauert eineinhalb bis zwei Stunden. Warum Sandra es wichtig findet, dass Menschen, die nicht mit dem Thema konfrontiert sind, eine Führung machen?

Renate von den Backstreet Guides bietet auch gemeinsam mit ihrer Schwester Renate (links) eine ...
Renate von den Backstreet Guides bietet auch gemeinsam mit ihrer Schwester Renate (links) eine Führung an.(Bild: Backstreet Guides/Sandra)

„Weil es jedem passieren kann. Man ist nicht gefeit davor, das ist ein Irrglaube. Wenn etwa der Partner stirbt, mit dem du 20 oder 30 Jahre verheiratet warst. Es gibt auch Jugendliche, die obdachlos sind, weil sie mit den Eltern nicht mehr zurecht kommen.“

Grätzltouren als Therapie
Ihre Führungen sind für die Wienerin auch eine Art Therapie. „Am Anfang bin ich nach Hause gegangen und habe geheult, da ist so viel hochgekommen. Jetzt ist es so, dass ich einfach darüber rede.“ Neben Sandra bieten ihre Schwester Renate, Angelo, Ferdinand und Hedy Grätzltouren an. Der Verein finanziert sich nur durch die bei Führungen gesammelten Spenden.

Info & Buchung von Führungen online: backstreet-guides.at

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading

Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.

Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.

Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.

Kostenlose Spiele
Vorteilswelt