AK-Chefökonom:

„Enormes ungenutztes Arbeitskräftepotenzial“

Österreich
13.05.2024 14:11

Arbeiterkammer-Chefökonom Markus Marterbauer sieht ein „enormes“ ungenutztes Arbeitskräftepotenzial in Österreich. Unter anderem über Stundenaufstockung von Teilzeitkräften, Qualifizierung von Zuwanderern, Personen in Niedriglohnjobs und Leiharbeitern sowie Mobilisierung der „stillen Reserve“ könnte der Fachkräftemangel zielführend bekämpft werden, so der Experte.

Öffentlich finanzierte Qualifizierungsangebote sollte es nicht nur für Arbeitslose, sondern auch für Beschäftigte und Scheinselbstständige geben, sagte der AK-Ökonom. Das Arbeitsmarktservice (AMS) oder eine andere zu schaffende Institution sollte sich seiner Ansicht nach auch um die Vermittlung und Qualifizierung von Beschäftigten kümmern. Mitarbeiter aus dem Niedriglohnsektor könnten qualifiziert und dann in die Industrie oder in besser bezahlte Dienstleistungsjobs vermittelt werden.

Laut Statistik Austria belief sich die verfügbare „stille Reserve“ in Österreich im Vorjahr auf 96.400 Personen und die nicht verfügbare „stille Reserve“ auf 69.300. Bei der „stillen Reserve“ handelt es sich um Nicht-Erwerbspersonen (weder erwerbstätig noch arbeitslos) im Alter von 15 bis 74 Jahren, die zwar nach Arbeit suchen aber nicht kurzfristig verfügbar sind bzw. um Personen, die zwar kurzfristig beginnen könnten, aber nicht nach Arbeit gesucht haben, obwohl sie gerne arbeiten würden.

Zitat Icon

Ich finde Arbeitskräfteknappheit super.

Arbeiterkammer-Chefökonom Markus Marterbauer

Unternehmen müssen Bedürfnisse beachten
Marterbauer erwartet, dass durch den demografiebedingten Arbeitskräftemangel „bessere Jobs“ entstehen. „Ich finde Arbeitskräfteknappheit super.“ Unternehmen müssten sich „an den Bedürfnissen der Mitarbeiter ausrichten, etwa bei der Arbeitszeit oder Bezahlung“. Der aktuelle Fachkräftemangel sei aber nicht mit Anfang der 1970er-Jahre vergleichbar, so der Ökonom. Damals seien auf eine offene Stelle 0,4 Arbeitslose gekommen, heute seien es vier Personen.

Kritik an Wirtschaftspolitik der Regierung
Kritik übte der AK-Ökonom an der Wirtschaftspolitik der türkis-grünen Bundesregierung. Die „zentrale Ursache“ für die seit Anfang 2022 hierzulande stagnierende Wirtschaftsleistung sei die Teuerung. Die Inflation sei in Österreich in den vergangenen zwei Jahren im Schnitt um 1,7 Prozent höher als in der Euro-Zone gewesen. Die Bundesregierung habe „nicht gezielt strategisch“ die Teuerung bei Energie, Nahrungsmittel und Mieten bekämpft, kritisierte Marterbauer. Durch hohe Reallohnerhöhungen werde heuer der Konsum anziehen und es werde zu einer Konjunkturerholung kommen. Im Gegensatz zu manchen Wirtschaftsvertretern ist der AK-Chefökonom für Österreichs Industrieunternehmen sowohl kurz- als auch langfristig „sehr optimistisch“. „Unsere Industrie ist bärenstark.“ Im Gegensatz zu Deutschland wachse und investiere die heimische Industrie seit 2015 deutlich.

 krone.at
krone.at
Loading...
00:00 / 00:00
play_arrow
close
expand_more
Loading...
replay_10
skip_previous
play_arrow
skip_next
forward_10
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
explore
Neue "Stories" entdecken
Beta
Loading
Kommentare
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.



Kostenlose Spiele