Herbstlohnrunde

Metaller fordern Lohnerhöhung von fünf Prozent

Wirtschaft
19.09.2012 20:48
Die Gewerkschaften haben die heurige Herbstlohnrunde mit einer satten Lohnforderung für die Maschinen- und Metallwarenindustrie (FMMI) eingeläutet. Sie verlangten am Mittwoch eine Erhöhung der Kollektivlöhne (Mindestlohn und Ist-Lohn) um fünf Prozent. Basis der Forderung seien eine Inflationsrate von 2,8 Prozent in den vergangenen zwölf Monaten und eine "kräftige Gewinnsteigerung" der Unternehmen, so die Arbeitnehmervertreter.

Die Arbeitgeber hielten nach der Forderungsübergabe durch die Gewerkschaften Pro-Ge und GPA fest, dass es ihnen nicht nur um die Höhe der Lohn- und Gehaltsabschlüsse gehe, sondern auch um die "Rahmenbedingungen". "Nur an der Lohnschraube zu drehen, ist zu wenig", sagte der Obmann des größten Metallfachverbandes FMMI, Christian Knill. Er will auch über eine weitere Arbeitszeitflexibilisierung reden, was für die Gewerkschaft ein rotes Tuch ist. Sie fürchtet, dass die Arbeitnehmer durch längere Durchrechnungszeiträume Überstundenzuschläge verlieren.

Die erste Lohnrunde startete noch am Mittwoch nach der Übergabe des Forderungskataloges, was ein Novum bei den bisherigen Kollektivvertragsverhandlungen der Metallindustrie ist. Wie erwartet kam es zu keiner Einigung. Pro-Ge-Chef Rainer Wimmer bezeichnete die Verhandlung im Anschluss vor Journalisten als "mühselige Gschicht". Für die Arbeitgeber betonte Knill, dass die Gehaltsforderung von 5 Prozent "unter diesen Bedingungen nicht nachvollziehbar und schwer erfüllbar" sei. Das sehen die Arbeitnehmervertreter naturgemäß nicht so und bleiben bei der geforderten Erhöhung.

Als weitere Gesprächstermine wurden der 26. September und der 5. Oktober fixiert. Ab Mitte Oktober sollen dann die Verhandlungen mit den weiteren Fachverbänden aufgenommen werden.

Gewerkschaft will weiter gemeinsamen Kollektivvertrag
Die beiden Chefverhandler auf Gewerkschaftsseite - Wimmer (links im Bild) und Karl Proyer (rechts) - zeigten sich vor Beginn der Gespräche einmal mehr "empört" darüber, dass die Arbeitgeber heuer erstmals nicht geschlossen, sondern aufgeteilt in die sechs Fachverbände den Kollektivvertrag 2013 verhandeln. Ziel bleibe es, einen gemeinsamen Kollektivvertrag für alle sechs Verbände auszuverhandeln, so die beiden Gewerkschaftsverhandler unsiono.

Wimmer erinnerte daran, dass es der Metallindustrie im vergangenen Jahr sehr gut gegangen ist, die Gewinne seien "explodiert". Allerdings würde ein Großteil des Gewinns nicht in die Unternehmen investiert, sondern entnommen - unter anderem für satte Managerboni. "Hier muss auch für die Masse der Arbeitnehmer was drinnen sein", so Wimmer. Er erwartet für heuer die "schwierigsten Verhandlungen seit Langem". Im Vorjahr gab es vier Verhandlungsrunden und einen Warnstreik.

"Arbeitgeber halten Forderung geheim"
Nach dem ersten Treffen gaben sich beide Chefverhandler eher zynisch. Es sei der Gewerkschaft überhaupt nicht klar, was die Arbeitgeber wollen, meinte Wimmer. "Die Arbeitgeber haben eine Reihe von Forderungen, die sie aus Sicherheitsgründen geheim halten." Man werde den 26. September nutzen, "um gescheiter zu werden, was die überhaupt wollen".

Proyer fand, dass die "Beschäftigen das Recht haben zu erfahren, was die Arbeitgeberseite will". Die Gewerkschaft erfahre zwar aus Medien, dass die Metallindustrie eine Arbeitszeitflexibilisierung wolle, "aber mit uns reden sie nicht". Das Problem sei, so Wimmer, dass "in der Öffentlichkeit jemand anderer kommuniziert als am Verhandlungstisch".

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