Organisiert wurde die Kunstaktion "Weiße Weste für alle" von den Bezirksgruppen Landstraße, Mariahilf und Innere Stadt sowie vom Fotokünstler Michael Schmid (Bild 4). "Wir wollen auf verspielte und künstlerische Art aufzeigen, wie einfach es für gewisse Personen in Österreich ist, sich weißzuwaschen. Bei unserer künstlerischen Aktion dürfen alle Personen kurz dieses Gefühl genießen. Natürlich gilt die Unschuldsvermutung", erklärte Ulrike Pilgram von den Grünen Landstraße. Die Forderung der Veranstalter: Weiße Westen sollten kein Privileg für Prominente sein.
Pilgram erklärte auch den Hintergrund der Kunstaktion: Im internationalen Korruptionsindex liege Österreich auf Platz 16. Zudem tage im Parlament seit Wochen - unter dem Vorsitz von Moser - der Untersuchungsausschuss zu den diversen Korruptionsaffären. Der Verdacht liege nahe, dass nicht alles, was in diesem Land durch Personen in politischen Funktionen oder im Naheverhältnis zur Politik abgewickelt und durchgeführt wurde, immer korrekt abgelaufen sei, so die Bezirkspolitikerin.
Fotoaktion bei Anprobe
Am Sonntag gab es jedenfalls eine weiße Weste für alle am Karlsplatz: Passanten konnten aus diversen Kleidungsstücken, die alle mit der Aufschrift "Weiße Weste" versehen waren, wählen. Bei der Anprobe des Favoriten wurden sie von Schmid fotografiert. Bevor sie aber das Kleidungsstück auch mit nach Hause nehmen durften, mussten sie sich dessen würdig erweisen - das wurde mit Hilfe eines Kriterienkatalogs ermittelt. Dabei wurden allerlei Fragen zum Thema Korruption gestellt. Wurde der Prüfling für würdig befunden, so war er weißgewaschen, erhielt einen Persilschein - und die weiße Weste.
Auch Moser posierte für den Fotografen - mit einem weißen Shirt. "Ja, natürlich habe ich eine weiße Weste", erklärte sie gut gelaunt. Das sahen auch ihre Kollegen so, die die Vorsitzende des Korruptions-U-Ausschusses sogar als "personifizierte weiße Weste" bezeichneten.
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