Das Technik-Wochenende auf der Eispiste in Jasna hat die Baustellen im ÖSV-Team erneut schonungslos offengelegt. Ohne Highlight, sogar ohne Top-10-Platzierung, sind Katharina Liensberger, Julia Scheib, Katharina Huber und Kolleginnen aus den slowakischen Karpaten abgereist. „Es kommt nicht mehr nach. Wir werden mit dieser Mannschaft auskommen müssen und weiterarbeiten“, bleibt Alpinchef Herbert Mandl nur die Durchhalteparole.
„Die Ergebnisse sind ernüchternd, auch wenn der Slalom besser war“, erklärte Alpinchef Herbert Mandl nach dem Stimmungsdämpfer. Auch unter Anleitung des neuen Trainergespanns um „Headcoach“ Roland Assinger und Technik-Chef Klaus Mayrhofer produzierte das ÖSV-Team bisher nur vereinzelte Strohfeuer. Die Angelegenheit bleibt wankelmütig, wie sich etwa an der Slalom-Weltmeisterin von 2021 ablesen lässt: Liensberger wurde in ihrer Paradedisziplin Dritte in Levi, dann Achte, fiel aus, 18., Achte, Siebente, Siebente und nun in Jasna 24.
Wenn auch alle Athletinnen individuell zu betrachten sind, so sind sich die Beteiligten in ihrer Ursachenforschung einig: Im Riesentorlauf haben die Österreicherinnen mit eisigen Bedingungen, da ist oft aggressiver Stil gefragt, und bei drehender Kurssetzung unverändert ihre Probleme.
Keine ÖSV-Damen in den Punkten
Erstmals seit 1985 schaffte es im Riesentorlauf keine einzige ÖSV-Läuferin in die Punkteränge. Der letzte Sieg in der Kerndisziplin verstaubt allmählich, er geht auf Eva-Maria Brem 2016 in Jasna zurück. Auch Liensbergers dritter Platz von Lienz ist über vier Jahre her.
Besserung bis zur WM in Saalbach in einem Jahr ist aktuell nicht in Sicht. „Es kommt nicht mehr nach. Wir werden mit dieser Mannschaft auskommen müssen und weiterarbeiten“, bleibt Mandl nur die Durchhalteparole. „Die eine oder andere kann es sicher besser, und es ist durchaus möglich, dass sie sich auf Podestnähe hinkämpfen.“
„... dann zeigt es die Grenzen auf“
Nach dem Flachau-Rückschlag am Dienstag verzweifelte die Slalom-Abteilung wenige Tage später am glatten Untergrund in der Niederen Tatra - obwohl die Kurssetzung eine flüssige war. „Sie bewegen sich auf einem engen Grad von der Aktivität her. Wenn die Unterlage schwieriger wird, dann zeigt es die Grenzen auf. Das müssen sie mitnehmen und auch realisieren“, sagte Mandl. „Huber hat gezeigt, dass sie es können.“
Mit Katharina Huber auf Platz elf - sie warf ihre Materialabstimmung nach drei verpatzten Läufen radikal über den Haufen - stellten die ÖSV-Frauen ihr schwächstes Slalom-Saisonergebnis ein. Vor allem wegen ihrer drittschnellsten Laufzeit wurde Huber gemeinsam mit der jungen Lisa Hörhager (21.) von Assinger als die einzigen „Lichtblicke“ eingeordnet.
Krisen-Sitzung
Der Chefcoach hatte schon am Samstag eine Sitzung zwischen Trainern, Betreuern und Athletinnen angekündigt. „Wir müssen die ganze Sache hinterfragen. Wo haben wir Versäumnisse, wo können wir es auf Vordermann bringen?“ Da die Problemfelder länger bekannt sind, gilt alle Konzentration wohl der Erarbeitung von Lösungsvorschlägen.
In Flachau wurde betont, das Training noch wettkampfähnlicher (Stichwort Pistenbeschaffenheit) gestalten zu wollen. Technisch zeigt die Weltspitze vor, dass der Schwungansatz - oft brachial - über den Außenski passiert. „Wir neigen dazu, uns hineinzulehnen und das Ganze über den Innenski anzufangen. Das funktioniert bei diesen Verhältnissen schon gar nicht“, betonte Assinger, der Rundumschläge vermied. Vielmehr müssten sich alle Beteiligten „an den Ohren ziehen“.
Nun wartet Speed-Triple
Der Weltcup-Tross zieht nun nach Italien um. Nach dem Speed-Triple in Cortina geht es am Kronplatz mit einem Riesentorlauf weiter. Besser als Siebente (Bernadette Schild 2017) waren die ÖSV-Läuferinnen dort in sieben Rennen noch nie.
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