Das Genusslabor in Bad Ischl öffnet heute das erste Mal seine Türen: Hier servieren Schüler und kochen für Gäste saisonale Menüs. Mentor des jungen Projekts ist der Spitzengastronom Christoph „Krauli“ Held, der damit dem Wirtschaussterben bekämpfen will.
„Wir wollen einen frischen Wind in die Gastro-Szene bringen“, ist Isabella Druckenthaner voller Vorfreude. Auch ein wenig Nervosität entdeckt man bei der 18-jährgen Ischler Tourismusschülerin: „Ich bin jetzt die Geschäftsführerin vom Genusslabor, wir haben in den letzten Wochen neben der Schule wirklich viel Zeit hier reingesteckt.“
Gemeinsam mit 17 anderen Schulkolleginnen und -kollegen hat sie im Rahmen der Kulturhauptstadt Salzkammergut 2024 dieses neue Pop-up-Restaurant aufgezogen. Druckenthaner: „Wir machen alles selbst, vom Einkauf bis zur Buchhaltung.“ Das klingt nach viel Arbeit.
Überlebensfragen als Gastro-Betrieb
Die Vorgeschichte zum Genusslabor, das die „Krone“ präsentiert, war intensiv: Vor mehr als einem Jahr erhielten die Schüler von Christoph „Krauli“ Held, Haubenkoch am Siriuskogl, ein weißes Blatt Papier mit dem Auftrag, einen modernen, heute überlebensfähigen Gastronomiebetrieb zu entwickeln.
Aus Rohbau Vintage-Juwel
Daraus wurde Ernst: Im leer stehenden Bahnhofsrestaurant fand man die ideale Location. „Die Schüler planten alles vom Leerstand weg“, sagt Held, der mit seinem Siriuskogl-Team ebenso die Ärmel aufkrempelte, wie er im Interview berichtet (siehe unten): „Es fehlte so viel, wir mussten Wände und Böden machen und haben aus aufgelassenen Wirtshäusern Inventar eingesammelt.“
Reservierungen sind nötig
Man kombinierte das Alte mit neuen Materialien und Ideen, so dominiert ein unschlagbares Vintage-Flair die trendige Location. Was aber wird die Gäste irritieren? „Dass wir alle Schüler sind“, lacht Druckenthaner. Was werden sie genießen? „Regionale, saisonale Küche – vom Aperitif bis zum Menü.“
Mit Schilcher Glühwein
Am Samstag, 20. Jänner, dem Eröffnungstag der Kulturhauptstadt, wird vor dem Genusslabor Glühwein ausgeschenkt. Da kann jeder kommen! Die nächsten Öffnungstage (Reservierung nötig!) des Genusslabors: ab heute bis 22. Jänner und 9. bis 11. Februar.
Helds Kollege Jochen Neustifter von „Jo’s Restaurant“ in Vorchdorf coacht ein Wirtshauslabor mit HLW-Schülern aus Vöcklabruck im „Rosenkranz“ in Gmunden. Hier geht es Ende Jänner los.
„Krone“-Interview:
„In diesem Projekt steckt so viel Herzblut drinnen!“
„Hier bitte, eine Flasche Wasser - gratis!“, sagt Christoph „Krauli“ Held, beim „Krone“-Talk im Genusslabor. Das Gratis-Wasser ist hier selbstverständlich, ansonsten setzt man auf hochqualitative Küche - für jeden Gaumen.
„Krone“: Wann hat das Genusslabor Fahrt aufgenommen?
Krauli Held: Wir haben Mitte November den Schlüssel für das Bahnhofslokal bekommen. In den letzten Wochen ging es um die große Kunst, aus einem Rohbau ein fix-fertiges Restaurant zu machen. Das hat die Jugendlichen sehr gefordert. Ich habe mit meinem Siriuskogl-Team die Generalsanierung gemacht. Gemeindebedienstete haben uns auch unterstützt.
Muss man da sehr genau planen und arbeiten?
Ja, um die Betriebsstättengenehmigung zu bekommen, muss jeder Dunstabzug, jeder Feuerlöscher am richtigen Platz sein.
Die Einrichtung hat Vintage-Charme, es gibt viele schöne Blicke. Wie haben Sie das gezaubert?
Wir haben drei, vier alte Gastro-Betriebe ausgeräumt, die Möbel restauriert und aufgepimpt. Wir haben zum Beispiel alte Tischbeine mit neuen Tischplatten kombiniert - so gelingt ein Spagat zwischen Tradition und Moderne.
Man kommt rein und fühlt Herzenswärme.
Ich kenne kein vergleichbares Restaurant.
Wie ist die Zukunftsperspektive, gibt es Ideen?
Die ÖBB wollten ursprünglich Büroräume daraus machen. Die Gebäudeverwaltung ist aber nun an mich herangetreten und hat gefragt, ob wir den Platz weiterbetreiben wollen. Weil so viel Herzblut drinnen steckt, ist das natürlich eine Überlegung wert. Ich und mein Siriuskogl-Team werden das Genusslabor auch noch mit Events bespielen. Wir wollen Gastköche einladen und planen kulturelle Veranstaltungen. Im Sommer wollen wir - losgelöst von Schulen - Ferial-Praktika anbieten, die Nachfrage ist schon spürbar. Die Jungen sind voll da!
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