Zum 80. Todestag erhält Helene Delacher einen Gedenkstein in ihrer Heimatgemeinde Leisach. Die Zeugin Jehovas wurde vom NS-Regime verfolgt und hingerichtet. Es ist eine Premiere im Bezirk Lienz.
Es war ein bewegtes Leben, das die im Jahr 1904 geborene Leisacherin Helene Delacher lebte. Als eines von zwölf Kindern arbeitete sie während des Ersten Weltkrieges am elterlichen Hof, später im Krankenhaus in Hall als Küchenmädchen und danach in Innsbruck, wo sie auch ihren späteren Verlobten Alois kennenlernte. Gemeinsam mit ihm konvertierte sie zu den Zeugen Jehovas. In der NS-Zeit ein gefährliches Unterfangen. Aufgrund ihres Glaubens kam es zur Verhaftung, sie wurde schließlich in ein Gefängnis nach Berlin überstellt und 1943 dort hingerichtet. Einige Historiker recherchierten über Delachers Leben und hielten dies unter anderem in einer vorwissenschaftlichen Arbeit fest.
Gedenkveranstaltung und Stolpersteinverlegung
Anlässlich ihres 80. Todestages und ihres Mutes, den Delacher während ihrer Lebzeit aufgebracht hatte, wurde für sie nun im Rahmen einer Gedenkveranstaltung in ihrer Heimat Leisach ein Stolperstein verlegt. Dieser wurde von der Gemeinde sowie dem Verein „Lila Winkel“ initiiert. Der Verein ist eine Vereinigung zur Rehabilitierung und Unterstützung von Opfern der NS-Zeit. Vereinsvorstand Peter Stocker betonte die „außerordentliche Wichtigkeit gelebter Erinnerungskultur“ in diesem Zusammenhang.
Die Verlegung ist nicht nur eine Premiere für die Gemeinde selbst, sondern auch für ganz Osttirol. Der Stein erhält deshalb einen besonderen Ehrenplatz und wurde direkt vor dem Gemeindeamt verlegt. Europaweit erinnern bereits mehr als 100.000 Stolpersteine auf Plätzen oder Straßen an unzählige Schicksale von Opfern des NS-Regimes.
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