Vorbild Düsseldorf

Wenig Strafen, viel Prävention für Jugendliche

Oberösterreich
21.10.2023 10:00
Porträt von Krone Oberösterreich
Von Krone Oberösterreich

Kriminelle Teenager oder Engpass beim Personal: Das deutsche Bundesland Nordrhein-Westfalen hat ähnliche Herausforderungen in der Kinder- und Jugendhilfe wie Oberösterreich. Und kreative Lösungen: In der Stadt Dormagen etwa bekommen alle Jungeltern Post mit einem Terminvorschlag eines Sozialarbeiters.

„Wir hatten einen 13-Jährigen mit 64 schweren Straftaten.“ Oder: „Wir haben immensen Personalmangel.“ Ben Repp, Leiter einer Jugendhilfe-Einrichtung in Nordrhein-Westfalen, schildert Herausforderungen, die auch in Oberösterreich nicht unbekannt sind.

Eine heimische Delegation rund um Jugendschutzlandesrat Michael Lindner (SPÖ) besuchte mehrere Sozialeinrichtungen im deutschen Bundesland, um sich dort „Best-Practice-Beispiele“ anzusehen. Die sind auch gefragt, denn: Die herausfordernden Kinder, die intensive Betreuung brauchen, werden auch in Oberösterreich immer jünger. Deshalb das Alter zur Strafmündigkeit zu senken – es liegt derzeit bei 14 Jahren, war zuletzt aber in Diskussion – davon halten die deutschen Experten nichts: „Ein Blick in jene Länder, die das Alter herabgesetzt haben, zeigt: Das löst keine Probleme“, meint etwa Ben Repp.

Alle Jungeltern bekommen Post
Stattdessen sei die wichtigste Botschaft an die Jugendlichen in Betreuungseinrichtungen: „Wir sind morgen wieder hier, egal was du heute machst.“ Denn die Kinder würden förmlich schreien: „Wer kann mich denn endlich einmal aushalten!“ Das Versprechen, sie nicht rauszuschmeißen, gebe den jungen Menschen Halt und eine Bindung.

Im besten Fall landen Teenager aber gar nicht erst in betreuten Wohngruppen. Die Stadt Dormagen in Nordrhein-Westfalen hat daher schon 2004 ein eigenes Modell entwickelt. Motto: „Prävention statt Reparatur.“ Ein Beispiel: Sobald bei der Stadt eine Geburt gemeldet wird, bekommen die frischgebackenen Eltern Post und einen Terminvorschlag, an dem ein Sozialarbeiter die Jungfamilie besucht. „Wir kommen nicht, um nachzusehen, ob in der Familie alles in Ordnung ist“, erklärt Bürgermeister Erik Lierenfeld. „Sondern, um uns als Partner vorzustellen.“

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Man braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind zu erziehen - das ist einer unserer Leitgedanken. Genauso wie: Starke Eltern produzieren starke Kinder.

Erik Lierenfeld, Bürgermeister von Dormagen (Deutschland)

Von der Straße ins Internet
Die Prävention ausbauen will Jugendschutzlandesrat Lindner auch hierzulande, in Form der „frühen Hilfen“ für Familien mit Kindern bis zum dritten Lebensjahr. Das Angebot gibt es schon seit 2015, ab kommendem Jahr startet der flächendeckende Ausbau im ganzen Bundesland.

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Wenn wir Familien von Anfang an begleiten, sie unterstützen, können mögliche Konflikte schon frühzeitig erkannt werden.

Michael Lindner, Jugendschutzlandesrat

Erweitert wird auch das mobile Familiencoaching. Der Beratungsbus etwa, der rund um Schulen oder Badeseen hält, soll künftig auch vor Kindergärten aufgebaut werden. Und ab Jänner werden unsere Streetworker nicht mehr nur auf der Straße, sondern auch im Internet unterwegs sein. „Mit Online-Streetwork gehen wir dorthin, wo sich die Jugendlichen aufhalten“, sagt Lindner.

Philipp Stadler, Düsseldorf

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