Was löst das „Hamburger-Video“ von ÖVP-Chef Kanzler Karl Nehammer, über das „das Internet“ tobt, in Oberösterreich aus? SPÖ-Landesvorsitzender Michael Lindner zeigt sich zutiefst empört, LH Thomas Stelzer (ÖVP) aber verteidigt die inhaltliche Botschaft seines Parteifreundes.
„Über Geschmäcker und Wortwahl kann man immer streiten“, räumt Stelzer zwar ein. Doch inhaltlich stellt sich der oberösterreichische LH hinter den heimlich aufgenommenen Kanzler: „Für mich zählt aber vor allem, was Bundeskanzler Nehammer zum Ausdruck bringen wollte: Leistung und Eigenverantwortung sind die Grundlagen für eine solidarische Gesellschaft. Nur mit diesem gemeinsamen Verständnis, kann man als Gesellschaft jenen helfen, die gerade Unterstützung brauchen. Und da haben die Bundesregierung, aber auch die oö. Landesregierung in den letzten Wochen und Monaten zahlreiche Unterstützungspakete vor allem auch für Familien und Kinder auf den Weg gebracht.“
Respekt und Wertschätzung sind gefragt
Ganz anderes äußert sich SPÖ-Landesvorsitzender Michael Lindner, der sich „zutiefst empört“ zeigt: „Die abwertenden Aussagen des Herrn Bundeskanzler Nehammer in Bezug auf armutsgefährdete Familien sind absolut untragbar. Österreich verdient einen Kanzler und eine Regierungspartei, die allen Menschen in unserem Land Respekt entgegenbringen und unabhängig ihrer Lage wertschätzen. Der Vorschlag, armutsgefährdete Familien sollten mit ihren Kindern zu McDonald’s gehen, weil sie sich dort mit einem Hamburger und Pommes ein warmes Essen leisten könnten, zeigt eine zynische Geringschätzung gegenüber den Menschen, die sich in einem reichen Land wie Österreich in einer misslichen Lage befinden und sich das ,normale‘ Leben nicht mehr leisten können.“
Einladung vom „Kinderschutz-Landesrat“
Offenbar scheine es für den Bundeskanzler keine Kinderarmutsgefährdung in Österreich zu geben, meint Lindner und sagt weiter: „Es wundert mich daher nicht, dass es von der Bundesregierung noch kein Konzept für die von den Kinderschutz-Landesrät:innen geforderte Existenzsicherung im Sinne einer Kindergrundsicherung gibt. Aber ich lade Bundeskanzler Nehammer gerne persönlich in eine unserer Eltern-Beratungsstellen ein, damit er sich ein Bild davon machen kann, wie es den Menschen geht, die sich in solchen Situationen befinden. Vielleicht ändert das seine Einstellung. Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.“
NEOS wollen Gratis-Mittagessen
„Die Ahnungslosigkeit des Kanzlers und solche Aussagen über die Geldnöte vieler Familie im Land sind bestürzend. Kinder brauchen gesundes, hochwertiges Essen, um zu gesunden Erwachsenen zu werden.Was sollen sich Alleinerzieher:innen in Oberösterreich, die etwa wegen fehlenden Kinderbetreuungsangeboten Teilzeit arbeiten müssen, von diesem Kanzler denken?“, sagt NEOS-Landessprecher Felix Eypeltauer, der mit seiner Partei im Juni-Landtag bereits einen Antrag für ein gesundes Gratis-Mittagessen eingebracht hat - die Koalition aus ÖVP und FPÖ hat das damals abgelehnt. Gerade in Oberösterreich gebe es besonders viele armutsgefährdete Familien, die diese Entlastung dringend brauchen würden, so der Antrag der NEOS OÖ vor dem Sommer.
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