Israels Botschafter:

„Österreich hat immer Platz in meinem Herzen“

Politik
26.09.2023 14:16

Nach vier Jahren als Botschafter des Staates Israel in Wien geht Mordechai Rodgold zurück in seine Heimat. Mit gemischten Gefühlen - „süßsauer“, wie er im Gespräch mit der „Krone“ sagt.

Nach ziemlich genau vier Jahren in Österreich nimmt der israelische Botschafter Mordechai Rodgold seine Kippa und reist mit seiner Frau zurück nach Israel. Demnächst wird sein Nachfolger in die Residenz in der von Adolf Loos erbauten Villa Mollner in Pötzleinsdorf einziehen. Zum Abschiedsgespräch kam der Spitzendiplomat ins „Krone“-Hochhaus in Wien-Heiligenstadt, wo er noch einmal aus dem 14. Stock die einmalige Aussicht auf Wien genoss. „Bitte ein Foto zum Abschied mit diesem Ausblick als Hintergrund“, sagt er zu „Krone“-Foto-Chef Reinhard Holl. Nichts leichter als das, Herr Botschafter.

Botschafter geht mit „gemischten Gefühlen“
Ob ihm der Abschied leichtfällt, er sich wieder auf zu Hause freut? Natürlich, so Mordechai Rodgold in nahezu akzentfreiem Deutsch (ein wahres Kunststück für einen Menschen mit Hebräisch als Muttersprache), natürlich, freue er sich auf daheim. Schließlich freue sich jeder, nach Jahren im Ausland, wieder nach Hause zu kommen. „Aber ich gehe mit gemischten Gefühlen - süßsauer sozusagen. Denn es war sehr schön hier, und wir hatten - trotz Corona - eine sehr gute Zeit. Es fällt mir schwer, mich zu trennen. Aber so ist das Leben eines Diplomaten - alle vier Jahre eine neue Station.“

Botschafter Mordechai Rodgold mit Bundespräsident Alexander Van der Bellen im Rahmen einer Kranzniederlegung an der Shoah-Gedenkstätte (Bild: APA/BUNDESHEER/PETER LECHNER)
Botschafter Mordechai Rodgold mit Bundespräsident Alexander Van der Bellen im Rahmen einer Kranzniederlegung an der Shoah-Gedenkstätte

„Sababa“ oder doch „Oida“?
In seinen Jahren in Österreich, erklärt der Diplomat lächelnd, habe er seinen Wortschatz im Deutschen wesentlich erweitert: „Ich sage jetzt Paradeiser, Erdäpfel oder Marillen.“ Und natürlich weiß er, was „Oida“ heißt - beziehungsweise, wie viele Bedeutungen dieses sehr österreichische Wort je nach seiner Betonung haben kann. Im Hebräischen gebe es ein ganz ähnliches Wort, sagt Rodgold: „,Sababa‘ kann auch alles Mögliche heißen, je nachdem, in welchem Zusammenhang man es benützt und wie man es betont.“

Und dann folgt ein Satz, den man fast als Liebeserklärung an Österreich verstehen kann: „In Wien fühlt man sich unserem Mittelmeer viel näher als weiter im Norden Europas. Nicht nur geografisch, auch menschlich. Darf man das überhaupt sagen? Ja, denn die Gemütlichkeit ist im positiven Sinne etwas, was die Lebensqualität schon sehr mitbestimmt.“

Das Image Österreichs in Israel sei mittlerweile sehr gut, so der Botschafter weiter - und umgekehrt genauso. Nicht umsonst gebe es pro Woche 40 Flüge zwischen Wien und Tel Aviv, und alle seien voll: „Im Vorjahr gab es eine Million israelische Nächtigungen in Österreich.“ „Wenn Regierungen gute Beziehungen miteinander haben, findet das auch Niederschlag in der Zivilgesellschaft“, erklärt er. Israelis würden Österreich als tolles Urlaubsland schätzen - die Kultur, die grünen Berge, die Landschaft. Und die brodelnde Mittelmeer-Metropole Tel Aviv sei wiederum für viele Österreicher sehr attraktiv.

„Besondere Freunde“
Einer der vielen Höhepunkte seiner vergangenen Dienstzeit sei daher sicherlich die Unterzeichnung des Abkommens zur „strategischen Partnerschaft“ zwischen Israel und Österreich durch Kanzler Karl Nehammer vor einem Jahr gewesen: „Das öffnet Türen für die Zukunft. Für Jugendaustausch, wirtschaftliche und wissenschaftliche Zusammenarbeit und vieles mehr.“ Israel und Österreich seien durch dieses Abkommen „besondere Freunde“.

Zur Lage in seinem Heimatland und zu den Massendemos gegen die geplante Beschneidung der Macht des Höchstgerichtes meint Rodgold: „Die Debatte ist sehr hitzig, bewegt sich aber im demokratischen Rahmen. Präsident Jitzchak Herzog hat eine Initiative für Verhandlungen ergriffen. Und 73 Prozent der Israelis favorisieren einen Kompromiss.“

Wegen seiner Justizreformpläne ist Premier Benjamin Netanyahu für viele ein Feindbild. (Bild: AFP)
Wegen seiner Justizreformpläne ist Premier Benjamin Netanyahu für viele ein Feindbild.

Und zu den Palästinensern meint er, dass sie sich entscheiden müssten zwischen Partnerschaft und Gewalt: „Gewalt hat den Palästinensern nichts gebracht. Der Weg zum Frieden bedeutet Zusammenarbeit und Kompromiss.“ Zum Schluss sagt der so freundliche Israeli: „Österreich hat immer einen Platz in meinem Herzen.“ Und dann verabschiedet er sich: „Ciao, baba.“

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