Noch Hunderte vermisst

Beben in Marokko: Zeit für Verschüttete wird knapp

Ausland
11.09.2023 22:31

Drei Tage Woche nach dem schweren Erdbeben in Marokko schwindet die Hoffnung auf Überlebende. In den schwer zugänglichen Gebieten läuft die Suche nach Hunderten Vermissten weiter. Für die Einsatzkräfte ist es ein Wettlauf gegen die Zeit: Experten geben einen Richtwert von 72 Stunden an, in denen ein Mensch höchstens ohne Wasser auskommen kann. 

Während die Menschen die dritte Nacht in Folge aus Angst vor weiteren Nachbeben in den Straßen von Marrakesch und anderen Orten verbrachten, wollten Soldaten mit Unterstützung ausländischer Hilfsteams in entlegene Bergdörfer vordringen. Am Montag warfen Militärhubschrauber Hilfspakete über schwer zugänglichen Gebieten ab.

Knapp 2900 Tote
Die Behörden hätten mittlerweile Feldlazarette in der Nähe des Epizentrums eingerichtet, um dort Verletzte zu versorgen, sagte Justizminister Abdel Latif Wehbe dem arabischen Fernsehsender Al-Arabiya am Montag. Derzeit könne man die genaue Anzahl der Toten und das Ausmaß der Schäden nicht klären. Laut amtlichen Angaben kamen landesweit mindestens 2862 Menschen ums Leben, mindestens 2562 weitere Menschen wurden verletzt. Die Opferzahl dürfte noch weiter steigen.

Die Regierung in Marokko kündigte einen Sonderfonds für die notleidende Bevölkerung an. Damit sollten unter anderem Kosten zur Absicherung beschädigter Häuser gedeckt werden, berichtete die Nachrichtenseite „Hespress“ unter Berufung auf einen Regierungssprecher. Zur Höhe des Hilfsfonds gab es zunächst keine Angaben.

Bulldozer müssen Weg freiräumen
Mit Bulldozern müssen in dem zerklüfteten Gelände Straßen von Erdrutschen befreit werden, damit Krankenwagen durchkommen, wie die Online-Zeitung „Morocco World News“ berichtete. Großbritannien ist mit 60 Such- und Rettungsexperten sowie vier Suchhunden in Marokko, um die Einsätze zu unterstützen. Auch eine Spezialeinheit des spanischen Militärs mit Suchhunden beteiligt sich an den Bergungsarbeiten.

Obwohl auch andere Länder, darunter Österreich und Deutschland, Hilfe angeboten haben, nahm Marokko zunächst nur von vier Staaten Unterstützung an. Das Innenministerium hatte am späten Sonntagabend erklärt, die Behörden hätten eine genaue Bewertung der Bedürfnisse vorgenommen. Dabei sei berücksichtigt worden, dass ein Mangel an Koordinierung zu nachteiligen Ergebnissen führen würde, meldete „Hespress“. Daher habe man zunächst „auf die Unterstützungsangebote der befreundeten Länder Spanien, Katar, Großbritannien und Vereinigte Arabische Emirate reagiert“.

Helfer „doppelt belastet“
Innerhalb der ersten drei Tage nach einem derart verheerenden Beben hätten verschüttete Menschen Überlebenschancen. In diesem Zeitfenster bestünden „gute Chancen, Lebende zu finden und zu retten“, sagte Walter Hajek vom österreichischen Roten Kreuz gegenüber Ö1. Auch darüber hinaus würden Suchmaßnahmen sehr oft weitergeführt. „Es obliegt dann der lokalen Zivilschutzbehörde, diese Entscheidung zu treffen“, so Hajek. Die Helfer stünden aktuell vor einer doppelten Belastung: Neben der Suche und Rettung von Verschütteten gelte es, die Überlebenden zu versorgen und zu betreuen, „viele 10.000 Menschen“, so der Experte, die jetzt untergebracht werden müssen, die Angehörige und ihr gesamtes Hab und Gut verloren haben.

Das Beben vom späten Freitagabend war das schlimmste seit Jahrzehnten in Marokko. Es hatte eine Stärke von 6,8. König Mohammed VI. ordnete eine dreitägige Staatstrauer an. Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO sind mehr als 300.000 Menschen in Marrakesch und umliegenden Gebieten betroffen.

EU stellt eine Million Euro bereit
Die Europäische Union stellt eine Million Euro für humanitäre Hilfe bereit. „Das tragische Erdbeben in Marokko hat schreckliches Leid und den Verlust von Menschenleben verursacht“, teilte der EU-Kommissar für humanitäre Hilfe und Krisenschutz, Janez Lenarcic, mit. Die Summe solle dabei helfen, die dringendsten Bedürfnisse der am stärksten betroffenen Menschen zu decken. Zudem stehe die Kommission mit den EU-Staaten in Kontakt, um Einsatzteams zu mobilisieren, falls Marokko darum bittet.

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