Wettlauf gegen Zeit

Marokko: Hilfstrupps in Erdbebengebiet im Einsatz

Ausland
11.09.2023 13:16

Nach dem schweren Erdbeben in Marokko in der Nacht auf Samstag mit mindestens 2000 Toten und einem Nachbeben hat das nordafrikanische Königreich Hilfe von vier Ländern angenommen: den Vereinigten Arabischen Emiraten, Katar, Spanien und Großbritannien. Rettungsmannschaften der letztgenannten zwei Länder haben ihren Einsatz bereits begonnen.

Großbritannien schickte 60 Such- und Rettungsexperten samt Ausrüstungen sowie vier Suchhunde nach Marokko, um die Einsätze unter marokkanischer Führung zu unterstützen. Auch eine Spezialeinheit des spanischen Militärs mit Suchhunden flog am Sonntag nach Marokko.

Finanzspritze aus Frankreich
Frankreich unterstützt den Einsatz von Nichtregierungsorganisationen (NGO) in dem Land mit fünf Millionen Euro. Auf das Angebot aus Frankreich, Rettungskräfte in die erdbebenerschütterte Region zu schicken, war Marokko zunächst nicht eingegangen. Dies sorgte in Frankreich, wo zahlreiche Marokkaner leben, für Diskussionsstoff.

Politische Gründe oder Spannungen zwischen den Ländern sollen jedoch nicht dahinterstecken. Das „Bruderland“ Marokko verfüge über einen guten Zivilschutz und sei in der Lage, der Situation selber Herr zu werden, so Frankreichs Innenminister Gérald Darmanin.

Neben den Bergungseinsätzen begann die Hilfe durch NGOs für die von den schweren Zerstörungen betroffene Bevölkerung anzulaufen. (Bild: AFP)
Neben den Bergungseinsätzen begann die Hilfe durch NGOs für die von den schweren Zerstörungen betroffene Bevölkerung anzulaufen.

Lage noch unübersichtlich
Obwohl mehrere Länder, darunter Österreich und Deutschland, Hilfe angeboten haben, nahm Marokko zunächst nur von vier Ländern Unterstützung an. Die Behörden hätten eine genaue Bewertung der Bedürfnisse vorgenommen. Dabei ist die Lage noch immer unübersichtlich. Mehr als 2100 Todesopfer sind zu beklagen, viele Menschen befinden sich in einem psychischen Aunahmezustand.

Menschen schlafen auf der Straße
„Die letzten Nächte in Marokko waren schrecklich. Hunderte Menschen schlafen auf der Straße oder liegen mit Decken in Parks, weil sie Angst haben, nach Hause zu gehen. Die Menschen sind erschöpft. Neben den enormen physischen Verwüstungen wiegt vor allem auch der emotionale Schaden, der von dem erlebten Grauen und der ausgestandenen Angst verursacht wurde, sehr schwer“, sagte Hlima Razkaoui, Generalsekretärin von Care Marokko. In vielen entlegenen Gebieten im Atlasgebirge sei noch kein Retter vorgedrungen, heißt es.

Neben den enormen physischen Verwüstungen wiegt vor allem auch der emotionale Schaden, der von dem erlebten Grauen und der ausgestandenen Angst verursacht wurde, sehr schwer. (Bild: AFP)
Neben den enormen physischen Verwüstungen wiegt vor allem auch der emotionale Schaden, der von dem erlebten Grauen und der ausgestandenen Angst verursacht wurde, sehr schwer.

„Verarbeitung des Traumas kann Jahre dauern“
Neben den Bergungseinsätzen begann die Hilfe durch NGOs für die von den schweren Zerstörungen betroffene Bevölkerung anzulaufen. Auch humanitäre Hilfe und psychologische Unterstützung sollen folgen. Tausende Menschen haben nicht nur alles verloren, sondern auch ein schweres Trauma erlitten. „Es ist jetzt wichtig, die Menschen nicht nur mit humanitärer Hilfe wie Nahrung, Wasser, Unterkünften und Hygieneartikel zu unterstützen, sondern auch psychologisch (...) Für die Erholung nach solchen Katastrophen ist jedoch auch die Verarbeitung essenziell und dies kann Monate, wenn nicht Jahre dauern“, so Razkaoui.

Bedarf an Hilfsgütern in der Bebenregion groß
Der Bedarf an Hilfsgütern in der Bebenregion im Atlasgebirge ist groß. Laut Marokkanischem Roten Halbmond fehlt es an Unterkünften, Nahrungsmitteln und sauberem Trinkwasser. Das Österreichische Rote Kreuz könnte mit WASH-Tools („Water, Sanitation and Hygiene Promotion“) helfen, sollte Unterstützung angefordert werden, sagte Michael Opriesnig, Generalsekretär des Österreichischen Roten Kreuzes.

Laut dem österreichischen Außenministerium halten sich in Marokko aktuell rund 130 registrierte Reisende aus Österreich im Land auf - verletzt wurde nach derzeitigem Stand keiner.

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