Verfall der Währung

Rubelkrise: Russen kämpfen mit den Kriegsfolgen

Ausland
23.08.2023 10:26

Die Auswirkungen des seit anderthalb Jahren andauernden Konflikts mit der Ukraine machen sich in Russland zunehmend bemerkbar. Eine geschwächte russische Währung, schwindende Kaufkraft, reduzierter Export von Öl und Gas sowie stetig steigende Ausgaben für Importe gehören zu den Folgen der Krise. Obwohl ökonomische Daten vielerorts zurückgehalten werden, berichten russische Medien mittlerweile offen über die teils gravierenden Schwierigkeiten. Ein weiteres Thema betrifft den Mangel an qualifizierten Arbeitskräften, da viele Migranten das Land aufgrund der wirtschaftlichen Probleme und mitunter der drohenden Wehrpflicht verlassen.

Kremlchef Wladimir Putin, der vor 18 Monaten am 24. Februar 2022 seine Invasion in der Ukraine begann und damit weltweit Turbulenzen auslöste, verweist gern auf die immer noch solide Wirtschaft. „Die aktuelle Haushaltssituation ist im Wesentlichen beständig“, sagte Putin erst am Dienstag. Bis Jahresende erwartet er aber ein Defizit von zwei Prozent, weil die Ausgaben höher sind als die Einnahmen.

Eine Frau kocht in Tver, 200 Kilometer nordwestlich von Moskau gelegen, in einer heruntergekommenen Unterkunft für Arbeiter. (Bild: AFP)
Eine Frau kocht in Tver, 200 Kilometer nordwestlich von Moskau gelegen, in einer heruntergekommenen Unterkunft für Arbeiter.

Experten plädieren für mehr „Einsatz“
Auch westliche Wirtschaftsexperten in Moskau meinen, dass das Land im Grunde dem Sanktionsdruck besser standhalte als erwartet. Zahlreiche Regierungen haben Russland als Reaktion auf den Angriffskrieg mit harten Sanktionen belegt. Die russische Wirtschaft wächst - vor allem wegen der Waffen- und Munitionsproduktion - sogar. Für den vom Kreml jedoch zumeist versprühten Optimismus sehen Experten indes keinen Anlass. Für einen „starken und geachteten Rubel“, der für Russlands Souveränität stehe, brauche es mehr Einsatz.

Dollar und Euro fehlen
Andere Wirtschaftsbereiche hingegen klagen hingegen über fehlende Aufträge und vor allem einen Mangel an Investitionen. Außerdem führt das nun hohe Zinsniveau vielmehr zu extrem teuren Krediten, was wiederum die Investitionsbereitschaft abwürge. Auch der Devisenkauf ist aktuell fast doppelt so teuer wie vor einem Jahr, zudem nimmt Russland deutlich weniger Devisen ein. Der Öl- und Gasverkauf ging wegen eines westlichen Boykotts und Preisdeckels zurück. Dollar und Euro fehlen. Kremlnahe Medien kritisieren, dass die Währung zum Spekulationsobjekt geworden sei.

Eine Frau kocht in Tver, 200 Kilometer nordwestlich von Moskau gelegen, in einer heruntergekommenen Unterkunft für Arbeiter. (Bild: AFP)
Eine Frau kocht in Tver, 200 Kilometer nordwestlich von Moskau gelegen, in einer heruntergekommenen Unterkunft für Arbeiter.

Importe erhöhen Lebenskosten
Umfragen der russischen Zentralbank von August zeigen, dass die meisten russischen Unternehmen ihre Produktion zurückfahren - den zweiten Monat in Folge. Demnach beklagen die Unternehmen auch einen Mangel an Fachkräften - viele leisten Kriegsdienst - sowie Probleme mit der Logistik bei Lieferungen. Denn da der Zugang zur EU wegen der Sanktionen weitgehend geschlossen ist, führt das Land Waren aufwendig und teils unter Umgehung von Sanktionen über die Türkei, Georgien, Kasachstan und andere Länder ein. Der umständliche Transport, die Einfuhrzölle und eben auch ungünstige Wechselkurse zum Euro und zum Dollar verteuern viele Produkte und schwächen die ohnehin angeschlagene Kaufkraft weiter.

Immer wieder wird in der Kreml-Propaganda beteuert, dass die Sanktionen gegen Russland nicht wirken würden. Die Realität sieht jedoch anders aus. (Bild: AFP)
Immer wieder wird in der Kreml-Propaganda beteuert, dass die Sanktionen gegen Russland nicht wirken würden. Die Realität sieht jedoch anders aus.

Kaufkraft arg geschwächt
In den russischen Medien ist unterdessen vor allem Thema, dass viele Menschen für ihr Geld immer weniger Lebensmittel bekommen. Das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen hat sich in den vergangenen zehn Jahren zwar fast verdoppelt laut Statistikbehörde Rosstat auf rund 48.000 Rubel (rund 480 Euro) im Monat. Unter Berücksichtigung von Inflation liegt der Wert dieser Summe heute 6,5 Prozent unter der Kaufkraft von 2013.

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