Hasswelle in Wien

Ukrainische Flüchtlinge fühlen sich „nicht sicher“

Autos mit ukrainischen Kennzeichen sind in Wien seit Tagen Ziel anonymer Attacken. Unbekannte Täter sprühten das russische „Z“-Symbol auf ukrainische Fahrzeuge - ein bekanntes Kriegssymbol. Einige Autos wurden auch zerkratzt. Nun gehen die Opfer an die Öffentlichkeit - krone.tv traf sie in der Seestadt.

„Za Pobedo“ - „Für den Sieg“: Dafür steht das „Z“-Symbol der russischen Armee. Es wird auch von Befürwortern des russischen Angriffskriegs in der Ukraine verwendet - in Russland selbst und im Ausland. Auch in Wien. Vergangenen Montag bemerkten einige Familien in der Wiener Seestadt, dass ihre Autos beschädigt worden waren. In einer Chat-Gruppe teilen sie Handyfotos von zerkratzten und mit Kriegspropaganda besprühten Fahrzeugen.

Ukrainische Flüchtlinge fühlen sich „nicht mehr so sicher“
Sasha C. (35) und seine Frau haben vor einem Jahr in Wien Zuflucht gefunden, das Paar hat eine kleine Tochter. Nach der Attacke fühlt sich der Familienvater in Österreich „nicht mehr so sicher“. Er denkt seither über einen Umzug in ein anderes Land nach. Wie erklärt er das alles seiner Tochter? Sasha: „Wir versuchen, ihr möglichst wenig vom Krieg zu erzählen.“ Dass sich der Krieg auch in Österreich fortsetzen würde, das hätte Sasha nicht für möglich gehalten.

„Beim nächsten Mal zünden sie uns vielleicht die Autos an“
Auch Oleksandr L. (35) lebt in der Seestadt und auch sein Auto war Ziel einer feigen Attacke. Seine Art, mit dem Hass umzugehen: Er hinterließ bei weiteren Opfern Zettel mit Botschaften und vernetzte sich. Auch die von ihm kontaktierten ukrainischen Staatsbürger sind schockiert. „Beim nächsten Mal zünden sie uns vielleicht die Autos an.“ Seiner Familie in Kiew erzählt Oleksandr nichts von den Graffiti, sie „würden sich nur unnötig Sorgen machen.“ Jetzt will er so schnell wie möglich „diesen Sch***“ entfernen.

Auch ein Bekannter von Viktor T. (38) fand schon vor ein paar Monaten Kratzer an seinem Auto. Die neue Hasswelle in der Seestadt war für ihn trotzdem „ein richtiger Schock.“

Yuri O. (46) begann am Montag, die „Z“-Symbole auf seinen Seitentüren und der Motorhaube selbst zu entfernen - mit Nagellackentferner. „Es bleiben leider Flecken, die Lackierung ist beschädigt. Aber was soll ich machen?“ Yuri wird nachdenklich. „Ich hatte gehofft, meine Familie kann hier in Ruhe leben. Es war für mich unglaublich, dieses Zeichen in Wien zu sehen. Ich fühle mich nicht gut. Nicht wegen des Autos, sondern wegen des Symbols.“

Polizei bestätigt mehrere Anzeigen gegen Unbekannt
Innerhalb der ukrainischen Community geht man von einer höheren Dunkelziffer bei den Betroffenen aus. „Viele trauen sich nicht, zur Polizei zu gehen“, erklärt Oleksandr O. „Sie wollen einfach keine Probleme haben.“ Auf Anfrage der „Krone“ bestätigt die Polizei die Sachbeschädigungen. Bis jetzt haben erst sechs Personen Anzeige gegen Unbekannt erstattet.

Russisches „Z“-Symbol in Österreich nicht verboten
In Teilen Deutschlands und Lettlands wird die Verwendung des „Z“-Symbols in der Öffentlichkeit bereits abgestraft. In Österreich ist das Kriegszeichen noch nicht im Symbole-Gesetz aufgelistet. Sollte es aber dazu kommen, könnte es für Propagandisten in Zukunft teuer werden. Verbotene Symbole werden mit bis zu 4000 Euro oder einer Freiheitsstrafe bis zu einem Monat geahndet.

Alexander Bischofberger-Mahr
Alexander Bischofberger-Mahr
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