So, 19. August 2018

Ökologie vs. Profit

07.12.2011 12:29

Wenn die Erde am Ende ist: Siedeln mit "Anno 2070"

Überschwemmungen, Dürren, Ressourcenmangel: Die Umweltverschmutzung und der Klimawandel fordern in Ubisofts "Anno 2070" ihren Tribut. Die Menschheit muss sich entscheiden: Setzt sie weiterhin auf Profit und Wachstum oder versucht sie fortan, nach ökologischen Prinzipien in Einklang mit der Natur zu leben? Keine leichte Herausforderung – auch nicht für den Spieler der populären Aufbau- und Wirtschaftssimulation für den PC, die mit ihrem fünften Teil zu neuen Ufern aufbricht.

1404, 1503, 1602, 1701 und nun 2070 – der jüngste Spross der gefeierten "Anno"-Serie wagt einen großen Zeitsprung und lässt damit die Renaissance mitsamt ihren Fachwerkhäusern und dem Feudalismus hinter sich. An ihre Stelle tritt eine gar nicht so weit entfernte Zukunft, die von überschwemmten Küstenstrichen, Meeresverschmutzung, Energieknappheit und anderen unangenehmen Folgen des Klimawandels geprägt und auch gezeichnet ist.

In dieser Umgebung zu überleben und seine Bevölkerung- unter Berücksichtigung ihrer Bedürfnisse - zu Gesundheit und Wohlstand zu führen, ist auch in "Anno 2070" Aufgabe des Spielers. Erstmals stehen dafür jedoch drei Fraktionen zur Auswahl: die zu Lasten der Umwelt auf schnelles Wachstum bedachten Tycoons, die um die Erhaltung der wenigen noch vorhandenen Ressourcen bemühten Ecos und die Techs – ein Zusammenschluß kluger Köpfe, die es unter die Wasseroberfläche verschlagen hat, wo sie nun den Meeresboden zu besiedeln versuchen.

Neu ist hierbei, dass ab der dritten Bevölkerungsstufe auf die Gebäude und Technologien aller Fraktionen zurückgegriffen werden kann, was nicht nur zu Spannungen innerhalb der Bevölkerung führen kann, sondern mitunter auch zusätzliche Verwirrung stiftet. Denn eines kann man "Anno 2070" nicht vorwerfen: mangelnde Komplexität. Um im teils recht verschachtelten Baumenü nicht den Überblick zu verlieren, sei Serien-Einsteigern daher wärmstens die dreiteilige Kampagne empfohlen, die über weite Strecken einem Tutorial gleichkommt.

Während der insgesamt elf Missionen der Kampagne, die locker 20 Stunden und mehr in Anspruch nimmt, erfährt der Spieler näheres über die Hintergründe der Umweltkatastrophe(n) und wie es dazu kommen konnte. Herzstück ist aber einmal mehr das Endlosspiel. Hier können Spieler sich nach Lust und Laune austoben und entweder eine Partie nach eigenen Wünschen und Vorstellungen gestalten oder eines der vorgefertigten Szenarien spielen, in dem Spielwelt und Aufgabenstellung vorgegeben sind.

Schwierig bleibt es jedenfalls so oder so, wofür vor allem die Bevölkerung verantwortlich zeichnet. Ihre Bedürfnisse zu befriedigen, angefangen bei der Nahrung über Wünsche nach soziokulturellen Einrichtungen wie einem Konzerthaus oder Casino bis hin zu Lifestyle-Produkten und Unterhaltungselektronik, gestaltet sich nämlich durchaus schwer, wenn es an der benötigten Energie (platzraubendes Windkraftwerk oder doch der gute alte Atommeiler?) und den Ressourcen(Tee, Silizium, Recycling-Baustoffe, etc.) fehlt und es zugleich ein Auge auf die Ökobilanz zu haben gilt.

Die einfachste Möglichkeit, schnell Waren und Ressourcen herbeizuschaffen, um sämtlichen Wünschen gerecht zu werden und so die nächst höhere Zivilisationsstufe zu erreichen, stellt der Handel mit benachbarten Inseln dar. Versagen die diplomatischen Beziehungen, können die eigenen Schiffe allerdings auch mit Kanonen versehen und in den Krieg gezogen werden. Das könnte allerdings nicht nur negative Folgen für die interkulturellen Beziehungen oder das Wohl der eigenen Bevölkerung, sondern auch für die Umwelt haben.

Denn: Anstatt einfach nur die Kulisse anzupassen, haben die deutschen Entwickler von Blue Byte den Umweltaspekt in nahezu alle Bereiche von „Anno 2070“ einfließen lassen. Das hat schlussendlich auch Auswirkungen auf das optische Erscheinungsbild des Spiels, welches durch seine Fülle an Details überzeugt. Ob aus der Beobachterperspektive von oben oder ganz nah dran am Geschehen: An nahezu allen Ecken und Enden ist Bewegung – das gilt für den Schauffelradbagger ebenso wie für Familien, die inmitten ihrer futuristischen Wohnviertel flanieren. Dank vergleichsweise moderater Systemvorraussetzungen können dieses bunte Treiben sogar Besitzer älterer Rechner genießen.

Fazit: Die Befürchtungen, "Anno" könnte mit dem Sprung in die Zukunft seinen Charme einbüßen und über Jahre lieb gewonnene Traditionen über Bord werfen, haben sich als unbegründet erwiesen. "2070" ist ein würdiger Vertreter der Serie geworden, der dank neuem Setting mit frischen Ideen und Herausforderungen aufwarten kann. Seine Komplexität und Spieltiefe hat der Titel beibehalten, was es für Einsteiger zwar nicht gerade leichter, dafür aber langfristig umso motivierender macht. Mit dem Endlos- und einem Online-Multiplayer-Modus für bis zu vier Spieler sind Hobby-Strategen jedenfalls über Monate versorgt.

Plattform: PC
Publisher: Ubisoft
krone.at-Wertung: 9/10

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