Tag für Tag lebt eine Oberösterreicherin mit der Sorge um ihre schwer erkrankte erwachsene Tochter und der Frage, wie es weitergehen soll. Lange Zeit schämte sie sich, um Hilfe zu bitten. Die Aktion „Ein Funken Wärme“ schenkte ein wenig Zuversicht.
Vor fünf Jahren wurde bei der Tochter ein Gewächs im Gehirnstamm festgestellt. Seitdem hat sich vieles verändert. Die zunehmende Vergesslichkeit und Wesensveränderung machten es der Tochter unmöglich, weiterzuarbeiten. Carola R. steht unermüdlich an ihrer Seite – und gibt trotz aller Belastungen nicht auf.
Finanzieller Überlebenskampf
Früher kam die 66-jährige Witwe mit ihrer Mindestpension und einem sparsamen Lebensstil noch einigermaßen zurecht. Seit der Diagnose ist der Alltag zu einem ständigen Überlebenskampf geworden. Für Lebensmittel, Hygieneartikel und das Nötigste bleibt oft nicht einmal ein Drittel des knappen Einkommens. „Manchmal weiß ich wirklich nicht mehr, wie wir es schaffen sollen“, sagt die Oberösterreicherin leise.
Mutter und Tochter teilen sich 54 Quadratmeter. „Meine Tochter schläft im Schlafzimmer – ich selbst habe die Couch im Wohnzimmer“, erzählt Carola R. weiter. Die Folgen ihrer zwei Bandscheibenvorfälle spürt sie dabei jeden Tag. Doch die Schmerzen in ihrem Rücken wiegen für sie weniger schwer als die ständige Angst vor der nächsten Rechnung.
Tochter hat keinen Anspruch auf Sozialleistung
Mehr als die Hälfte der monatlichen 1400 Euro aus Mindestpension und Wohnbeihilfe verschlingen Fixkosten wie Miete, Strom, Heizung und die Krankenversicherung, die sie für ihre Tochter aufbringen muss. Da diese keine Arbeit mehr ausüben kann, gibt es weder Anspruch auf Arbeitslosengeld noch eine eigene Sozialversicherung. Ob künftig wenigstens eine Invalidenpension oder Reha-Leistungen bewilligt werden, ist ungewiss – das Verfahren zieht sich schon monatelang hin.
Hilfe zu suchen, hat Überwindung gekostet
Als alle Rücklagen aufgebraucht waren und die Verzweiflung wuchs, fasste Carola R. kurz vor Weihnachten 2024 einen schweren Entschluss: Sie suchte erstmals Hilfe bei der Sozialberatung der Caritas. „Es hat mich viel Überwindung gekostet. Ich habe es heimlich gemacht, weil ich mich geschämt habe, nicht mehr weiterzukönnen. Aber wir hatten wirklich nichts mehr – nur noch Angst.“
Ein Funken Hoffnung
Caritas-Sozialberaterin Doris Crepax konnte die größte Not sofort lindern: Gutscheine für Lebensmittel halfen über den Dezember hinweg. Und als im Jänner auch noch eine hohe Nachzahlung für die Gasheizung kam, sprang die Caritas mit Mitteln aus der Aktion Funken Wärme ein. Für Carola R. war das wie ein Lichtblick in der Dunkelheit.
„Ohne diese Unterstützung hätten wir Weihnachten nicht überstanden“, sagt sie heute. „Wir hatten keinen Baum, keine Geschenke – aber wenigstens mussten wir nicht hungern. Dafür bin ich unendlich dankbar.“
Kaffee und frisches Gebäck ein Luxus
Auch kleine Freuden sind für sie längst ein unerreichbarer Luxus. „Ein Kaffee oder ein frisches Vollkornweckerl – das ist für mich schon etwas Besonderes“, erzählt sie. Schwimmen, um ihre Rückenschmerzen zu lindern, wäre ihr dringend empfohlen, ist aber einfach nicht leistbar.
Trotz allem versucht sie, den Mut nicht zu verlieren. „Ich habe immer bescheiden gelebt und alles selbst geschafft. Dass ich einmal die Caritas brauche, hätte ich nie gedacht. Aber es hat sich so vieles verändert - und ohne Hilfe könnten wir nicht mehr hier wohnen.“