„Kein Känguru“

Psychoalarm: Wie Nawalny sein Gefängnis verspottet

Ausland
03.06.2023 19:18

Der Kremlkritiker Alexej Nawalny, der in der verschrienen Strafkolonie IK-6 im Gebiet Wladimir inhaftiert ist, hat in den sozialen Netzwerken irrwitzige Ausschnitte seines Schriftverkehrs mit der Administration des Gefängnisses veröffentlicht. Achtung: Lachen vorprogrammiert.

Es ist ein äußerst harter Alltag, den der politische Gefangene hinter Gittern bestreiten muss. Immer wieder bemängelt Putins größter Feind, dass russische Gefängnisse wie Konzentrationslager seien. Aber selbst dort gibt es hin und wieder durchaus witzige Situationen.

„Wenn man in Isolationshaft sitzt und wenig Beschäftigung hat, kann man bei der Korrespondenz mit der Verwaltung Spaß haben“, erklärt Nawalny im Netz. Das weiß wohl niemand besser als er, war er doch seit Sommer 2022 ganze 180 Tage in der Strafzelle untergebracht. Dort wird er übrigens auch seinen nächsten Geburtstag feiern - am 4. Juni wird der Politiker 47, führt das unabhängige russisch-lettische Nachrichtenportal „Meduza“ an.

Hier sitzt der Kreml-Kritiker in Haft. (Bild: APA/AFP/Kirill Kudryavtsev, APA/Vasily Maximov, Krone KREATIV)
Hier sitzt der Kreml-Kritiker in Haft.

Das ist Nawalnys persönliches „Best-of“ 
Aus Langeweile scheint der Kremlkritiker Gefallen daran gefunden zu haben, die Gefängnismitarbeiter durch den Kakao zu ziehen. Geschickt verpackt und mit einer guten Portion Zynismus gelingt es ihm dabei auch, auf die unvorstellbaren Zustände in Haft aufmerksam zu machen.

„Auf Ihre Bitte, dem Psycho in der Zelle gegenüber ein Megaphon zu geben, damit er noch lauter herumschreien kann, müssen wir Ihnen mitteilen, dass ein Megaphon in Isolationshaft nicht ausgehändigt werden kann.“

„Auf Ihre Forderung, Ihrem Zellengenossen, der einen Mann mit bloßen Händen getötet hat, den 10. Dan (höchster und daher äußerst seltener Meistergrad, Anm. d. Red.) in Karate zu verleihen, müssen wir Sie darüber informieren, dass die Verwaltung der Anstalt für die Frage der Vergabe von Qualifikationsrängen im Kampfsport nicht zuständig ist.“

„Auf Ihre Frage, ob Sie für die Haltung eines Maikäfers eine Genehmigung benötigen, lassen wir Sie wissen, dass das angegebene Insekt zum Reich der Tiere gehört und Ihnen daher nicht übergeben werden kann.“

Die Maikäfer-Frage rührt anscheinend daher, dass Nawalny häufig wegen vorgeschobener Gründe bestraft wird. Etwa wurde ihm vorgeworfen, sich zu früh gewaschen oder die Jacke nicht richtig zugeknöpft zu haben. Daher seine logische Schlussfolgerung: Auch ein Maikäfer, der sich zufällig in seine Zelle verirrt hat, kann ihm zum Verhängnis werden.

„Darf ich ein Känguru haben?“
Am lustigsten habe er aber die Erklärung der Gefängnisverwaltung gefunden, warum er kein Känguru besitzen dürfe.

Zitat Icon

Ich habe eine Absage bekommen, weil ein Känguru ein Beuteltier und daher in Isolationshaft verboten ist. Ich werde weiterhin für mein essenzielles Recht kämpfen, ein Känguru halten zu dürfen.

Alexej Nawalny im Februar vor einem Moskauer Gericht (Bild: AP)

Alexej Nawalny

Kommt Nawalny jemals wieder frei?
Der Kremlkritiker war im Jänner 2021 bei der Rückkehr aus Deutschland in seine Heimat festgenommen und wegen Verstoßes gegen Bewährungsauflagen und Betrug verurteilt worden. Im August 2020 war er auf einem innerrussischen Flug zusammengebrochen. Zunächst wurde er in Russland behandelt, dann in die Berliner Charité verlegt.

Dort wurde eine Vergiftung mit einem Nervengift festgestellt. Die Regierung in Moskau hat Vorwürfe zurückgewiesen, russische Behörden hätten versucht, ihn zu töten. Derzeit läuft ein neuer Prozess gegen ihn. In der absurden Anklage wird ihm vorgeworfen, im Gefängnis Terroranschläge vorbereitet zu haben. Im Falle einer Verurteilung drohen ihm bis zu 30 Jahre Haft. Nawalnys Chancen, jemals wieder freizukommen, werden also immer geringer.

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