Nach einer internen Kontrolle der Akten stehe mittlerweile der Zeitraum von 46 Stunden fest, sagte Tilak-Sprecher Johannes Schwamberger. Der Krankenakt umfasse derzeit rund 2.000 Seiten und sei "noch nicht vollständig". Unklar sei, warum sich die Folgeuntersuchungen verzögert hätten. Drei Kliniken seien involviert gewesen.
Im Mittelpunkt der Untersuchungen steht das Narkosemittel Propofol. Laut dem Chef der AGES PharmMed, Marcus Müllner, ist das Mittel für eine Sedierung von Kindern über eine längere Zeit nicht zugelassen. Das Medikament soll eigentlich nur für Narkosen im Zuge von Operationen verwendet werden. Laut Beipackzettel ist es zur Ruhigstellung für Personen unter 16 Jahren verboten, für Narkosen sei es aber ab dem ersten Lebensmonat erlaubt.
Tiroler Landessanitätsrat befürwortet Propofol
Nach einer Sitzung am Dienstag bezog auch der Tiroler Landessanitätsrat zum umstrittenen Narkosemittel Stellung. "Aus unserer Sicht sind hohe Dosierungen über einen langen Zeitraum nicht zu empfehlen, da es in diesem Zusammenhang zu Komplikationen kommen kann", erklärte Landessanitätsdirektor Christoph Neuner.
Propofol sei jedoch, so Neuner weiter, seit Beginn der 1980er-Jahre im Einsatz und unverzichtbarer Bestandteil der Anästhesie und Intensivmedizin. Es handle sich um ein hochwirksames, durch seine kurze Wirkdauer auch sehr gut steuerbares Narkosemittel, erläuterte der Landessanitätsdirektor. Deshalb sei es in den letzten 20 Jahren auch zunehmend bei Kindern eingesetzt worden.
Der Landessanitätsrat sei daher "zum Schluss gekommen, dass Propofol altersunabhängig wie bisher für die Einleitung der Narkose und die totale intravenöse Anästhesie zum Einsatz kommen soll", so Neuner.
Seltene Nebenwirkung schuld an Tod?
Die ärztliche Direktion der Innsbrucker Klinik hatte vergangene Woche die Verwendung des Narkosemittels Propofol zur Sedierung auf Kinder-Intensivstationen gänzlich untersagt (siehe Infobox). Im Rahmen der laufenden Untersuchungen habe sich der Verdacht erhärtet, dass eine sehr seltene Nebenwirkung des Narkotikums zum Tod des Kindes geführt haben könnte.
Diese trete in einem von 10.000 Fällen auf und werde Rhabdomyolyse genannt. Dabei handelt es sich um die Auflösung der quer gestreiften Muskelfasern, wozu die Skelettmuskulatur, Herzmuskulatur und Zwerchfell gehören.
Parallel zur Aufarbeitung an der Klinik laufen die Untersuchungen der Innsbrucker Staatsanwaltschaft. Sie hatte nach dem Tod des Kindes ein Ermittlungsverfahren gegen Unbekannt eingeleitet.
Narkose des Mädchens war "ohne Zwischenfälle" verlaufen
Das Mädchen war am 15. Oktober in die Innsbrucker Klinik eingeliefert worden, weil es beim Spielen Klebstoff verschluckt hatte. Noch am selben Tag wurde unter Narkose eine endoskopische Untersuchung der oberen Atemwege vorgenommen.
Die Narkose selbst war laut der ärztlichen Direktorin "ohne Zwischenfälle" verlaufen. Das Kind wurde danach routinemäßig auf die Intensivstation verlegt und weiterbehandelt. Zu der Verschlechterung, die schließlich in ein Multiorganversagen des Kindes mündete, sei es rund drei Tage später gekommen.








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