Kinderklinik reagiert

Tirol: Seltene Nebenwirkung führte zu Kindstod

Tirol
03.11.2011 16:56
Nach dem Tod eines dreijährigen Mädchens an der Innsbrucker Kinderklinik nach einem Routineeingriff dürfte die Ursache für die Tragödie nun bekannt sein. Wie es am Donnerstag von der Klinik hieß, habe sich im Rahmen der laufenden Untersuchungen der Verdacht erhärtet, dass eine sehr seltene Nebenwirkung des verwendeten Narkosemittels Propofol zum Tod des Kindes geführt haben könnte.

Die Nebenwirkung trete in einem von 10.000 Fällen auf und werde Rhabdomyolyse genannt, erklärte ein Sprecher der Klinik. Dabei handelt es sich um die Auflösung der quergestreiften Muskelfasern, wozu die Skelettmuskulatur, Herzmuskulatur und Zwerchfell gehören.

Aus diesem Grund wurde von der Klinik nun die Verwendung des Mittels für die Sedierung auf Kinder-Intensivstationen gänzlich untersagt. Im Rahmen von Operationen werde es aber weiterhin verwendet, weil es eines der wenigen Mittel ist, die für Kinder zugelassen sind, so der Sprecher weiter.

Grundsätzlich gilt Propofol seit rund drei Jahrzehnten als beliebtes Anästhetikum und genießt sowohl bei Ärzten als auch bei Patienten weltweit einen ausgezeichneten Ruf. Komplikationen würden laut einem Wiener Anästhesisten nur in den seltensten Fällen auftreten. Prinzipiell könne Propofol jedem Menschen verabreicht werden, wenn keine Allergien gegen Wirkstoff oder Trägersubstanz bekannt sind. Lediglich Schwangeren und Kindern unter einem Jahr seien ausgenommen.

Kind starb drei Tage nach Routineoperation
In jenem traurigen Fall, in dem es zu einer sehr seltenen Nebenwirkung gekommen war, war das Mädchen am 15. Oktober in die Innsbrucker Klinik eingeliefert worden, weil es beim Spielen Klebstoff verschluckt hatte. Noch am selben Tag sei unter Narkose eine endoskopische Untersuchung der oberen Atemwege vorgenommen worden, erklärte die ärztliche Direktorin, Alexandra Kofler, am vergangenen Montag.

Die Narkose - zur Sedierung wurde Propofol verwendet - war laut Kofler "ohne Zwischenfälle" verlaufen. Das Kind wurde danach routinemäßig auf die Intensivstation verlegt und offenbar weiter mit Propofol behandelt. Zu der Verschlechterung, die schließlich in einem Multiorganversagen des Kindes mündete, kam es rund drei Tage nach der OP. Die Staatsanwaltschaft leitete nach dem Tod des Kindes ein Ermittlungsverfahren gegen unbekannte Täter ein.

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