Kämpfe im Sudan
Spitäler kollabieren: Leichen verwesen in Betten
Im Zuge der schweren Kämpfe zwischen der Armee und einer paramilitärischen Einheit sind bisher Hunderte Menschen getötet und Tausende verletzt worden. Doch obwohl sie dringender denn je benötigt werden, müssen Krankenhäuser schließen und Ärzte werden an ihrer Arbeit gehindert. Selbst um die Toten kann sich oft niemand mehr kümmern. Augenzeugen berichten von Toten, die in ihren Spitalsbetten verwesen.
„Verwesende Leichen werden auf den Stationen aufbewahrt, weil es keine andere Möglichkeit gibt, sie unterzubringen“, sagt Attija Abdullah, der Generalsekretär des sudanesischen Ärzteverbandes. „Die Leichenhallen sind überfüllt und die Straßen mit Leichen übersät.“ Die Kämpfe hätten zum „kompletten Zusammenbruch des Gesundheitssystems“ geführt, sagt Abdullah.
WHO: Tote bei Angriffen auf Gesundheitseinrichtungen
„Das Krankenhaus wurde beschossen, es wurde direkt davor gekämpft“, berichtet der Vater eines leukämiekranken Mannes gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. Und die Klinik in Khartum ist nicht die einzige: Landesweit wurden nach Informationen des Ärzteverbands 13 Krankenhäuser angegriffen und 19 weitere evakuiert. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) berichtet von mindestens acht Toten durch Angriffe auf Gesundheitseinrichtungen.
Erreichen die Kämpfe Kliniken, stehen die Ärzte vor einer schwierigen Entscheidung. „Wir sehen uns gezwungen, die Patienten gehen zu lassen“, sagt Verbandschef Abdullah. „Wenn sie bleiben, würden sie getötet werden.“ Fast drei Viertel der Kliniken sind inzwischen in Khartum geschlossen. Die übrigen bieten nur Notdienste an.
Viele Verletzte werden sterben, weil Ärzte nicht zu ihnen kommen können. In den sozialen Medien versuchen Sudanesen verzweifelt, Medikamente für chronisch kranke Verwandte aufzutreiben. Und der Ärzteverband gibt auf Facebook Ratschläge für den Umgang mit verwesenden Leichen.
Medizinlabor mit gefährlichen Erregern besetzt
Doch es könnte sich eine noch viel größere Gefahr drohen. Nach der Besetzung eines staatlichen Medizinlabors mit Proben von Krankheitserregern warnt die WHO vor einer „extrem, extrem gefährlichen“ Situation. WHO-Sprecher Nima Saeed Abid sprach am Dienstag im Zusammenhang mit der „Besetzung des Medizinlabors durch eine Konfliktpartei“ von einem „sehr großen biologischen Risiko“. Er sagte nicht, welche der beiden Konfliktparteien das Labor besetzt hält. In der Einrichtung werden nach WHO-Angaben Proben verschiedener potenziell tödlicher Krankheitserreger wie Cholera, Masern und Kinderlähmung gelagert. Alle anwesenden Labortechniker seien von den Kämpfern vertrieben worden, hieß es.
270.000 Flüchtlinge erwartet
Über die Sicherheitssituation im Sudan außerhalb der Hauptstadt ist derzeit wenig bekannt. Vor einer am Montagabend verkündeten Waffenruhe waren vor allem aus der westlichen Region Darfur heftige Kämpfe gemeldet worden. Tausende Sudanesen haben versucht, nach Ägypten zu fliehen. Die Vereinten Nationen rechnen damit, dass bis zu 270.000 Menschen aus dem nordostafrikanischen Land in die Nachbarländer Tschad und Südsudan fliehen könnten.
Trotz der seit Mitternacht geltenden Waffenruhe ist es am Dienstag in der Hauptstadtregion Medienberichten zufolge erneut zu Luftangriffen kommen. Dabei soll die Stadt Omdurman, die unmittelbar an die Hauptstadt Khartum angrenzt, in den Fokus gerückt sein. Eine Reporterin der Deutschen Presse-Agentur berichtete, dass bei den Gefechten auch ein Krankenhaus getroffen wurde.







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