Auftakt in Steyr

32 Millionen Euro weg: Aus Dubais Sonne in U-Haft

Chronik
28.03.2023 18:00

„Schlimm, dass ich jetzt hier vor Gericht dasitze, während er in die Sonne lacht“ - als das größte Opfer von allen gibt sich der Angeklagte René S. (46) zum Start eines Millionen-Euro-Betrugsprozesses am Landesgericht Steyr.

Während ihm Caroline Czedik von der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft vorwirft, aktiv beteiligt gewesen zu sein, zumindest 103 Opfer mit zu gut klingenden Versprechen – bis zu fünf Prozent Rendite pro Woche – bis zu 32 Millionen Euro aus den Taschen gezogen zu haben, sagt der Angeklagte, nur Befehlsempfänger gewesen zu sein.

„Die Hochfinanz gewinnt immer“
Sein Chef Christian B., der sich in Dubai vor dem internationalen Haftbefehl versteckt, soll alles alleine ausgeheckt und auch ihn getäuscht haben. „Ich wünschte, ich wäre ihm nie begegnet.“ Er selbst habe zwar für ihn Marketing-Maßnahmen vor allem in Online-Gruppen getätigt und auch Bekannte und Familie für das Geschäft angeworben: „Aber immer im festen Glauben, dass alles funktioniert.“

Denn er selbst sei durch die Renditen seines 50.000-Euro-Honorars, das er ins System einzahlen musste, bezahlt worden. Vorgegaukelt wurde, dass durch Kontakte zur „Hochfinanz in Dubai“ exklusiv mit Bitcoins gehandelt werde. Doch das Geld versickerte, man sei selbst einem Betrüger in Dubai aufgesessen.

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Aus den Vereinigten Arabischen Emiraten wurde noch nie ein Amtshilfeansuchen positiv erledigt.

(Bild: Dostal Harald)

Staatsanwältin Caroline Czedik von der WKSTA

Auch der Angeklagte war samt seiner Frau und zwei Kindern länger als ein Jahr in Dubai bei Christian B., arbeitete dort wieder für ihn, bzw. mit ihm und lebte in dessen Wohnung. „Aber ich war nicht auf der Flucht. Ich kam im September freiwillig zurück“, erklärt der Angeklagte. Von den verlorenen Investitionen - bis zu 20 Millionen Euro - will René S. nichts gesehen haben. Im Gegenteil.

„Bei seiner Rückkehr hatte er einen Termin mit der Schuldnerberatung“, sagt Anwalt Thomas Tauchner, der am Ende seines fast halbstündigen Eröffnungsplädoyers einen Freispruch fordert - und: „Die Kanzlei übernimmt den Fall kostenlos, weil wir von der Unschuld überzeugt sind.“

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Am Anfang dachte ich auch: Das ist ein Betrüger. Doch inzwischen bin ich zu 100 Prozent sicher, dass mein Mandant unschuldig ist.

(Bild: Dostal Harald)

Anwalt Thomas Tauchner

Ob der wie jeder guter Verkäufer redegewandte Angeklagte, der leger, aber adrett im Anzug gekleidet aus der U-Haft kam (seine Mama, die auch 8500 Euro durch ihn verloren hat, umarmte ihn herzlich), Mitläufer oder doch Täter ist, wird nicht vor Mai entschieden. Bis dahin gibt’s zumindest fünf weitere Termine mit 34 Zeugen.

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