Bei Kriegsdienst:

Russische Region verspricht Waisen Gratis-Wohnung

Ausland
06.03.2023 15:04

Die russische Fernostregion Amur stellt Waisen eine geschenkte Wohnung in Aussicht, wenn sie am Krieg in der Ukraine teilnehmen. Russland lockt immer wieder das eigene Volk mit vermeintlich attraktiven finanziellen Angeboten an die Front - oft steckt aber nicht mehr dahinter als heiße Luft.

Eigentlich haben laut russischem Sozialrecht alle Waisen Anspruch auf Wohnraum, wenn sie 18 Jahre alt werden. Allerdings warten allein in der Fernostregion Amur, die sich an der Grenze zu China befindet, 3500 Waisen auf die Zuteilung einer Wohnung.

Nachfrage viel zu hoch
In den Jahren 2020 und 2021 hat die Administration insgesamt aber nur 147 Wohnraumzertifikate vergeben. Für das laufende Jahr ist offiziellen Angaben nach die Vergabe von 137 Zertifikaten vorgesehen - bei 3500 Anträgen nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Das Zertifikat entspricht einem sozialen Zuschuss von der Gebietsverwaltung, mit der junge Leute eine Wohnung von angeblich bis zu 33 Quadratmetern kaufen können. Der bürokratische Prozess, der dafür durchlaufen werden muss, gilt allerdings als äußert kompliziert.

Vorrangsrecht durch Teilnahme an Krieg
Nun haben aus dem Kreis der Waisenkinder diejenigen Personen ein Vorrangsrecht auf den Erhalt eines Wohnraumzertifikats, die an der sogenannten militärischen Spezialoperation teilnehmen oder teilgenommen haben, wie die Sozialministerin der Region, Natalja Kisseljowa, einer Pressemitteilung der Gebietsverwaltung am Montag zufolge schilderte.

Laut Kisseljowa haben bereits vier Waisen, die sich als Zeitsoldaten für den russischen Angriffskrieg in der Ukraine verpflichtet haben, einen Antrag auf die Vergabe eines solchen Zertifikats außer der Reihe gestellt. „Einem haben wir das Zertifikat schon überreicht“, sagte die Ministerin.

Schritt sehr umstritten
Im Netz hagelt es nun ordentlich Kritik - demnach würden die Behörden die Waisen dazu zwingen, an der Front zu kämpfen. Denn ihre finanzielle Lage sei äußerst schwierig. Und nun würden sie nicht einmal mehr ohne Kriegseinsatz das bekommen, was ihnen eigentlich auch so zustehe.

Vom Staat im Stich gelassen
Auch ein Waise ist der nach Norwegen geflüchtete Ex-Kommandant der Söldner-Gruppe Wagner, Andrej Medwedew. Er war im vergangenen Sommer zum Kampf in die Ukraine aufgebrochen - dort frustrierten ihn der sinnlose Krieg, die „dummen Befehle“ sowie die Willkür der Militärführung. Nach seinem Austritt aus der Gruppe begannen Repressalien.

Er erzählte öffentlich von Hinrichtungen ukrainischer Kriegsgefangener und russischer Soldaten, die nicht zu den Waffen greifen wollten. Medwedew wuchs ebenfalls im Waisenhaus auf und berichtet, die ihm zustehende Wohnung für Waisen vom Staat nie erhalten und generell nie etwas geschenkt bekommen zu haben.

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