Aufatmen nach dem schweren Sturz von Matthias Walkner auf der vorletzten Etappe der Rallye Dakar. Die befürchtete schwere Rückenverletzung hat sich nicht bewahrheitet, der Salzburger konnte bereits aus Saudi Arabien nach Hause fliegen - und mit der „Krone“ sprechen...
„Krone“: Matthias, wie geht’s dir?
Matthias Walkner: Den Umständen entsprechend geht’s mir sehr gut. Dem Rücken geht es deutlich besser. Natürlich spür’ ich alles noch, auch das Handgelenk vom Sturz am zweiten Tag.
Du kannst schon wieder stehen und gehen ...
Ja, aber ich merke, dass jetzt jede falsche Bewegung richtig Schmerzen bereiten kann. Ich sitze und liege jetzt daheim mehr herum, besuche alle paar Stunden meine Hühner. Die Muskulatur ist extrem beleidigt, man merkt, dass im Rücken etwas passiert ist.
Wie waren die Augenblicke nach dem Sturz?
Das Schlimmste war die Ungewissheit. Nach dem stumpfen Schlag auf den Rücken hatte ich ein bisschen das Gefühl, als ob da hinten etwas ausrinnen würde. Ich hatte Szenarien im Kopf, wie viel bei Rückenverletzungen schiefläuft.
Warst du erleichtert, als du Füße und Zehen bewegen konntest?
Sogar extrem erleichtert. Obwohl ich mir ziemlich sicher war, dass im Rücken etwas gebrochen ist. Aber ich hatte dann bald mit Heinz Kinigadner Kontakt, der mich beruhigt hat.
Der Abtransport Richtung Spital war dann etwas chaotisch...
Ich musste stundenlang warten. Dann hat Heinz Kinigadner über einen saudischen Prinzen das Ganze etwas beschleunigt, weil man ja nicht wusste, was mit meinem Rücken los ist. Und auf dem Weg ins Spital verlor ich dann plötzlich das Gefühl im linken Fuß, da wurde mir ganz anders. Zum Glück ist das nach 20 Minuten wieder gekommen. Das waren die schlimmsten Stunden meines Lebens. Die Schmerzen beim Oberschenkelbruch 2016 waren ärger, aber die Ungewissheit war schlimm.
Wie lautet jetzt die genaue Diagnose?
Das muss ich jetzt noch einmal alles durchchecken lassen, auch das Handgelenk vom ersten Sturz.
Bist du nach dem ersten Sturz zu viel Risiko eingegangen?
Nein, das war einfach eine extrem blöde Situation. Eine unübersichtliche Abrisskante mit Gegenhang, nicht besonders schnell. Etwas, was du fünfmal am Tag springst, aber diesmal hat alles blöd zusammengespielt. Ich bin schon noch gefahren wie um das Podium, weil ich bei hundert Prozent am besten funktioniere. Aber der erste Sturz am zweiten Tag war eigentlich ärger, weil ich da mit 110 km/h und 22G im Steinfeld eingeschlagen bin.
Hast du jetzt mit der Dakar eine Rechnung offen - wirst du wieder starten?
Zu meinem Begleiter Tom hab ich gesagt, er soll filmen, wie ich im Krankenhaus liege - damit er mir das zeigt, für den Fall, dass ich noch einmal auf die Idee kommen sollte, noch einmal dort zu starten. Jetzt, wo die Schmerzen weniger werden, es glimpflich ausging und ich die Anteilnahme mitbekomme, denke ich, dass es schon ein lässiges Rennen war. Es war schon eine unbeschreiblich geile Route. Auch wenn es weh tut, für diese Momente lebe ich und bin Rennfahrer geworden. Aber ich brauche noch Zeit zum Reflektieren. Ich hab jedenfalls noch viel Feuer!
Dein Vertrag mit KTM endet aber derzeit noch vor der nächsten Dakar...
Der Vertrag läuft noch bis Dezember, also die komplette Rallye-WM. Bei KTM stehen alle hinter mir. Diesmal hat’s halt schon am ersten Tag blöd begonnen, als ich Erster bei Sam Sunderland nach dessen Sturz war.
Dein Ersthelfer nach dem Sturz war Kevin Benavides, er hat dann sogar noch die Dakar gewonnen - ist seine Leistung dadurch höher einzuschätzen?
Er ist ziemlich stark im Kopf, hat das durchgezogen. Gewaltig, was Kevin da zusammengebracht hat. Eigentlich hätte ich ja auf Toby Price gesetzt, da hätte ich mein ganzes Geld verloren.









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