Hausärzte sauer

Ärztekammer kündigte Vertrag für Notdienst

Oberösterreich
31.12.2022 09:00

Es geht wieder einmal ums liebe Geld: Bei den Honorar-Verhandlungen zwischen der oö. Ärztekammer mit dem Land OÖ sowie der Österreichischen Gesundheitskassa (ÖGK) konnte man keinen gemeinsamen Nenner erzielen. Die Mediziner, die seit 2018 für Einsätze beim Hausärztlichen Notdienst (HÄND) keine Wertanpassung mehr erhalten haben, kündigten deshalb den Vertrag nun auf.

„Weil es aber eine Kündigungsfrist von einem Jahr Dauer gibt, wird der HÄND zumindest noch bis Ende 2023 fortbestehen“, betont Wolfgang Ziegler, Allgemeinmediziner und stellvertretender Kurienobmann der niedergelassenen Ärzte in der oö. Ärztekammer. Mit der Forderung nach einer 15-prozentigen Anhebung des Bruttohonorars sei man auf taube Ohren gestoßen. „Die HÄND-Aufkündigung ist eine Art Notwehrmaßnahme, zu der wir leider greifen mussten“, erklärt Ziegler.

41 Kassenstellen nicht besetzt
Er rechnet vor: Pro 12-Stunden-HÄND-Dienst (Nachtstunden, Feiertag) erhalten Hausärzte 950 Euro brutto. „Abzüglich Kosten und Steuern bleiben derzeit nur etwa 350 Euro übrig – das ist ein Netto-Stundensatz von ungefähr 30 Euro.“

Es sei daher auch kein Wunder, dass sich immer weniger Hausärzte finden würden, die beim HÄND regelmäßig Diensteinsätze verrichten wollen. „Außerdem ist es sehr anstrengend, weil man am nächsten Tag meist wieder in der eigenen Praxis tätig sein muss“, so Ziegler. Hinzu komme, dass in OÖ derzeit 41 Kassenstellen nicht besetzt sind, die anderen mehr Patienten zu betreuen hätten.

Die Verhandlungstüren seien aber nicht endgültig verschlossen: „Im Jänner setzen wir uns erneut zusammen.“

(Bild: Krone KREATIV, Alexander Schwarzl, Markus Wenzel)

„Krone“-Kommentar: Seit Jahren fehlt Anerkennung
Etwa 40.000 Visiten werden jedes Jahr allein in OÖ vom Hausärztlichen Notdienst absolviert. Medizinische Einsätze, die dafür sorgen, dass die vielfach meist heillos überlaufenen Spitalsambulanzen nicht völlig kollabieren.

Wenn Hausärzte neben ihrer Praxis noch derartige 12-Stunden-Dienste absolvieren, tun sie das nicht, um sich ein leichtes Zubrot zu verdienen. Denn die etwa 30 Euro, die ihnen für diese Nachtarbeit derzeit netto als Stunden-Lohn bleiben, locken wohl niemanden. Es ist vor allem Idealismus, der sie antreibt. Eine Wertanpassung wäre zumindest eine Art Anerkennung dafür.

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