Weil der Investorendruck wächst, möchte der Gröbminger Ortschef die Zweitwohnsitze beschränken. Aber: Er beißt auf Granit.
Im Herbst 2020 musste man in Gröbming für Bauland 150 Euro pro Quadratmeter hinblättern. Heute, nur zwei Jahre später, sind es 300 Euro.
Die Auswirkungen dieser Preisexplosion bekommt Bürgermeister Thomas Reingruber (SPÖ) hautnah zu spüren: „Ich habe in den viereinhalb Jahren, seit ich Bürgermeister bin, vielleicht sechs bis sieben Eigenheim-Neubauten verhandelt; parallel sind in diesem Zeitraum mehr als 100 neue Wohnungen entstanden, allesamt privat“, erzählt der 42-Jährige.
Beschränkungszone zur Gegensteuerung
Da der Investorendruck zuletzt noch einmal „spürbar gewachsen“ sei, wollte Reingruber nun mittels Einführung einer so genannten Beschränkungszone für das Zentrum die Zweitwohnsitz-Bauwut eindämmen. Nur: Die ÖVP als Oppositionspartei stellte sich in den Gemeinderatssitzungen gegen die Idee, darüber hinaus legte sich sogar ein Gemeinderat aus den eigenen Reihen quer - für den Ortschef besonders bitter.
„Mir wurde kein einziges plausibles Gegenargument dargelegt. Offenbar stehen die Eigeninteressen hier im Vordergrund, anders kann ich mir ein solches Verhalten nicht erklären“, ist der Obersteirer sauer.
Offenbar sind die politischen Mitbewerber davon überzeugt, dass Geld wichtiger ist als unser Ortsbild und leistbares Wohnen für junge Familien
Bürgermeister Thomas Reingruber (SPÖ)
Bürgerbefragung mit eindeutigem Votum
Dass sich bei einer Bürgerbefragung 75 Prozent der Teilnehmer gegen die Schaffung weiterer Zweitwohnsitze in Gröbming ausgesprochen haben, wäre für Reingruber übrigens ein weiteres Motiv zur Gegensteuerung gewesen: „Ich wurde ja schließlich zum Volksvertreter gewählt. Also war mein Auftrag nach einem solchen Ergebnis klar.“
Einen völlig anderen Zugang zum Thema hat die ÖVP: „Wir müssen ja froh sein, dass jemand die alten Häuser im Ort revitalisieren möchte, dass sich überhaupt jemand über die Leerstände drübertraut“, sagt der Fraktionsführer und zweite Vizebürgermeister Markus Putz.
Meinungen divergieren
Nach der Analyse von aktuellem Zahlenmaterial sei man zu dem Schluss gekommen, dass Gröbming schlicht „kein Problem mit Zweitwohnsitzen“ habe.
Wenn wir im Ortskern Investitionen unmöglich machen, entsteht in dieser Zone gar nichts mehr Neues
Wolfram Steiner, ÖVP-Gemeinderat von Gröbming
Ähnlich begründet auch ÖVP-Gemeinderat Wolfram Steiner seine Haltung: „Wenn wir das Zentrum von Gröbming als Beschränkungszone ausweisen, verfällt unser historischer Ortskern komplett.“
„Kein Anzeichen von Preistreiberei“
Das sieht auch Markus Schach von der SPÖ so: „Mir haben unsere Immobilienmakler und Bauträger gesagt, dass wir einen gesunden Zweitwohnsitz-Anteil haben. Also kann ich diese populistische Forderung, auch wenn sie von der eigenen Partei kommt, nicht unterstützen!“
Alle von der „Krone“ Befragten betonen übrigens, persönlich nichts mit Immobilien zu tun zu haben.
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