Betroffene verzweifelt

Sozialamt kassiert Teuerungs-Hilfsgeld wieder ein

Salzburg
21.07.2022 05:30

Im April erhielt eine Sozialhilfe-Empfängerin aus Salzburg den Teuerungsausgleich des Bundes. Nun will aber plötzlich das Salzburger Sozialamt die 150 Euro von ihr wiederhaben.

Mit was soll ich das bezahlen? Das ist für mich viel Geld“, kann Daniela Theiss aus der Stadt Salzburg nicht fassen, welcher Brief ihr da vom Salzburger Magistrat in den Postkasten geflattert ist. Das städtische Sozialamt will den Teuerungsausgleich in Höhe von 150 Euro, den die gehbehinderte Salzburgerin im April von der Bundesregierung erhalten hatte, nun von der Sozialhilfe abziehen.

Teuerungsausgleich ist für Sozialamt „Einkommen“
Der Grund dafür scheint absurd: Die Behörde wertet den Teuerungsausgleich, der in der aktuellen Situation eigentlich genau Menschen wie Daniela Theiss unterstützen soll, als Einkommen. Daher werden der 53-Jährigen nun die 150 Euro von der Sozialhilfe abgezogen, obwohl sie ohnehin schon mit nur knapp 900 Euro monatlich auskommen muss. „Für mich ist das unvorstellbar. Das ist absurd, dass mir das vorher bezahlt wird und ich das jetzt Monate später wieder zurückzahlen muss“, ärgert sich Theiss. Von den 150 Euro sei nämlich nichts mehr über. „Alles ist so teuer geworden. Ich muss mir dreimal überlegen, ob ich mir im Supermarkt ein Packerl Aufschnitt mitnehmen kann“, ist sie geknickt.

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Alles ist so teuer geworden. Ich muss mir dreimal überlegen, ob ich mir im Supermarkt ein Packerl Aufschnitt mitnehmen kann.

Daniela Theiss

Wirklich helfen habe ihr bisher niemand können, so Theiss. Sie sagt: „Der Sachbearbeiter beim Sozialamt ist sehr nett, hat aber gesagt, dass er nichts machen könne, weil das die aktuelle Rechtslage ist und scheinbar in Wien geschlampt wurde.“ In ihrer Verzweiflung habe sie sogar Briefe an den Bundeskanzler geschrieben. Reaktion? Fehlanzeige!

Immerhin: Eine Referentin von Soziallandesrat Schellhorn habe sich für sie eingesetzt. Nun könne sie die 150 Euro zumindest in sehr kleinen Raten bezahlen.

Bürokratie-Posse folgt auf Schicksalsschläge
Theiss, die früher als Trainerin tätig war, ist seit einem Verkehrsunfall schwer gehbehindert und kann keine 50 Meter gehen. Der Autofahrer, der sie damals von ihrem Rad gerammt hatte, flüchtete und wurde trotz Zeugenbeschreibung nicht gefunden. Theiss ist seither berufsunfähig, hat starke Schmerzen und ist auf Sozialunterstützung angewiesen.

Zu allem Überdruss erkrankte sie auch noch an Corona und leidet seither an Long Covid. Ihr sehnlichster Wunsch, nämlich endlich wieder ein funktionierendes Fahrrad zu haben, ist durch den Bescheid des Sozialamts in weite Ferne gerückt. „Das ist schade, weil Radfahren die einzige Bewegung ist, die halbwegs schmerzfrei möglich und außerdem wichtig für mein kaputtes Knie ist ...“

Anmerkung der Redaktion: Vielen Dank an die berherzte „Krone“-Leserschaft für die vielen angebotenen Fahrräder! Binnen kürzester Zeit konnte ein Fahrrad für Frau Theiss gefunden werden!

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