15.07.2022 08:30 |

„Warnsignal“

Homeoffice lässt Arbeits- und Zeitdruck steigen

Viele Beschäftigte begrüßen den Trend zu mobiler Arbeit, gleichzeitig können immer weniger nach Dienstschluss oder im Urlaub abschalten. Das ist eines der Ergebnisse des „Monitor Digitalisierung“, einer Umfrage unter Industriebeschäftigten. Der Arbeits- und Zeitdruck ist demnach gestiegen.

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Für ihre Umfrage ließ die deutsche Gewerkschaft IG BCE zum zweiten Mal nach 2019 Daten aus den von ihr vertretenen Branchen erheben - von Chemie- und Pharmaindustrie über Kautschuk- und Kunststoffbranche bis zu Energie- oder Zementwirtschaft. An der Befragung beteiligten sich mehr als 11.000 Menschen aus fast 1600 Betrieben, wie es in einer Mitteilung am Donnerstag hieß.

Die Mehrheit derjenigen, die auch von daheim oder unterwegs arbeiten können, möchte demnach die neuen Möglichkeiten nicht missen. Gleichzeitig spüren die Menschen auch die Schattenseiten: Der Arbeits- und Zeitdruck ist weiter gestiegen.

Wachsende Arbeitsverdichtung
In beiden Befragungen lassen sich die vor allem durch den Homeoffice-Trend in der Coronazeit ausgelösten Veränderungen ablesen. So gibt eine Mehrheit der Beschäftigten (55 Prozent) an, die Digitalisierung bedeute für sie wachsende Arbeitsverdichtung. 2019 war dieser Wert bei 47 Prozent gelegen.

Mehr als jeder Vierte (27 Prozent) stimmte zudem voll oder überwiegend der Äußerung zu, nach der Arbeit nicht abschalten zu können, für weitere 31 Prozent gilt dies zumindest zum Teil. 2019 hatten diese Werte noch bei 20 beziehungsweise 27 Prozent gelegen.

„Deutliches Warnsignal“
„Dieser negative Trend ist ein deutliches Warnsignal“, sagt Francesco Grioli, IG BCE-Hauptvorstandsmitglied. Kern des Problems sei eine in vielen Unternehmen stillschweigend vorausgesetzte „Always On“-Haltung. Dem müsse ein Riegel vorgeschoben werden. „Wir brauchen ein Recht auf Nicht-Erreichbarkeit“, forderte Grioli.

Gleichzeitig werde die IG BCE mehr Rahmenvereinbarungen zum Arbeitsvolumen mit digitalen Systemen durchsetzen, um die Beschäftigten zu schützen. Zudem gelte es, mobile Arbeit branchenweit ordentlich zu regeln.

Über ein Drittel wünscht sich mehr Homeoffice
Klar ist, dass die Beschäftigten trotz allem auf Homeoffice nicht verzichten möchten. 47 Prozent sind zufrieden mit ihrem aktuellen Anteil an Heimarbeit, weitere 37 Prozent würden ihn gern noch erhöhen.

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