26.09.2011 10:56 |

Geht ganz schön up!

IAA 2011: Die Highlights der Frankfurter Messe

Die 64. Internationale Automobil-Ausstellung ist zu Ende. Die weltweit wichtigste Mobilitätsmesse zog nach vorläufigen Schätzungen der Veranstalter mehr als 900.000 Besucher an oder bis zu zehn Prozent mehr als im Krisenjahr 2009. Die grünste IAA aller Zeiten, der beste Porsche 911 aller Zeiten – der große Branchentreff in Frankfurt (15. bis 25. September) steckte mal wieder voller Superlative. Doch zwischen PS-Boliden und Elektroautos bleibt noch genügend Platz für bezahlbare Mobilitätslösungen der Gegenwart.

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Den Trend setzt in dieser Hinsicht der neue VW up!, wenngleich sich der mit großem Brimborium angekündigte Viersitzer bei genauerem Hinsehen als konventioneller, aber gelungener Kleinwagen entpuppt – mit den typischen Unzulänglichkeiten: wenig Platz im Fond, kleiner Kofferraum, hohe Ladekante. Auch VW kann das Rad in der Kleinstwagenklasse nicht neu erfinden. Selbst Verarbeitung und Materialauswahl bedeuten keinen Quantensprung gegenüber dem Wettbewerb, glänzn aber durch Klarheit. Der attraktive Einstiegspreis von 9.990 Euro lässt sich mit ein bisschen Ausstattung und den netten Up-Boxes schnell auf über 12.000 Euro steigern. Natürlich hat der neue up! das Zeug zum Verkaufsschlager und dürfte den Begriff Volkswagen mit neuem Leben füllen.

Zwischen CO2- Rittern und Vollgasbruderschaft

Überhaupt gibt man sich beim VW-Konzern trotz einer aufsehenerregenden Vorabendshow vergleichsweise sachlich. Klar, es gibt die Sportwagen wie den 570 PS starken Lamborghini Super Trofeo Stradale, den Lamborghini Sesto Elemento (der auf 20 Stück limitiert definitiv gebaut wird), den überarbeiteten Bentley Continental GTS oder den Bugatti L’Or Blanc mit Porzellanauflagen. Doch selbst beim neuen 911er rückt Porsche-Chef Michael Müller die Verbrauchsreduzierung trotz erneuter Leistungssteigerung in den Vordergrund, und VW-Chef Martin Winterkorn verweist auf die 46 Konzernmodelle, die heute schon weniger als 100 g/km CO2 ausstoßen.

Bescheidenheit und Bodenständigkeit kommen auch in den beiden Messepremieren von Skoda und Seat zum Ausdruck: Beide Konzerntöchter verweisen mit Studien auf eine neue Stufenhecklimousine am oberen Ende der Kompaktklasse, die im Falle von Skoda die Lücke zwischen dem Fabia und dem Octavia schließen soll, bei Seat noch keine konkrete Aussicht bieten soll.

Es ist eben nicht ganz einfach für die Hersteller, den Spagat zu schaffen zwischen den tendenziell umweltbewussten europäischen Kunden und den aufstrebenden jungen Märkten, die nach großem und schwerem Luxus verlangen. Gleichzeitig gilt es, trotz der Umweltthematik immer noch auch noch ein wenig Emotion zu versprühen. So ist auch Audi bemüht, beide Seiten zu bedienen: die umweltsensiblen Gemüter mit dem Zweisitzer Urban Concept und dem neuen A2, der in Frankfurt noch als Studie steht und frühestens 2013 in der Serienversion zu erwarten ist; die Leistungshungrigen mit dem Facelift des RS5 und dem A5 in der DTM-Version. Dabei bleibt der A2 der ersten Modellgeneration, die 2005 mangels Erfolg eingestellt wurde, überraschend treu: vor allem im Hinblick auf die intelligente Raumausnutzung. Der Studie ist ein Elektromotor eingepflanzt, für die Serienversion sind auch konventionelle Motoren und ein Hybridantrieb denkbar.

Die Zukunft vorweggenommen

Noch weiter in die Zukunft blickt Mercedes mit dem F125. Das fünf Meter lange Forschungsfahrzeug mit Flügeltüren präsentiert sich als S- Klasse von 2025 und zeigt jede Menge neuer Ideen, die das Autofahren von übermorgen umweltfreundlicher, sicherer und komfortabler machen sollen. Während allerorten der batteriebetriebene Elektroantrieb vor der Serienreife steht oder sogar schon zu haben ist, belebt Mercedes den zwischenzeitlich fast in Vergessenheit geratenen Brennstoffzellenantrieb mit Wasserstoff neu und verspricht eine Reichweite von 1.000 Kilometern mit einer Tankfüllung. Bis 2025 sollen auch die Infrastruktur- Probleme bei der Wasserstoffversorgung gelöst sein.

Während Mercedes darüber hinaus mit dem SLS Roadster und dem C-Klasse Coupé die emotionale Seite bedient, bleibt der Konzern bei der Preisgestaltung für den Smart electric drive erfreulich bodenständig. Mit rund 19.000 Euro plus 70 Euro Monatsmiete für die Batterie liegt der Elektro- Smart, der als erster echter Stromer aus dem Hause Daimler im nächsten Jahr an den Start geht, erheblich unter den bisher verfügbaren E- Modellen etwa von Mitsubishi oder Peugeot. Deutlich mehr wird BMW für den Elektrokleinwagen i3 aufrufen, der 2013 auf den Markt kommt. Das liegt weniger daran, dass der i3 im Unterschied zum zweisitzigen Smart ein vollwertiger Viersitzer ist, sondern vor allem an der aufwendigen Kohlefaser-Konstruktion der Karosserie, deren geringeres Gewicht die zusätzlichen Kilos der Batterie kompensiert.

Am Thema alternative Antriebe kommt heute kein Hersteller mehr vorbei: Hybrid-Pionier Toyota baut den Prius mit dem Siebensitzer Prius+ und dem Plug-in-Prius zur Modellfamilie aus und rüstet auch den Yaris künftig mit dem Doppelherzantrieb aus. Daneben debütieren der renovierte Mittelklässler Avensis und ein neuer Sportwagen, der als seriennahes Konzeptfahrzeug FT-86 II der Modellpalette mehr Esprit verleihen soll. Lexus bringt die neue Generation des GS ebenfalls wieder mit Hybridantrieb. Vorangetrieben wird auch der Dieselhybrid: Erste Modelle stehen bei Peugeot (3008 Hybrid4) und Citroen (DS5), wobei bei Citroen aber eher die Bus- Studie Tubik mit schönen Reminiszenzen an die alten Wellblech- Busse der Marke und lounge- artigem Innenraum die Blicke auf sich zieht.

Selbst die neue Sportwagenstudie CX-16 von Jaguar bekommt keinen kraftstrotzenden Achtzylinder- Motor, sondern einen Kompressor- V6 mit Elektrounterstützung. Dem möglichen Vorboten eines neuen E-Type sollte man beim IAA- Rundgang ebenso einen Besuch abstatten wie dem Ford-Konzeptfahrzeug Evos, aus dem sowohl ein neuer Capri als auch der nächste Mondeo entstehen könnte, dem Alfa 4C Concept, der Kia-Coupé-Studie GT oder dem Volvo-Viertürer You. Wer sich hingegen bereits mit einer konkreten Kaufentscheidung trägt, für den könnten interessant sein: das Mazda Kompakt-SUV CX-5 mit Verbrauchswerten, die aufhorchen lassen; die neue Generation des Opel Zafira, der jetzt den Namenszusatz „Tourer“ trägt, der neue Fiat Panda, der weiterhin polarisierende Honda Civic oder der deutlich dynamischer gewordene Kompaktwagen Hyundai i30.

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