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Wallners Rückzug: Krankenstand nicht verhandelbar

 Noch bevor der Vorarlberger Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) Montagfrüh bekanntgab, einen mehrwöchigen Krankenstand anzutreten, verkündete die „Presse“ schon fix seinen Rücktritt. Daraus wurde wenig später ein „Rückzug“ - natürlich ohne zuzugeben, dass die Meldung falsch war. „Krankenstand, der neue Rücktritt!“, hieß es dann in Postings unbeirrt. „Sind bald alle weg?“ „Einer geht noch!“ „Demnächst Salzburg!“ Und: „Ein guter Tag beginnt mit dem Rücktritt eines ÖVP-Politikers.“ Was geht eigentlich in Menschen vor, die sich insgeheim freuen, wenn ein Politiker krank wird? Das fragt sich Conny Bischofberger in ihrer Kolumne. Markus Wallner wird beschuldigt, persönlich in die Causa Wirtschaftsbund verwickelt zu sein. Wallner wies das immer als „Lüge“ zurück. Egal, ob die Vorwürfe haltlos sind oder stimmen, den Landeshauptmann haben sie zunehmend stärker belastet. Nicht nur politisch, sondern auch psychisch und physisch. Kein Wunder, dass ihn die Anstrengungen der letzten Wochen und Monate krank gemacht haben. Bischofberger weiter: Wünscht man so jemandem den Rücktritt? Nein, man wünscht ihm alle Zeit, um wieder zu Kräften zu kommen. Man wünscht ihm gute Besserung. Und man wünscht ihm, sofern er die Vorwürfe ausräumen kann, dass er seine Arbeit irgendwann wird fortsetzen  können. Im Arbeitsrecht ist Krankenstand nicht verhandelbar, sondern ein Anrecht. Das gilt auch für Politiker und politisch Andersdenkende.

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Und anlässlich ihres Rücktritts haben bereits je zwei Gesundheitsminister und Landeshauptleute - die Herren Anschober, Mückstein, Platter und Schützenhöfer - auf die Belastung im Politikerjob verwiesen, welche krank machen kann, analysiert Polit-Professor Peter Filzmaier in der „Krone“. Das sollte man nicht mit Rülpsern abtun, dass Politiker weniger jammern und mehr aushalten müssten. Gerade in Pandemie- und Kriegszeiten stehen politische Entscheidungsträger unter enormem Handlungs-, Verantwortungs- und Zeitdruck. Von ihnen hängen Schicksale und sogar Menschenleben ab. Unbestritten- so Filzmaier- wurden Fehlentscheidungen getroffen. Zudem gab es seltsame Medienauftritte voller Widersprüche oder Selbstlob. Parallel dazu - bei Wallner war es die Wirtschaftsbundaffäre - ist Österreichs Politik skandalgebeutelt. Doch scharfe Kritik darf niemals in persönliche Beschimpfungen münden. Was meinen Sie?

Einen guten Tag!

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Sonntag, 14. August 2022
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