Ein Nachfrage-Boom, doch es fehlen wie vielerorts in Tirol die Mitarbeiter! Der Wörgler Unternehmer Christian Kinigadner spricht im „Krone“-Interview über die Zeitenwende am Arbeitsmarkt, die vergebliche Suche nach Mitarbeitern und woran es hapert.
„Krone“: Herr Kinigadner, Sie beschäftigen in Ihrer Firma für visuelle Kommunikation sieben Mitarbeiter. Die Nachfrage würde weit mehr Leute vertragen?
Christian Kinigadner: Ja, wir könnten locker ein Drittel mehr Umsatz machen, denn in der Hotellerie und Gastronomie wird trotz Corona-Krise viel investiert. Doch uns fehlen vor allem Handwerker für Produktion und Montage. Ich glaube nicht, dass 1800 bis 2300 Euro netto so wenig sind. Mit dabei ist auch noch die private Fahrzeug-Nutzung und wenn es auch noch ein Handy sein soll, dann bitteschön.
Über welche Kanäle suchen Sie Mitarbeiter?
Man redet jeden Bekannten an, ob er nicht jemanden kennt. Auf unserer Homepage haben wir die Jobangebote seit drei Jahren. Das AMS fragt uns, welche Handwerker wir denn brauchen und ich sage ihnen, dass wir jeden nehmen – auch zum Zusammenräumen auf der Baustelle. Dann sind zuerst einmal AMS-Formulare auszufüllen, aber es kommt dann doch keiner.
Das Denken, dass nur Matura und Studium wirklich etwas wert sind, ist leider noch weit verbreitet.
Christian Kinigadner
Ihrem Opa und Ihrem Vater ging es diesbezüglich als Firmenchefs besser?
Das waren noch die Zeiten, als der 14-Jährige in Begleitung seiner Eltern um einen Lehrplatz fragen ging. Nun haben wir eine Lehrlings- und Fachkräftemesse organisiert. Doch 90 Prozent der Schüler sagen zu ihrer Zukunft, dass sie weiter in die Schule gehen wollen. Das Denken, dass nur Matura und Studium wirklich etwas wert sind, ist leider noch weit verbreitet.
Was bedeutet es, wenn immer weniger junge Leute ein Handwerk erlernen wollen?
Es geht wie oft im Leben um Angebot und Nachfrage. Der Bewerber merkt, wie sehr er in einem Unternehmen gebraucht wird und viele verlangen derzeit um 500 Euro netto mehr pro Monat, als sie noch vor fünf Jahren gefordert hätten. Diese Entwicklung wird auch die Kosten enorm erhöhen, wenn beispielsweise ein Handwerker für eine Reparatur ins Haus kommt.
Hat sich das „Kräfteverhältnis“ zwischen Firmenchef und seinem Mitarbeiter generell verändert?
Zum Glück ist unser kleines Team recht konstant und hervorragend. Aber es braucht Fingerspitzengefühl, wenn man die Leute wegen Überstunden fragt. Manchmal ziehe ich mir selbst die blaue Montur an, wenn es nötig ist. Mein ganzer Urlaub im vergangenen Jahr bestand aus zweimal zwei Tagen Gardasee.
Die Wörgler Firma Kinigadner prägt mit Beschilderungen, Beschriftungsdesign, Lichtwerbung oder grafischen Leitsystemen das Erscheinungsbild vieler anderer Unternehmen. Die einstige Malerei feiert heuer ihr 75-Jahr-Jubiläum und wird in dritter Generation von Christian Kinigadner geführt. Durch die bunte Angebotspalette vereint die Firma etliche Gewerke - vom Grafiker bis hin zum Monteur. Visuelle Kommunikation ist der Überbegriff.
Das klingt für die Zukunft wenig optimistisch?
Die Nebenkosten müssen herunter. Mein Opa hat für einen Grundstückskauf gar keine Bank gebraucht, das ist heute längst vorbei. Denn wir Unternehmer können die Steuerlast kaum noch tragen. In puncto Personal peilen wir die Vier-Tage-Woche an, vielleicht hilft das ja.
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