06.05.2022 06:00 |

„Krone“-Kolumne

Leidenschaft auf Sparflamme?

Soziologin und Sexualpädagogin Barbara Rothmüller darüber, wie sich Leidenschaft in langjährigen Liebesbeziehungen entwickelt. 

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Mit 52 Jahren hat Sabine ihre große Liebe kennengelernt. Mittlerweile sind sie und ihr Partner acht Jahre zusammen. Trotz der guten Beziehung stellt sie bei einer Befragung mit Bedauern fest: „Dieses Feuer, das es am Anfang gab, dieses Neue ist weg.“ Ihrer Paarbeziehung fehlt es seit einiger Zeit an sexueller Spannung. Damit ist Sabine nicht allein. Nur bei einem von drei Paaren bleibt das Sexleben auch nach Jahren noch so leidenschaftlich wie zu Beginn der Beziehung.

Einen Schuldigen dafür kann man gleich ausschließen: Die Kinder. Denn die Abnahme der sexuellen Leidenschaft findet man auch bei kinderlosen Paaren. Vielmehr hängt die Häufigkeit der Partner-Sexualität mit der Beziehungsdauer zusammen. Eine frisch verliebte Pensionistin hat statistisch gesehen mehr Sex als eine junge Frau in einer 10-jährigen Beziehung. Wichtiger als die Häufigkeit wird mit der Zeit die sexuelle Zufriedenheit. Denn was bringt es einem, ständig schlechten Sex zu haben? Menschen wollen meistens dann nicht mehr so viel Sex, wenn sie ihn als wenig lustvoll erleben. Und darüber klagen vor allem Frauen.

Diese Lustlosigkeit nach einigen Jahren Beziehung ist allerdings kein Naturgesetz. Was hält das Feuer der Leidenschaft bei jedem dritten Paar am Brennen? Die Forschung zeigt, dass leidenschaftliche Paare mehr und besseren Sex haben, weil sie sich aktiv darum bemühen. Sie sprechen mehr über Sex, sie investieren mehr Energie darin, eine gute sexuelle Stimmung zu schaffen, sie probieren unterschiedliche sexuelle Aktivitäten aus. Und: Sie haben häufiger Oralsex. Mit dem Resultat, dass sie verlässlicher beim Sex einen Orgasmus haben - nämlich auch die Partnerinnen. Scheidensaft schafft Leidenschaft, sozusagen. Oder umgekehrt. Und davon will frau mehr!

Aber machen wir uns nichts vor. Leidenschaft auf Sparflamme funktioniert nicht. Muss es auch nicht. Denn den meisten Paaren macht es nicht viel aus, dass sie wenig Sex haben. Langzeitbeziehungen sind auch ein Gewinn: „Ich habe Verlustängste gegen Vertrauen und Selbstvertrauen eingetauscht. Ich kann so sein, wie ich will“, freut sich Sabine. Nicht immer ist es also nur die pure Leidenschaft, die Beziehungen glücklich macht. Sondern oft genug auch die Sicherheit, Zärtlichkeit und das Vertrauen einer langjährigen Liebe.

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Barbara Rothmüller
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