25.03.2022 00:00 |

Entspannungsgeladen

Citroën C5 X: Drei in einem und ein Supergleiter

Fünf Jahre ist es her, dass sich Citroën aus dem D-Segment, also der oberen Mittelklasse zurückgezogen hat. Die Tränen über den Abgang des C5 sind lange getrocknet, die Lücke im Modellprogramm blieb. Nun bringen die Franzosen mit dem C5 X nicht nur einen Nachfolger, sondern nach eigener Sprechart deren drei: Der große Neue soll Fans von Limousinen, Kombis und SUVs gleichermaßen abholen - und das mit beispiellosem Komfort. „Krone“-Motorredakteur Stephan Schätzl konnte den Citroën C5 X vor Marktstart bereits fahren, seine Eindrücke hier im Video.

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Die Geschichte von den drei Autos in einem klingt zwar nach einer Marketing-Plattitüde, mündet aber in ein sehr stimmiges Fahrzeugkonzept. Eine Limousine entdecken wir im C5 X zwar nicht, eher ein Fließheck, aber als Kombi geht er absolut durch und mit knapp 20 Zentimeter Bodenfreiheit sowie dezenter Plastikbeplankung darf man das Wort SUV schon in den Mund nehmen. Dazu passt auch die kräftig ausgeformte Karosserie.

Gut zu laden, aber …
Der Kofferraum fasst 485 Liter, per Fernentriegelung lässt man die Lehnen fallen und bekommt 1580 Liter dachhohes Volumen. Lästig sind nur die Plastikschienen am Kofferraumboden, die das Hineinschieben des Gepäcks erleichtern sollen, in Wahrheit aber selbiges während der Fahrt laut scheppernd durch die Gegend fliegen lassen. Abhilfe schafft ein optionales Gepäcknetz, das man in den vier serienmäßigen Ösen einhängen kann.

Viel Platz ist auch im Innenraum des großen Franzosen, der immerhin 4,81 Meter Länge und 2,79 m Radstand aufweist. Mega-Kniefreiheit, tolle Kopffreiheit, bequeme Sitzbank, top! Es ist ein Vergnügen, hier auf langen Strecken zu reisen. Dazu trägt - so viel vorweg - auch das Fahrwerk bei.

Sehr entspannt zu fahren
Wenn der C5 X im Juni 2022 zu den österreichischen Händlern sowie zu den ersten Kunden rollt, schöpft Citroën aus dem Vollen: Vorläufig ist nur die Topmotorisierung erhältlich, also der Plug-in-Hybrid mit 224 PS Systemleistung. Und der bringt serienmäßig das „Advanced Comfort Fahrwerk“ samt adaptiver Regelung mit. Das heißt: Die Hightech-Stoßdämpfer haben hydraulische Endanschläge, wodurch sie weicher abgestimmt werden können, ohne dass man ein Durchschlagen befürchten muss und ohne dass das Fahrwerk schwammig wird. Zusätzlich kann man ihr Verhalten auch noch auf Knopfdruck regeln.

Ergebnis: Der Citroën C5 X beherrscht es derart komfortabel schweben, dass das eine Hydropneumatik kaum besser können dürfte. Vor allem in der komfortabelsten der drei Einstellungen sieht man Bodenunebenheiten mehr, als dass man sie spürt. Aus PSA-Zeiten gäbe es für dieses Fahrwerk auch noch eine kamerabasierte Regelung, die bleibt der Marke Citroën jedoch vorenthalten. Aber angesichts des herrlichen Schwebegefühls vermisst man das nicht.

Natürlich erkauft man sich den Komfort mit deutlicher Seitenneigung in Kurven und einer leichten Reizung der Magennerven, vor allem in der zweiten Reihe, aber wirklich schwammig fährt sich der Franzose auch so nicht. Vielleicht wird man aber dennoch eher im Modus „Hybrid“ unterwegs sein, der mit der mittleren Fahrwerkseinstellung verbunden ist.

Vom Fahrmodus Sport darf man sich nicht zu viel erwarten. Er ermöglicht dynamischeres Fahren mit etwas strafferer Dämpfung, wirklich sportliche Härte mutet der Citroën C5 X seinen Insassen aber nicht zu. Die Lenkung vermittelt aber in allen drei Modi überraschend viel Gefühl für die Fahrbahn, obwohl sie leichtgängig und konsequenterweise nicht sonderlich direkt abgestimmt ist.

Einziger Kritikpunkt diesbezüglich: Man kann die Fahrwerksmodi nicht komplett unabhängig von den Antriebsmodi anwählen. Im Sportmodus werden die Gänge der Acht-Stufenautomatik grundsätzlich weit ausgedreht, was nicht zum Charakter des Wagens passt und durchaus nerven kann.

Der Antriebsstrang ist altbewährt und kommt in etwa zehn anderen Autos des Stellantis-Konzerns zum Einsatz. Ein 180 PS starker 1,6-Liter-Vierzylinder wird mit einem 81 kW/110 PS leistenden Elektromotor zusammengeschaltet, was 224 System-PS und 360 Nm Systemdrehmoment ergibt. Wenn man es darauf anlegt, gehen sich mit dem 1751 kg schweren Wagen 223 km/h Spitze und ein Standardsprint in 7,9 Sekunden aus.

Im reinen Elektromodus ist bei einem Höchsttempo von 135 km/h Schluss, die Reichweite nach WLTP beträgt 54 Kilometer. Während einer ersten Testfahrt in Barcelonas Innenstadt und einigen Kilometern Autobahn hielt der 12,4-kWh-Akku 47 Kilometer weit durch.

Geladen wird serienmäßig mit 3,7 kW Wechselstrom, optional 7,4 kW. Und natürlich während der Fahrt per Rekuperation. Der Tritt aufs Bremspedal löst zunächst die Rekuperation aus, bei höherem Verzögerungsbedarf wird zusätzlich Bremsdruck aufgebaut. Dieser Übergang funktioniert nicht immer ganz geschmeidig. Vor allem beim Anhalten kommt es teils zu deutlichem Rucken.

Auch wenn der Benziner gerade aktiv ist, geht es im Topmodell sehr leise zu, jedenfalls wenn man auch noch die Topausstattung mitbestellt hat. Diese umfasst unter anderem Akustikverglasung rundum. So dürfen also auch die Ohren mitschweben.

Basismotor kommt Ende des Jahres
Eine zweite Motorisierung soll in Österreich angeboten werden, allerdings erst ab Ende 2022: ein 1,2-Liter Dreizylinder mit 130 PS. Der ist war gut gedämmt, macht aus seiner Zylinderzahl akustisch aber kein Geheimnis. Und das will so gar nicht zum komfortablen und durchaus eleganten Eindruck der SUV-Kombisine passen. Diese Variante muss übrigens auf die adaptive Dämpferregelung verzichten, das Advanced Comfort Fahrwerk mit hydraulischen Anschlägen ist aber serienmäßig und auch sehr komfortabel. Noch ein Unterschied zum Plug-in-Hybrid: Der Kofferraum des Benziners ist 60 Liter größer, weil keine Batterie untergebracht werden muss. Dafür muss man bei umgeklappter Rücksitzlehne eine Stufe in Kauf nehmen.

Viel Eleganz im Innenraum möglich
Das Innenraumdesign muss als gelungen bezeichnet werden, alles wirkt schön integriert, nichts irritiert (anders, als das bei früheren Citroëns bisweilen der Fall war). Untenherum ist zwar viel hartes Plastik angebracht (Citroën gehört gemeinsam mit Fiat zu den Einstiegsmarken im Stellantis-Konzern), ansonsten ist die Materialauswahl aber durchaus ansprechend. Wenn auch nicht in jedem Fall stilsicher - es kann je nach Ausstattung auch zu einem wilden Materialmix kommen.

Aber es ist auch edles Leder erhältlich, das dezent mit stilisierten Citroën-Doppelwinkeln verziert ist. Dieses Designfeature findet sich auch an anderen Stellen.

Technisch up to date
Das digitale Tachodisplay ist mit 7 Zoll sehr klein geraten, dafür kann das 12 Zoll große (Serie: 10 Zoll) Zentraldisplay überzeugen. Der Touchscreen reagiert schnell, tippt man mit drei Fingern gleichzeitig darauf, landet man immer in der Übersicht. Sehr gut: Es gibt echte Drehregler für die serienmäßige Zweizonen-Klimaanlage, außerdem einen Lautstärke-Drehregler. Am Multifunktionslenkrad befinden sich echte Tasten. Auf den Einsatz von Touch- oder Slider-Elementen wird zum Glück verzichtet.

An Assistenzsystemen mangelt es nicht, je nach Ausstattung kann der Citroën automatisiert fahren und Spur sowie Abstand zum Vordermann halten.

Die Preise
Basispreis für den Plug-in-Hybrid in Ausstattung Feel ist 46.870 Euro, und da ist ausstattungsmäßig schon einiges geboten. Angesichts der mäßigen Übersichtlichkeit ist es gut, das sowohl Parksensoren vorne und hinten ebenso an Bord sind wir die Rückfahrkamera. Dazu Zweizonen-Klima, verdunkelte Scheiben, 19-Zoll-Felgen, 3D-Navi, drahtloses Apple CarPlay/Android Auto, Wischwasser aus dem Scheibenwischer etc.

„Shine“ ist ab 48.970 Euro zu haben, da sind dann Head-up-Display, automatisiertes Fahren und auch eine hochwertigere Innenausstattung inkludiert.

„Shine Edition“ bietet außer der elektrisch betriebenen Heckklappe technisch nicht viel Zusätzliches, aber Akustikverglasung und ein spezielles Innenraumpaket. Außerdem bekommt man die Möglichkeit, um 1020 Euro das Glaspanoramadach zu bestellen. Und der Top-Innenraum, der unter anderem die sensationellen Advanced-Comfort-Sitze umfasst, kostet nur 960 Euro extra.

Fahrzit
Citroën schreibt sich immer Avantgarde auf die Fahnen. Das haben wir oft mit „gewollt anders, aber irgendwie schrullig“ zu übersetzen gelernt. Im Fall des Citroën C5 X eckt aber tatsächlich nichts an. Der Wagen ist ein sehr komfortabler Reisegleiter, dessen Fahrwerk tatsächlich Erinnerungen an die Hydropneumatik weckt. Schön, wenn ein Hersteller seine Geschichte so gelungen neu interpretiert.

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