15.03.2022 06:00 |

Angespannte Lage

Kein Regen in Sicht: Österreich trocknet aus

Selten war es zu Frühlingsbeginn so trocken - und so kalt. Laut aktuellen Wetterkarten ist auch weit und breit kein Regen in Sicht.

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Es klingt irgendwie paradox – obwohl die Temperaturen seit Wochen nachts ins Minus rutschen, brennt im Tiroler Außerfern der Waldboden. Am Wochenende brach in Pinswang an der Grenze zu Bayern ein Feuer aus, das die Einsatzkräfte immer noch in Atem hält. 35 Hektar Wald sind betroffen, drei Löschhubschrauber und 150 Feuerwehrleute sind mit der Brandbekämpfung beschäftigt. Der Boden muss händisch aufgehackt werden, um die knochentrockenen Wurzeln löschen zu können.

Brände in ganz Österreich
Auch aus anderen Bundesländern, etwa Niederösterreich, wurden bereits Brände gemeldet. Und in Burgstallberg in Kärnten sorgten Löscharbeiten für ein bizarres Bild: Das Löschwasser gefror über Nacht und verwandelte die Landschaft in eine regelrechte Eiswüste.

Seit Wochen kein Niederschlag
Waldbrände um diese Jahreszeit haben jedenfalls Seltenheitswert. Doch tatsächlich hat es in weiten Teilen Österreichs seit Wochen keinen Tropfen geregnet. Die Sonne schien dabei von einem wolkenlosen Himmel - und es war nebenbei bitterkalt. „Schon im Herbst war die Niederschlagsmenge um 40 Prozent zu gering“, erinnert Michele Salmi, Meteorologe beim heimischen Wetterdienst Ubimet. In den Nordalpen konnte dieses Defizit über die Wintermonate nur bedingt ausgeglichen werden.

Und die Lage bleibt angespannt: Zwar ziehen in der Nacht auf Mittwoch zwischen Tirol und dem Mariazeller Land ein paar Schauer durch, „wir rechnen aber maximal mit 10 bis 20 Litern pro Quadratmeter“, erklärt Salmi.

Im Süden sinkt der Grundwasserspiegel
Im März sollten – laut langjährigem Mittel – eigentlich 150 bis 200 Liter Regen pro Quadratmeter fallen. Davon sind wir aktuell nicht nur meilenweit entfernt, es zeichnet sich eine weitere Trockenperiode ab. Laut aktuellen Wetterkarten ist weit und breit kein ergiebiger Niederschlag in Sicht. In den südlichen Regionen macht sich die Trockenheit daher auf weitere, beunruhigende Weise bemerkbar.

Der Grundwasserspiegel in Kärnten, der Südsteiermark und dem Südburgenland befindet sich derzeit weit unter dem für die Jahreszeit üblichen Niveau. Auf niedrigem Niveau dümpelt auch der Neusiedler See dahin, der Wasserstand ist alarmierend - es fehlen 35 Zentimeter.

Daten und Fakten

  • Großflächige Windwürfe beeinträchtigen die Wasserrückhaltefähigkeit eines Schutzwaldes. Durch die Trockenheit sind vor allem flachwurzelnde Fichtenmonokulturen anfälliger für so ein Naturereignis. Intakte Laubwälder können wie ein Schwamm etwa zwei Millionen Liter Nass speichern.
  • Die Landwirtschaftskammer in Oberösterreich hat ein eigenes Trockenheitsmonitoring und das Vorsorgesystem ARIS ins Leben gerufen. Infos: www.warndienst.lko.at
  • Laut Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) in Wien nimmt der Wettertrend zu immer weniger Regen- und Schneefällen in den Monaten März und April seit den 2000er-Jahren immer mehr zu.
  • Rund 30 Prozent aller - den Klimawandel und die Trockenheit befeuernde - CO2-Emissionen kommen aus dem Verkehr. Im Güterverkehr zählt der Lkw-Transit zu den Haupt-Schadstoffausstoßen. Der Transport von einer Tonne Fracht mit der Bahn ist hingegen 30-mal so klimafreundlich.

Wasserkraftwerke laufen noch ohne Probleme
Zwar führen auch die Flüsse aktuell wenig Wasser, beim Verbund geht man aber davon aus, dass sich das im Jahreszyklus wieder verschieben wird. Die Stromproduktion laufe normal.

Oliver Papacek
Oliver Papacek
Mark Perry
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