07.02.2022 09:11 |

Belastung zu hoch

Italiens Spitälern laufen die Ärzte davon

Italien ist mit einem Exodus von Ärzten aus Krankenhäusern konfrontiert. Trotz der geringeren Belastung des Gesundheitswesens angesichts rückgängiger Infektionszahlen, ist das Unbehagen der Ärzte in den Krankenhäusern immer noch sehr groß, warnte der Präsident des Ärzteverbands (Fnomceo), Filippo Anelli, im Interview mit den Nachrichten Tgcom24.

Artikel teilen
Drucken
Kommentare
0

„Trotz der 30.000 außerordentlichen Neueinstellungen von Gesundheitspersonal ist die Situation für die Krankenhäuser und die Ärzte vor Ort immer noch schwierig. Vor Jahren sagten wir schon vorher, dass es bis 2025 50.000 Ärzte weniger in den Krankenhäusern und 30.000 weniger Hausärzte geben würde. Heute haben viele Bürger bereits keinen Hausarzt mehr, und die Notfall-Stationen sind unterbesetzt. Nur 28,4 Prozent der Krankenhausärzte möchten weiterhin im nationalen Gesundheitsdienst beschäftigt sein“, warnte Anelli.

Nicht einmal jeder Dritte möchte in öffentlicher Einrichtung arbeiten
Nach Anellis Angaben stellen die Ärzte ihre Berufswahl nicht infrage, aber nur 28,4 Prozent möchten in einer öffentlichen Einrichtung arbeiten; 26 Prozent würden es vorziehen, im Ausland zu arbeiten, 19 Prozent möchten in den Ruhestand gehen. 14 Prozent würden gern in einer privaten Einrichtung arbeiten und 13 Prozent möchten selbstständig sein.

Übermäßige Arbeitsbelastung steht ganz oben auf der Liste der Gründe, wegen denen Ärzte die Krankenhäuser verlassen wollen, zusammen mit Bürokratie, Verwaltungsaufgaben, mangelnder Berücksichtigung der sozialen Rolle, einer der Verantwortung nicht angemessenen Entlohnung und nicht zuletzt dem in den zwei Jahren der Covid-19-Pandemie angesammelten Stress. Eine wachsende Zahl von Hausärzten verlassen den Beruf vor Erreichen des Rentenalters und äußert sich unzufrieden über die hohe Arbeitsbelastung.

Tausende ungeimpfte Ärzte wurden suspendiert
Das italienische Gesundheitspersonal ist auch wegen der Flucht des nicht geimpften Personals aus den Krankenhäusern belastet. In Italien sind 2254 Ärzte und Zahnärzte vom Dienst suspendiert worden, weil sie sich nicht gegen das Coronavirus impfen ließen. Diese Mediziner haben bisher keinen Impfnachweis in das einheitliche digitale Erfassungssystem hochgeladen und können damit nicht mehr ihrer Arbeit nachgehen. In Italien gilt seit April 2021 eine Impfpflicht im Gesundheitswesen.

Die Zahl der suspendierten Mediziner steigt damit weiter an: Im November 2021 hatte die Kammer noch 1656 Fälle gemeldet und eigentlich gehofft, dass sich immer mehr Ärzte impfen lassen würden. Insgesamt haben aktuell 29.972 Ärzte ein unvollständiges Corona-Impfregister, wie die Ärztekammer mitteilte. In dieser Gruppe werden aber auch jene mitgezählt, die etwa wegen einer Genesung auf eine Impfdosis warten müssen, die im Ausland geimpft wurden oder die aus gesundheitlichen Gründen kein Vakzin erhalten können.

Neben den suspendierten Ärzten fehlen dem Gesundheitssystem in dem Mittelmeerland auch Tausende andere Mitarbeiter. Etwa 6000 Krankenschwestern und Pfleger sind aktuell suspendiert, weil sie nicht geimpft sind. Seit Februar gilt eine Impfpflicht für Italiener im Alter von über 50 Jahren.

 krone.at
krone.at
Kommentare
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).