28.12.2021 15:00 |

Pommers Feierabend

Wird schon gut gehen!

Einen schönen Dienstagabend.

Jetzt bekommen wir also vielleicht bald 500 Euro, damit uns andere das Leben retten können. Es geht um den Impfbonus für den dritten Stich, und ich finde, man sollte das Vergütungssystem auch auf andere medizinische Dienstleistungen ausdehnen. Für eine erfolgreiche Reanimation nach einem Herzinfarkt müsste für den Patienten schon ein Elk-Haus drinnen sein; amputierte Gliedmaßen könnten in Gold aufgewogen werden; bei Haut- und Geschlechtskrankheiten möchte ich so kurz nach dem Heiligen Abend nicht über Bonifikationen nachdenken, aber Sie wissen schon, worauf ich hinauswill. Warum nicht Menschen für Behandlungen wegen Raucherlungen, Fettlebern, Zirrhosen, Adipositas usw. adäquat entlohnen? Vielleicht ähnlich wie bei Reisemängeln mit einer Art Frankfurter Liste. Bei Lärm in der Nacht gibt es dort 10 bis 40 Prozent vom Preis, bei erfolgreicher Herztransplantation in Zukunft ein Cabrio - mit dem man aber vorsichtiger fahren sollte als der, von dem man das Herz hat.

Aber wenn es hilft. Die SPÖ hat errechnet, dass der 500-Euro-Impfgutschein drei bis vier Milliarden Euro brutto kosten würde, das wären, die Rückflüsse weggerechnet, Nettokosten von zwei Milliarden Euro. Also so viel wie ein zweiwöchiger Lockdown. Einziger Wermutstropfen: Die Kohle soll laut Pamela Rendi-Wagner nur ausbezahlt werden, wenn eine Impfquote von 90 Prozent erreicht wird. Also nie. Und diese Frage stellt sich theoretisch auch: Wie oft soll es pro Jahr Gutscheine geben, wenn wir alle vier Monate zur Impfung müssen? Ist das schon das neue Grundeinkommen? Vizekanzler Werner Kogler will über einen solchen Bonus diskutieren. Das ist keine gute Nachricht. Viele seiner Botschaften werden am Ende dieses Prozesses so gut in Schachtelsätzen verstaut sein, dass sie verstauben - und so kommt vermutlich die Durchseuchung schneller als das erste Geld per Post. Oder wir werden beim achten Stich für den dritten entlohnt, mit Gutscheinen, die abgelaufen sind. Kennen wir ja von unseren eigenen Weihnachtsgeschenken. Aber es ist auch der Wille, der zählt.

Apropos Durchseuchung. Wir haben uns die Situation am Flughafen Wien-Schwechat angesehen, wo es schon keine Babyelefanten gab, als sie noch in waren. Mehr dazu morgen in der Wien-„Krone“ und auf krone.at/wien. Sagen wir so: Die Fluggäste auf dem Foto zu zählen ist wie dieses Gewinnspiel, bei dem man die Anzahl der Bohnen in einem riesigen Glas erraten muss. Nur dass sich Hülsenfrüchte selten mit Omikron anstecken. Aber nach bald zwei Jahren wissen wir eben noch so wenig über das Virus. Wird schon gut gehen.

Ich wünsche einen schönen Feierabend, so Sie einen haben.

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