24.12.2021 16:00 |

Weihnachtsgeheimnis

Bischof Benno: Jeder Mensch hat sein Bethlehem

Auch für Bischof Benno Elbs war die Vorweihnachtszeit anders als in anderen Jahren, die Not der Menschen spürbarer. Doch aus der Weihnachtsbotschaft zieht Vorarlbergs oberster Hirte Hoffnung und Zuversicht.

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Herr Bischof, hatten Sie in diesem Advent überhaupt Zeit, sich auf Weihnachten vorzubereiten?

Ich habe die vorweihnachtliche Zeit, die von der Pandemie geprägt war, genutzt, um mit jenen in Kontakt zu treten, denen es nicht so gut geht. Dabei hatte ich viele berührende Erlebnisse, habe Menschen kennengelernt, die schwere Schicksalsschläge erlitten hatten, die aufgrund von Krankheit oder Kurzarbeit in finanzielle Engpässe geraten waren. Solche Begegnungen bringen mich letztlich zum Geheimnis von Weihnachten.

Wie sieht dieses Geheimnis für Sie aus?

Weihnachten heißt für mich, dass sich Gott in die Situation des Menschen begibt. Viktor Frankl, der während der NS-Zeit im Konzentrationslager war und bei dem ich meine Ausbildung gemacht habe, hat einmal gesagt, dass jeder sein Auschwitz habe. Ich würde sagen, jeder hat sein Bethlehem. Jeder hat seine Ängste, seine Not, seine Unsicherheit. Und auch seine Erschöpfung, die Müdigkeit, die all diese Corona-Dinge mit sich bringen. Wenn man dieses Bethlehem der Menschen sieht, sieht man auch, was Weihnachten bedeutet: Nämlich, dass Hoffnung und Zuversicht in diese menschlichen Situationen kommen.

Sie gehen also mit Hoffnung und Zuversicht ins weltliche neue Jahr?

Ich sehe es so, dass im Gesamtkonzert dieser Pandemie verschiedene Aufgaben übernommen werden - von Medizinern, von Politikern... Die Kirche sehe ich als zuständige Abteilung für Hoffnung und Freude. Die Religionen haben die Aufgabe, dass die Menschen die Zuversicht nicht verlieren. Obwohl das neue Jahr keine kleinen Probleme mit sich bringen wird, bin ich voller Zuversicht.

Was stimmt Sie so zuversichtlich?

Es ist jene Stelle im Lukas-Evangelium, als der Engel den Hirten erscheint. In der Botschaft sind drei Codewörter enthalten. „Fürchtet Euch nicht“ bedeutet, dass niemand Angst haben muss, wenn die Menschen zusammenstehen. „Ich verkündige Euch große Freude“ steht dafür, dass der Grundwasserspiegel der Freude nicht zu stark sinken darf. Wenn man ständig von Problemen hört, ist das deprimierend. Deshalb sollte man darauf achten, die Freude nicht zu verlieren.

Und die dritte Botschaft?

In dem Satz „Euch ist ein Retter geboren“ steckt die Überzeugung, dass das Rettende eine große Kraft hat. Friedrich Hölderlin hat in seiner Hymne Patmos mit „Nah ist und schwer zu fassen der Gott. Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch“ ganz treffend ausgedrückt. Also dort, wo die Bedrohung groß ist, wächst auch das Rettende.

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