„Krone“-Interview

Kultband Opus verabschiedet sich in die Pension

48 Jahre nach den ersten Gitarrenriffs gehen Opus nun in Livepension. Vier letzte Konzerte spielen Ewald Pfleger, Herwig Rüdisser und Co. noch, dann geht jedes Mitglied anderen Plänen nach. Pfleger stand uns vor dem Ende noch Rede und Antwort.

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Als Ewald Pfleger 1984 am Strand von Ibiza das Lied „Live Is Life“ schrieb, konnte er die weitreichenden Folgen freilich nicht vorausahnen. Der Song eroberte in Österreich, Deutschland, Schweden und Frankreich Platz eins der Charts, wurde in Großbritannien und den USA mit Gold veredelt. Unterschiedliche Bands wie Laibach, DJ Ötzi, J.B.O. oder die Münchener Freiheit coverten den Hit und interpretierten ihn auf ihre Weise. Die „Hand Gottes“ Diego Maradona tanzte Ende der 80er-Jahre beim Aufwärmen im Dress des SC Napoli zum Song, der finnische Eishockey-Club Tappara erkor ihn zur Vereinshymne und 2014 wurde er beim großen Zapfenstreich zur Verabschiedung von Thomas de Maiziére aus dem Amt des deutschen Bundesverteidigungsministers gespielt. Sogar die deutsche Kultband Pur hieß ursprünglich Opus und benannte sich erst nach dem weitreichenden Erfolg von „Live Is Life“ um und in der Gegenwart baut die Apple-Erfolgsserie „Ted Lasso“ auf die markante Melodie. Das Video zum Kulthit wurde übrigens in der Wiener Arena gedreht!

Ende am Höhepunkt
International werden Opus weithin als One-Hit-Wonder abgestempelt, hierzulande reüssierte die Band aber 48 Jahre lang mit 17 Alben und großen Songs wie „Flyin‘ High“ oder „Whiteland“, die ebenfalls in die Geschichte der heimischen Popkultur eingingen. Nach knapp fünf Dekaden verabschieden sich Opus dieser Tage endgültig in die Live-Pension. Nicht zuletzt durch den angeschlagenen Gesundheitszustand von Sänger Herwig Rüdisser, der 2019 eine schwere Herz-OP überstand und damit zum entscheidenden Baustein für das Ende der Band wurde. „Wenn du mit sechs Schläuchen im Bett liegst und wie ein Marsmensch aussiehst, dann kommt dir unweigerlich der Gedanke, dass es vielleicht auch mal genug ist“, erzählt er uns im Herbst 2020 im Interview. Die Kollegen waren einverstanden und planten einen würdigen Abschied mit dem Doppelalbum „Magnum“ und ausladenden Live-Terminen, die man trotz der Pandemie so gut wie möglich durchzog.

Mit STS und der EAV zählen Opus zum großen Triumvirat des steirischen Austropop. Aufgrund der prekären Corona-Lage war es lange nicht klar, ob die letzten großen Abschiedskonzerte so stattfinden könnten, wie gewünscht. Quasi im letzten Moment wurden die Weichen gestellt, wodurch sich Opus am 16. Dezember in der Wiener Stadthalle F, am 17. Dezember im Weizer Kunsthaus und am 20. und 21. Dezember in der Grazer Oper samt Orchester unter der Leitung von Christian Kolonovits von ihren Fans verabschieden können. (noch verfügbare Karten gibt es unter www.oeticket.com) Nach rund 30 gefeierten Auftritten im In- und Ausland quer über den Sommer und Frühherbst treten Opus mit einer ganzen Riege an Stargästen somit in die würdige Live-Pension ab. Große Momente und Emotionen zum Abschied sind garantiert. Bandchef und Gitarrist Ewald Pfleger sprach mit uns im Vorfeld noch einmal über alle Details zu den letzten Shows und dem Ende von Opus.

„Krone“: Ewald, dieser Tage geht es mit Opus nach 48 Jahren wirklich dem Ende zu. Wie fühlst du dich dabei?
Ewald Pfleger: Es ist vor allem sehr stressig, weil wir mit den letzten Konzerten extrem viel zu tun haben. Vor allem die zwei Abschlusskonzerte in der Grazer Oper nehmen viel Zeit in Anspruch. Wir haben aber fertig geprobt und die allerletzte Probe in unserem Studio in Judendorf sehr genossen. Natürlich bedauern wir das Ende und haben schon gesagt, dass wir uns hier wieder einmal zu einer Session treffen müssen.

Ich habe dich im Sommer bei eurem Konzert in Wiesen gefragt, wie es dir ein halbes Jahr vor dem Ende gehen würde und schon damals war unglaublich viel Wehmut dabei…
Ja, das war bei jedem Auftritt in den letzten Monaten so. Vor allem jetzt wird es wirklich extrem. Wir wollen in Wien, Weiz und dann zweimal in Graz noch einmal alles geben, denn es ist unwiderruflich der Abschied von der Bühne.

Haltet ihr euch ein Hintertürl für spezielle Einzelkonzerte oder besondere Gigs in der Zukunft offen?
Nein, das ist ausgeschlossen. Wir hören komplett auf und dieses Versprechen werden wir einhalten.

Bis zum 31. Dezember ist aber noch etwas Raum, falls ihr euch nach den zwei großen Konzerten in der Grazer Oper noch einmal auf die Bühne stellen wollt…
Wir haben eine sehr interessante Anfrage aus Übersee bekommen, aber ich glaube nicht, dass die zustande kommt. (lacht) Der Veranstalter ist schon seit zwei Monaten dahinter, aber mittlerweile rennt uns wohl die Zeit davon.

Es war durch die Corona-Restriktionen lange nicht klar, ob sich diese Abschiedskonzerte tatsächlich noch heuer ausgehen würden. Hättet ihr sie sonst 2022 nachgeholt?
Definitiv. Wie alle Österreicher haben wir darauf gewartet, was die Regierung sagt. Anfangs hieß es, es würden Konzerte bis zu 1000 Leute zugelassen. Das wäre für uns zu wenig gewesen. Wir hätten alles auf Ende Mai verschieben müssen, aber unser neuer Bundeskanzler hat dann bekanntgegeben, dass man vor bis zu 2000 Besuchern bestuhlt spielen kann und wir waren froh, dass wir es doch noch durchziehen konnten.

Hat sich durch diese kurzfristige Entscheidung noch zusätzlicher Zeitstress bei euch eingestellt?
Nein, wir haben monatelang so geprobt, wie es immer geplant war. Wir wurden durch die Entscheidung nicht überrascht und sind perfekt vorbereitet.

Du hast in 48 Jahren Opus schon so gut wie alles überlebt, aber herrscht vor diesen letzten Auftritten noch eine andere Art von Nervosität? Auch, wenn diese Konzerte nicht die größten eurer Karriere sind?
Die Nervosität ist natürlich da. Es passiert so viel bei den letzten Shows. Die Abschlusskonzerte in Graz werden vom Fernsehen aufgezeichnet und es wird nächstes Jahr davon eine Samstagabendshow im ORF geben. Außerdem nehmen wir dort eine DVD und eine Live-CD auf. Natürlich herrscht hier große Anspannung, aber wir waren schon ein paar Mal in solchen Situationen. Ich denke an die Aufnahme von „Live Is Life“ oder das Riesenkonzert in Liebenau 1985, wo wir kaum Zeit hatten, mit den anderen Acts zu proben.

Ist es manchmal ganz gut, die Dinge einfach auf sich zukommen zu lassen?
Wir sind schon gut vorbereitet und lassen nichts dahintröpfeln. Wir hatten einen guten Plan, den haben wir eingehalten und ansonsten mussten wir uns nach den Gegebenheiten der Pandemie richten. Wir sind extrem gut drauf, weil wir heuer an die 30 Auftritte hatten. Wir sind auf der Bühne in Fahrt und werden auch die letzten vier Konzerte gut hinbringen.

Haben diese schönen Erlebnisse heuer nicht zu einem Umdenken geführt? Zur Lust, mit Opus doch noch weiterzumachen? Vielleicht bis zum 50er der Band?
Thomas Spitzer von der EAV hat mich immer gerne daran erinnert. Er hat bei mir im Studio aufgenommen und meinte, dass es schon länger gehen würde, jetzt, wo es so gut läuft. Wir haben die Konzerte 2021 in den Festspielhäusern, bei den Open Airs und auch international sehr genossen. Das Publikum hat uns bejubelt und gefeiert und für uns war all das großes Kino. Die letzten Shows werden uns immer in Erinnerung bleiben, aber dann ist es eben auch mal vorbei.

Ist das Ende von Opus 2021 vom Timing her für dich perfekt?
Das würde ich schon so sagen. Durch die „Magnum“-Platte und unsere Ankündigung, aufzuhören, hat schon alles ganz gut zusammengepasst. Die Leute, die zu uns kommen, sind happy und wir sind noch einmal richtig gut drauf und unglaublich froh, dass die Menschen uns noch einmal bejubeln.

Viele Leute hätten mit eurem Ende 2020 erschienenen Album „Magnum“ gar nicht mehr gerechnet.
Wenn wir ohne neues Album und ohne neue Songs aufgehört hätten, hätte das keinen so schönen Beigeschmack gehabt. So haben wir uns selbst noch einmal einen tollen Abschied beschert.

In Wien und in Graz habt ihr Gäste auf der Bühne. Wer wird wo zu sehen und zu hören sein?
In Wien sind Maria Bill und Reinhold Bilgeri dabei, in Graz noch einige mehr. Zu den beiden gesellen sich noch Willi Resetarits, Christian Kolonovits und STS. Ich hoffe auf Schiffkowitz, Steinbäcker und Timischl - also auf alle. Eingeladen sind sie und wir sind guter Dinge, dass sie kommen werden. Johannes Silberschneider wird moderieren und auch die Schick Sisters und Robby Musenbichler sind in Graz dabei - insgesamt elf Gäste. Bei allen Gigs wird auch mein Sohn Paul dabei sind und bei „In The End“ mitsingen. Es wird zudem eine schöne Studio-Percussion geben.

Was wird für dich persönlich beim Abschluss der emotionalste Moment werden?
Einer der emotionalsten wird sicher „In The End“ mit Paul sein. In Graz werden wir erstmals auch „Bye, Bye“ spielen und besonders schwer wird natürlich der allerletzte Song „Don’t Say Goodbye“ ausfallen. Gar keine Frage.

Wie werden sich die Konzerte in Wien und am Ende in Graz unterscheiden?
In Wien gibt es weniger Gäste und das Set wird etwas kürzer sein. In Wien spielen wir 2,5 Stunden und in Graz mehr als drei Stunden. Dort werden die längsten Konzerte der Opus-Geschichte stattfinden. Das liegt natürlich auch an den Gästen. Wir müssen am Ende noch einen draufsetzen. (lacht)

Was war für dich in 48 Jahren Opus der absolute Karrierehöhepunkt?
Es gab so viele. Wir haben 14 Mal in Moskau gespielt und hatten Touren durch die USA und in Lateinamerika. Das sind unvergessliche Erinnerungen. Der österreichische Höhepunkt war sicher die Show 1985 in Liebenau, die mit 25.000 Fans restlos ausverkauft war. Es gab so viele tolle Gäste, die dort mit uns ihre Hits gespielt haben.

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