10.12.2021 11:45 |

Netzagentur-Papier

EU will kompatible Messenger, aber die User nicht

Im Zuge des „Digital Markets Act“ (DMA) will die EU IT-Riesen wie den Facebook-Mutterkonzern Meta zwingen, ihre Messenger für die Konkurrenz zu öffnen, womit es einerlei wäre, ob der einzelne User WhatsApp, Signal, Telegram oder andere Apps nutzt: Nachrichten würden dem Empfänger zugestellt, egal was er verwendet. Auch die deutsche Bundesnetzagentur denkt über diese Kompatibilitätspflicht nach. Ein Diskussionspapier zeigt dort aber: Die Umsetzung wäre kompliziert. Und bei den Nutzern ist der Wunsch nach Kompatibilität nicht besonders stark: Viele befürchten Nachteile beim Datenschutz, nutzen lieber verschiedene Apps.

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Die Idee der EU sieht vor, dass Messenger ebenso wie soziale Netzwerke künftig miteinander kompatibel sein müssen. Das würde Apps ermöglichen, mit denen man verschiedene soziale Netzwerke und Messenger gleichzeitig nutzen könnte: WhatsApp-Rivalen wie Signal könnten WhatsApp-Nachrichten empfangen, auf sozialen Netzwerken wie Twitter könnte man Postings anderer sozialer Netzwerke einbauen. Die Bundesnetzagentur hat sich die Idee in einem Diskussionspapier näher angesehen.

Darin werden die Vor- und Nachteile skizziert: Einerseits könnten kompatible Messenger neue Wettbewerbsimpulse setzen, andererseits würden damit Herausforderungen im Bereich des Datenschutzes einhergehen. Umfragen unter den Nutzern zeigen indes, dass der Wunsch nach miteinander kompatiblen Messenger-Apps nicht stark ist: Wer mit Kontakten auf mehreren Plattformen kommunizieren will, installiert schlicht mehrere Messenger auf seinem Smartphone.

Viele Smartphone-User haben mehrere Messenger
So geht aus dem Diskussionspapier, das Heise.de vorliegt, hervor, dass 37 Prozent der Deutschen unter 40 schon jetzt fünf oder mehr Messenger auf ihrem Smartphones haben. Auf einen oder höchstens zwei Messenger beschränken sich am ehesten Nutzer über 40. Insgesamt hat etwa die Hälfte der Smartphone-Nutzer drei oder mehr Messenger am Handy. Der Messenger-Wildwuchs auf ihren Smartphones stört die Nutzer nicht: Die Apps stehen ohnedies kostenlos zur Verfügung, 58 Prozent befürchten im Falle eines Kompatibilitätszwanges, dass ihre Daten gegen ihren Willen an andere Anbieter weitergegeben werden.

Anbieter befürchten negative Auswirkungen
Auch die Betreiber sehen die Idee der EU skeptisch: Zwar kann sich die Hälfte der befragten Anbieter eine freiwillige Öffnung grundsätzlich vorstellen, die meisten würden sich aber nicht freiwillig daran beteiligen. Sie befürchten negative Auswirkungen auf Innovation, Datenschutz und Datensicherheit bei Messenger-Apps. Für eine Kompatibilitätspflicht, wie von der EU vorgeschlagen, ist daher nur eine Minderheit. Platzhirsch Meta mit seinen Diensten Facebook, WhatsApp und Instagram arbeitet indes daran, seine eigenen Dienste konzernintern enger zu verzahnen, hier könnte eine Kompatibilität langfristig auch ohne gesetzliche Verpflichtung kommen.

Drei Möglichkeiten für Kompatibilität
Grundsätzlich, so das Diskussionspapier, seien drei technische Möglichkeiten denkbar, um das Ziel untereinander kompatibler Messenger zu erreichen. Möglich sei einerseits, sogenannte Bridges bereitzustellen, die Nachrichten des einen Messengers für den anderen übersetzen. Bei vielen Messengern würden solche Tools aber gegen die derzeitigen AGB verstoßen. Eine Alternative wären APIs: Programmierschnittstellen, mit denen die Anbieter untereinander Daten austauschen könnten. Diese Programmierschnittstellen müssten die Anbieter selber schaffen und festlegen, welche Funktionen angeboten werden und in welcher Form Daten übermittelt werden müssen. Ein weiterer Ansatz wäre die komplette Standardisierung von Smartphone-Messengern, so wie etwa auch der SMS-Versand standardisiert ist.

Insgesamt, so das Fazit, dürfte die Herstellung einer verpflichtenden Kompatibilität verschiedener Messenger-Dienste keine einfache Aufgabe werden und komplizierter sein als bei von vornherein standardisierten Angeboten wie SMS, zumal Messenger-Apps weltweit genutzt werden und daher idealerweise eine globale Abstimmung notwendig wäre.

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