„Krone“-Umfrage

Lobautunnel: Pro und Contra im Überblick

Der Stopp des Lobautunnels sorgt weiter für heiße Diskussionen: Während Umweltschützer, Grüne und NEOS jubeln, kommt heftige Kritik von SPÖ, ÖVP, FPÖ und der Wirtschaft. Die wichtigsten Argumente auf einen Blick.

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Die Meinungen zur Entscheidung von Infrastrukturministerin Leonore Gewessler (Grüne) sind geteilt, wie eine „Krone“-Umfrage zeigt (siehe unten). Wir listen die wichtigsten Punkte der Diskussion auf.

So argumentieren die Projektbefürworter

  • Der Lobautunnel fehlt als Lückenschluss für den Regionenring, der eine Umfahrung für Wien bildet. Der Transitverkehr würde an der Stadt vorbeigeführt. Laut ÖAMTC-Berechnungen entstehen in jedem Jahr, in dem der Lobautunnel später fertig wird, über 500 Millionen Euro an vermeidbaren Staukosten auf der Südosttangente.
  • Es handelt sich um das „best geprüfte“ Straßenbauprojekt Österreichs. Ein Expertengremium hatte 2017 den Tunnel nach einer Überprüfung „ausdrücklich befürwortet“.
  • Der Tunnel wird in 60 Meter Tiefe verlaufen. Auf dem Gelände des Nationalparks sind keine Entlüftungsbauwerke vorgesehen. Befürworter erwarten keine Störung der Grundwasserströme.
  • Ohne den Tunnel werden die Stadtstraße und die Spange Aspern im Nirwana enden. An diesen Projekten hängen aber 60.000 Wohnungen in Stadtentwicklungsgebieten. Gleichzeitig rechnet die Wirtschaft mit weniger Betriebsansiedelungen.
  • Es wurden bereits gewaltige Summen in das seit Jahrzehnten geplante Projekt investiert. Laut einer parlamentarischen Anfrage sind es bisher 147 Millionen Euro.

  • Befürworter meinen, dass Ministerin Gewessler das Projekt gar nicht stoppen kann, da es im Bundesstraßengesetz steht. Die Stadt Wien und das Land Niederösterreich prüfen rechtliche Schritte. Von der Ministerin wird das hingegen bestritten.

So argumentieren die Projektgegner

  • Es wird bezweifelt, dass es zu weniger Verkehrsbelastung kommt. Stattdessen steigt der Gesamtverkehr an, was zu höheren Treibhausgasemissionen führt und klimafreundlicherer Mobilität widerspricht.
  • Durch den Tunnel kommt es zu einem enormen Bodenverbrauch und Versiegelung. Laut einer Studie von Greenpeace gehen insgesamt 178 Hektar an landwirtschaftlichen Flächen verloren. Darauf könnte etwa der Jahresbedarf an Erdäpfeln für 122.000 Menschen angebaut werden.
  • Kritiker haben ihre Zweifel beim Thema Sicherheit: So gab es bei großen Tunnelprojekten immer wieder Probleme, wie etwa die Wassereinbrüche beim Bau des Semmering-Basistunnels. Zugleich wird auf die langen Fluchtwege im Hinblick auf einen Unfall hingewiesen.
  • Ein Geologe warnt auch vor schweren Folgen beim Grundwasser. So könnte ein riesiger unterirdischer Wasserspeicher durch einen undichten Tunnel kontaminiert werden.
  • Ein Tunnelbau hat auch große Auswirkungen auf die Tierwelt. Laut Greenpeace sind dadurch wertvolle Lebensräume der Sumpfschildkröte, des Donaukammmolchs oder des Laubfroschs bedroht.
  • Bisher wurden Kosten von 1,9 Milliarden Euro für die S1 zwischen Schwechat und Süßenbrunn (inklusive Tunnel) genannt. Schätzungen von Projektgegnern liegen aber deutlich höher: Gerechnet wird mit bis zu 4,5 Milliarden Euro an Kosten.
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Dass der Lobautunnel wieder nicht kommt, ist eine Frechheit! Jede andere Großstadt hat eine Umfahrung, nur Wien nicht. Jeden Tag staut es sich auf der Tangente.

Stefan Hochensasser

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Ich bin für den Lobautunnel, es gibt keine geeignete Alternative. Ich wohne in der Donaustadt, und es staut sich täglich auf der Stadlauer Straße.

Gabriele Valdebenito

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Der Lobautunnel hätte schon vor 20 Jahren gebaut werden sollen. Das war damals ein Fehler und ist es heute noch. Jeden Tag staut sich der Verkehr entlang der Tangente.

Ernst Plaß

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Ich finde es super, dass der Lobautunnel nicht kommt! So würde nur noch mehr Verkehr entstehen. Die Stadt muss für die Menschen da sein und nicht für die Autos.

Camilla Peball

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Ich wohne in der Seestadt, aber ich fahre jeden Tag mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Für mich hätte der Lobautunnel daher keine Vorteile.

Doris Holovicz

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Ich wohne in der Seestadt, aber wenn es der Umwelt schadet, bin ich gegen das Bauprojekt. Die Stadt sollte stattdessen besser in ein besseres Öffi-Netz investieren.

Balint Sipos

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