30. Todestag

Freddie Mercury und seine kultigen Nachfahren

Am 24. November begehen wir den 30. Todestag von Queen-Frontmann und Wundersänger Freddie Mercury. Während seine Popularität dank des Films „Bohemian Rhapsody“ ungebrochen ist, tourt die Originalband mit Sänger Adam Lambert munter weiter. Der Kanadier Marc Martel, der ihm stimmlich am nächsten kommt, macht mit seiner „One Vision Of Queen“ in der Wiener Stadthalle Station und der Steyrer Austrofred huldigt Freddie mit viel Humor und Austropop-Chic.

War er der beste Sänger aller Zeiten? Diese Frage lässt sich nicht objektiv klären, aber selbst potenzielle Queen-Gegner wissen, dass Freddie Mercurys Stimmumfang in der Pop- und Rockwelt seinesgleichen suchte. Daneben brillierte er mit einer Wagenladung voller Charisma und einer ausufernden Präsenz, für die andere Frontmänner gut und gerne mehrere Gliedmaßen geopfert hätten. Er war die Stimme und das Gesicht einer Band, die zeit ihres viel zu kurzen Lebens einen Hit nach dem anderen schrieb und sehr früh in den Rock-Olymp emporschoss. Mercurys Leben abseits der Bühne war ein auf und ab voll falscher Freunde, sensationeller Auftritte, fragwürdiger Entscheidungen, kreativer Geniestreiche und arroganter Anflüge. Am 24. November 1991, vor 30 Jahren, starb er im Alter von nur 45 Jahren an den Folgen einer Lungenentzündung. Fünf Jahre nach seinem letzten Auftritt vor 120.000 Fans im Knebworth Park, wo er bei Songs wie „Who Wants To Live Forever“, „Love Of My Life“ und natürlich „Bohemian Rhapsody“ noch einmal alle Register zog. Zwei Alben singt er danach noch mit der Band ein, die Bühne sollte Mercury nicht mehr betreten.

Zur Unsterblichkeit geadelt
Die Strahlkraft des geborenen Frontmanns mit dem markanten Vorbiss ist so grell, dass die Fans wohl bis heute keine Neuauflage mit anderem Sänger dulden würden. So taten die Nachlassverwalter Brian May und Roger Taylor gut daran, die später folgenden Paul Rodgers und - bis heute - Adam Lambert als eigene Stimmen zu präsentieren und sie nicht als Freddie-Nachfolger zu verheizen. Der große Erfolg des Musicals „We Will Rock“ sollte Queen ab 2002 ein zweites Leben geben, der Hype rund um den Film „Bohemian Rhapsody“ vor gut drei Jahren sorgte dann für einen derartigen Queen-Hype, dass die Band und Mercury endgültig zur Unsterblichkeit geadelt wurden. Für den Gesang im Film sorgte der Kanadier Marc Martel, der Freddie nicht nur stimmlich gleicht, sondern auch optisch als Double durchgeht. Diese Kombination hat auch Roger Taylor überzeugt, der mit Martel an der Spitze 2011 die offizielle Coverband Queen Extravaganza ins Leben rief - und Martel damit eine Weltkarriere bescherte.

Mittlerweile tourt er mit dem Tribute-Projekt „One Vision Of Queen“ durch die Welt und macht am 20. Februar 2022 auch in der Wiener Stadthalle Halt. Mit im Gepäck hat er die größten Hits von Queen und eine gehörige Portion Eigenständigkeit. Auf Freddies Schnurrbart oder die gelbe Lederjacke verzichtet der 45-Jährige bewusst. „Wir ahmen Freddie und Queen nicht nach“, betont er im „Krone“-Gespräch, „ich habe hier die künstlerische Kontrolle und kann meine eigene Geschichte erzählen.“ Martel war anfangs gar kein Queen-Fan und spielte in Kanada jahrelang mit seiner christlich geprägten Rockband Downhere. In den frühen 2000er-Jahren kaufte er sich Queens „Greatest Hits“ und entdeckte die Songs spät für sich. „Mir ist es immer noch unbegreiflich, wie talentiert Freddie Mercury war. Wie viel Ausdruck eine einzige Person besitzen konnte. Alle Musiker tragen ihre Note zu Songs bei, aber Freddie hat zeit seines Lebens alle übertroffen.“

Nicht einzuordnen
Optisch Freddie Mercury angeglichener ist Franz Wenzl aka Austrofred. Der Kreisky-Frontmann aus Steyr wirft sich gerne in die gelbe „Freddie-Panier“ und vermischt seit etwa 20 Jahren Queen-Melodien mit Austropop-Chic und viel Humor. „Ich habe damals beim Hartlauer in Sierning eine Queen-Platte liegen gesehen. Aus irgendeinem Grund hat mich das Cover interessiert und was ich dann gehört habe, hat mich sofort fasziniert: Chöre, Power, Rhythmuswechsel - das habe ich aus der Hitparade nicht gekannt.“ Freddie Mercury verfiel er schnell. „Ich finde den besonderen Mix aus der größtmöglichen Geste bei gleichzeitiger Verletzbarkeit extrem reizvoll. Freddie war immer zwei Drittel Macho und ein Drittel Ballerina. Du konntest ihn nie ganz einordnen.“ Das sieht Martel ähnlich. „Ich teile mit Freddie wohl diese Jekyll-&-Hyde-Persönlichkeit. Abseits der Bühne sind wir beide reserviert und vielleicht sogar schüchtern. Sobald wir aber oben stehen, drehen wir die Regler hoch, sind Entertainer und liefern die Show.“

Martel und Wenzl sind mittlerweile beide so alt wie Freddie, als er vor 30 Jahren starb. Der Zugang zur Bühnenfigur Mercury unterscheidet sich bei beiden beträchtlich. „Mein Plan wäre, dass ich den älteren Freddie mit leichtem Bauchansatz und zurückweichendem Haar interpretiere“, so Austrofred, „da arbeite ich auch schon hart darauf hin.“ Martel hingegen versucht sich so gut wie möglich vom übermächtigen Schatten spendenden Idol zu emanzipieren. „Ich zolle ihm Tribut, bin aber nicht sein Repräsentant. Mir ist es wichtig, mich nicht in Freddie Mercury zu verlieren.“ Mercurys Gehabe und die Bühnenpräsenz definiert Martel für sich, in der Stimme hat er dafür wenige Freiheiten. „Als Originalinterpret kannst du Musik und Stimme ändern und adaptieren, wie du es für richtig hältst. Ich will den Leuten aber genau das geben, was sie sich erwarten und bin so nahe wie möglich am Original.“ Austrofred findet Martels Stimme sehr gut, „nur bei den Mikrostangl-Moves hat er schon noch Nachholbedarf.“

Bei „One Vision Of Queen“ dürfen sich Fans der Band jedenfalls auf eine breite Palette an Hits samt bombastischer Show freuen. „Wir wählen die Songs aus, die wir auch mögen“, blickt Martel schon ein paar Monate voraus, „Natürlich dürfen ,Bohemian Rhapsody‘, ,Somebody To Love‘ oder ,Love Of My Life‘ nicht fehlen, aber wir geben uns auch die Freiheit, etwas tiefer zu graben. Wir werden definitiv ,Stone Cold Crazy‘ und ,Seven Seas Of Rhye‘ spielen. Ich mag Queens frühe Rocksongs.“ So bleibt Platz für alle Geschmäcker. Martel kommt mit „One Vision Of Queen“ in die Stadthalle, Austrofred lässt sich die heimischen Bühnen künftig auch nicht nehmen. „Es gibt natürlich einen Anteil Persiflage bei mir, aber die Hommage ist weit größer, das wissen auch die Queen-Fans. Wenn auch am Anfang meiner Karriere das eine oder andere Glasl in meine Richtung geflogen ist.“ Und die originalen Queen warten darauf, mit Adam Lambert wieder die großen Bühnen der Welt zu betreten. Freddie selbst sieht all das wohl schmunzelnd von ganz woanders und würde sich über seine nicht versiegende Popularität gewiss freuen. Völlig egal, in welcher Art und Weise ihm gehuldigt wird.

Geballt live
„One Vision Of Queen“ kommt am 20. Februar 2022 in die Wiener Stadthalle. Karten und alle weiteren Infos zur Top-Show gibt es unter www.ticketkrone.at. Austrofred plant für 3. Februar (OKH Vöcklabruck) und 6. Februar (Steyr, Röda) zwei Leseevents - je nach Corona-Lage. Queen + Adam Lambert wollen 2022 wieder auf Europatour gehen. Leider ohne Österreich-Termin, aber beim Song „Bohemian Rhapsody“ traditionell mit Freddie Mercury auf der Konzertleinwand.

Robert Fröwein
Robert Fröwein
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