Frauen an Amutsgrenze

„Am Monatsende bleiben mir fünf Euro übrig“

Dass es den Kindern gut geht, war Anna Maria das Wichtigste. Ihnen hat sie viel Zeit gewidmet - Jahre, die ihr jetzt für die Pension fehlen. Die 67-Jährige ist eine von 68.000 Frauen an der Armutsgrenze in OÖ.

Anna Maria hatte kein Glück in der Liebe. Zwei Ehen gingen in die Brüche, weil sich beide Männer als Alkoholiker entpuppten. Zwischendurch war sie mit einem Mann zusammen, der sie schwer misshandelte. Und plötzlich stand die Steyrerin alleine da. 53-jährig, mit gebrochenem Herzen und drei schulpflichtigen Kindern – zwei weitere erwachsene hatten den Kontakt abgebrochen. Nach sechs Jahren Karenz ging die ehemalige Magistratsangestellte nun geringfügigen Beschäftigungen nach. „Ich musste mich um die Kinder kümmern, ich hatte ja niemanden. Mein Fehler war, auf eine freiwillige Versicherung zu verzichten.“

Irgendwie wurschtelten sie sich durch
 „Geldsorgen gab es nicht, ich hab immer gearbeitet.“ Bis eine Tochter mit 15 schwanger wurde. „Ich wollte, dass sie die Schule fertig macht. Also bin ich mit dem Buben zuhause geblieben. Wir haben von Alimenten, Familienbeihilfe und Kindergeld gelebt. Jetzt gehen mir Monate für die Alterspension ab.“ Heute lebt die 67-Jährige in Linz, bezieht Sozialhilfe und verkauft „Kupfermuckn“.

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Wir haben von Alimenten, Familienbeihilfe und Kindergeld gelebt. Jetzt gehen mir Monate für die Alterspension ab.

Anna Maria

„Kinder führen ein gutes Leben“
„Die Kinder führen ein gutes Leben, das ist alles, was für mich zählt. Sie helfen mir, wo sie können. Geld würde ich aber nie von ihnen annehmen.“ 949 Euro erhält Anna Maria samt Wohnbeihilfe. „Passieren darf nix. Mir bleiben am Ende des Monats 5 Euro.“ Dass sich ihr 10-jähriger Enkel davon nicht abschrecken lässt, bedeutet ihr viel. „Er ist gern bei der Oma und weiß, dass ich ihm mehr geben würde, wenn ich könnte.“

68.000 Frauen betroffen
Ähnlich wie Anna Maria geht es 68.000 Oberösterreicherinnen. Ihnen würde laut Dagmar Andree von der AK eine Verbesserung der 2020 gekürzten Sozialhilfe helfen. Andererseits wären vorbeugend attraktivere Arbeitsmarktangebote, bessere Bezahlung, leistbares Wohnen und der Ausbau der Kinderbetreuung notwendig. „Frauen sollten schauen, dass sie finanziell unabhängig sind. Man weiß nie, was kommt“, sagt Andree.

Infos bietet der Sozialratgeber 21 unter ooe.arbeiterkammer.at.

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Montag, 29. November 2021
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