04.09.2021 06:00 |

Messner und Habeler

Alpinlegenden sehen für die Gletscher schwarz

Unsere Bergwelt ist in Gefahr. Der Gletscher am Dachstein etwa könnte laut Experten in 20 Jahren verschwunden sein. Die Alpinlegenden Reinhold Messner und Peter Habeler sind alarmiert. Der 8. Mai 1978 war ein historischer Tag. Messner und Habeler bezwangen als erste Menschen ohne Sauerstoffgeräte den Mount Everest. Die Bergwelten waren damals heile Welten.

Heute blickt man mit Besorgnis auf die Bergspitzen. Auch und vor allem in Österreich. Gletscher wie jene am Dachstein oder in Vorarlberg, verschwinden, so die Prognosen, sukzessive. „In den Alpen spüren wir den Klimawandel stärker als anderswo in der Welt. Wir haben die Energie 100 Jahre aus den fossilen Brennstoffen bezogen. Wir haben erst spät gemerkt, dass das Klima verrückt spielt“, sagt Alpinlegende Messner zur „Krone.“

Heute wisse man, dass der Mensch für die Erwärmung mitverantwortlich sei. Dennoch habe es immer schon Klimaschwankungen gegeben, „auch schon zur Zeit von Ötzi. Da war es entschieden heißer als heute“, so Messner. Beim Gletscherschwund jedoch sehe man den Wandel deutlich. „Wir hier unten haben das zu verantworten. Doch die vielen Bergsteiger verändern das Klima nicht. Wenn wir das Auto stehen lassen und zu Fuß gehen, sind wir kaum Verschmutzer."

Messner sieht Bedarf beim Verkehr und beim Heizen. Beim Auto werde es wohl auf eine Brennstoffzelle hinauslaufen. „Wir sind eine mobile Gesellschaft, das ist unumkehrbar. Bei den möglichen Antrieben müssen wir ansetzen.“ Der 76-jährige Südtiroler hält jedoch fest, dass es nicht angehe, seine Generation, also jene, die nach dem Krieg alles wiederaufgebaut habe, „in Grund und Boden zu schimpfen.“ Kleiner Seitenhieb auf die jüngsten Bewegungen: „Nur am Freitag demonstrieren gehen, ist zu wenig.“

Messner: „Es liegt in der Hand der Jungen“
Fest steht: Die vergangenen sechs Jahre waren die heißesten in der Messgeschichte. Messner: „Die Zeit der Messung ist nichts im Vergleich zur Erdgeschichte. Klimaforscher tun so, als würden derartige Entwicklungen das erste Mal passieren. “ Doch hat er Hoffnung auf Reaktion der Politik? „Wir Menschen müssten generell Verzicht üben. Das Problem ist: Politiker, die das fordern, werden nicht gewählt.“ Reinhold Messner zieht einen Vergleich mit Corona: „Wenn 30 Prozent der Leute sich nicht impfen lassen, warum sollte man dann alle Leute dazu kriegen, etwas gegen den Klimawandel zu tun?“ Hoffnung bleibt: Der Alpinist und Achttausenderbezwinger glaubt, dass die neuen Generationen neue Technologien finden werden: „Es liegt in der Hand der Jungen.“

Von der philosophischen Seite geht Messners Mount-Everest-Bergkamerad, der Tiroler Alpinheld Peter Habeler im „Krone“-Interview an das Alpindrama heran. „Die Berge sind ewig und werden die Menschheit - was immer sie der Natur da oben antut -überleben.“ Wiewohl es den Bezwinger der schwierigsten Gipfel dieser Welt schmerzt, zu sehen, wie die Gletscher der Heimat buchstäblich mit jeder Tour schrumpfen: „Viele der weißen Riesen meiner Jugendzeit sind verschwunden, und kleineren Gletscher sind ohnehin unrettbar dem Untergang geweiht.“

Mark Perry
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Erich Vogl
Erich Vogl
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