24.08.2021 10:07 |

2. Platz hinter Japan

Studie: Österreicher erstaunlich sozial achtsam

Stellen Sie sich vor: Es befinden sich noch drei Tortenstücke auf dem Tisch, von denen nur noch eines von einer begehrten, köstlichen Schokoladentorte stammt. Greifen Sie zu oder präsentieren Sie sich sozial achtsam und lassen Sie auch anderen Personen die Wahl? Laut Studie würde der Großteil der Österreicher auf das eigene kulinarische Vergnügen verzichten - und anderen den Vorzug geben. Diese Bedachtsamkeit katapultiert uns in einem Ländervergleich im Ranking von 31 Ländern weltweit auf den zweiten Platz - hinter den für ihren Anstand und Etikette geprägten Japanern.

Die österreichische Stichprobe* landete in der Auswertung hinter Japan auf Platz zwei, gefolgt von Mexiko und Israel, heißt es im Fachblatt „PNAS“. Bei der sozialen Achtsamkeit, „geht es darum, dass man bei einer eigenen Entscheidung immer mit bedenkt, was das für andere Leute bedeuten kann“, erklärt die Sozialpsychologin Ursula Athenstaedt von der Universität Graz gegenüber der APA.

Während die oftmals untersuchte Kooperation irgendeine Art von gemeinsamem Ziel beinhaltet, setzt diese Form der Achtsamkeit unterschwelliger an und steht stark im Zusammenhang mit einer sozialen Wertorientierungen, die darauf abzielen, dass einem selbst, aber auch anderen etwas bleibt.


Erhebliche Unterschiede zwischen den Ländern

Tatsächlich fanden sich in der von Niels Van Doesum von der Universität Leiden (Niederlande) geleiteten Untersuchung erhebliche Unterschiede zwischen den Ländern, in denen die Studie entweder online oder unter Laborbedingungen durchgeführt wurde. Auch beim Ausmaß an sozialer Wertorientierungen weist der österreichische Teil der Studie den zweithöchsten Wert aus. Über die 31 Länder hinweg ließ sich ein Zusammenhang zwischen der Wertorientierung und der Achtsamkeit erkennen.

Erklären könne man sich das mit einer doch vorhandenen „gewissen Höflichkeitskultur in Österreich“. Zu dieser wissenschaftlich mit der Studie allerdings nicht festzumachenden mögliche Erklärung passe auch, dass mit Japan nur ein Land vor Österreich liegt, in dem dies traditionell sehr hochgehalten wird.

Umweltschutz als starker Faktor
Worauf die frappanten Unterschiede zwischen den Ländern - die vier hintersten Plätze belegen Südafrika, Indien, die Türkei und Indonesien - tatsächlich beruhen, lasse sich schwer sagen. Der stärkste untersuchte Zusammenhang zwischen der sozialen Achtsamkeit und einem anderen Faktor ergab sich überraschenderweise mit dem Umweltschutz. 

Kleine Gesten, große Wirkung
Insgesamt sei das als Hinweis zu werten, dass die Einstellung, die sich mitunter in kleinen Gesten zeigt, auch gewisse Auswirkungen auf größere gesellschaftliche Strömungen haben kann. Letztlich gehe es um eine grundlegende Haltung gegenüber dem „guten Auskommen miteinander. Wenn das in stärkerer Weise etabliert ist, ist das sicher günstig für das Zusammenleben“, so Athenstaedt.

*Insgesamt arbeiteten 65 Wissenschaftler an der Untersuchung, an der weltweit über 8300 Menschen teilnahmen. Über 300 kamen aus Österreich. Dabei handelte es sich um Studenten verschiedenster Fachrichtungen an der Uni Graz.

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